Text und Fotos von Marion Kehren
Nach dem heutigen Bundesliga-Nachholspiel gegen Bayer Leverkusen stellten sich der neue Löwinnendompteur Sven Kahlert und Vorstandsmitglied Hanns Dieter Weber (Sport) den Fragen der Presse. Bedingt durch die kurzfristige Verpflichtung war ein früherer Termin nicht möglich. Dabei zeigte sich der neue Coach recht offen und freute sich auf die neue Herausforderung in Duisburg.
Weber begründete die Verpflichtung Kahlerts damit, dass das Team durchaus noch eine sportliche Perspektive zu bieten hat. Natürlich schwebt das sportliche Risiko weiter mit, doch wolle man auf die Zukunft bauen. Kahlert hat, bedingt durch die Vorgaben des Insolvenzverwalters, lediglich einen Vertrag bis Saisonende erhalten. Dennoch gibt es natürlich einen Plan B sollte Duisburg a) in der Liga bleiben und b) die Insolvenz abgewendet werden.
Eine erste Kontaktaufnahme mit Sven Kahlert erfolgte vor ca. 2 Wochen. “Man wußte, dass Petra Hauser als Interimstrainerin max. bis Ende der Saison zur Verfügung gestanden hätte. Um aber eine zukunftsweisende Perspektive zu haben war uns klar, dass wir nach einer Lösung suchen mussten,” so Dieter Weber. Die Frage ob der FFC Frankfurt den Duisburgern in irgendeiner Art finanziell entgegen gekommen wäre, wurde von Weber deutlich verneint. Viele Gerüchte kursierten diesbezüglich im Netz und heizten die Debatte über die Neuverpflichtung des Trainers zusätzlich an. Kahlerts Vertrag ist in Frankfurt ausgelaufen, man hege aber gegenüber den Frankfurtern ein freundschaftliches Verhältnis. Zur Finanzierung des Coaches ließen sich die Protagonisten nicht in die Karten schauen, auch wenn klar sein dürfte, dass Kahlert nicht für lau bei Löwinnenclub arbeiten würde.
Auf die Fragen hin was den Reiz ausmachen würde vom Ligakrösus zu einem Verein zu wechseln der finanzielle eher auf sehr wackeligen Beinen steht und hauptsächlich junge Spielerinnen im Kader hat antwortete Kahlert offen und ehrlich:” Der Reiz war zum einen endlich wieder als Trainer arbeiten zu können, dass ist eine ganz einfache Sache. Zudem gab es schon immer einen guten Kontakt zum Club und man sollte auch nicht denken, dass Geld immer alles ist. Man sollte von dem Geld leben können und glauben Sie nicht, dass es in Frankfurt anders war. In erster Linie ging es wirklich nur darum dass man von dem Geld seinen Unterhalt bestreiten kann. Ich komme aus dem Jugendbereich und weiß wie man junge Leute aufbauen und fördern kann. das war in Frankfurt ganz anders. Es geht natürlich nicht einfach so, aber es ist auch nicht einfacher wenn man 10 Nationalspielerinnen im Kader hat. Über die Jahre wurden es immer mehr, es wurde da noch gekauft und hier noch verpflichtet. Es waren alles persönlich hervorragende Menschen, aber auch dann funktioniert es nicht so einfach alles zu gewinnen, nichts ist heutzutage noch selbstverständlich.”
Kahlert selber freut sich auf die neue Herausforderung:” Ich bin hier sehr herzlich empfangen worden und fühle mich recht wohl hier, …. was man so nach 2 Tagen sagen kann. Petra Hauser hat eine hervorragende Arbeit geleistet und ich kann mich an dieser Stelle nur recht herzlich bedanken. Natürlich hat jeder seine eigenen Ideen und wir werden sehen was wir davon in den nächsten Wochen umsetzen können.” Besonders erstaunt zeigte sich der Coach von der Tatsache, dass die Spielerinnen mit viel Spaß im Training bei der Sache wäre, was er in den letzten Monaten in Frankfurt leider nicht mehr erleben durfte. “Es bleibt mal dahin gestellt ob es dann immer am Trainer liegt oder an der Zusammenstellung der Truppe. Besonders erstaunt war ich heute darüber, dass Spielerinnen nach dem heutigen verlorenen Meisterschaftsspiel geweint haben, dass hab ich in meiner Zeit in Frankfurt nie erlebt. Ich habe allen gesagt, sie können erhobenem Hauptes den Platz verlassen, sie haben toll gekämpft und ich bin mir sicher, das wir die Klasse halten werden. Der Einsatz der Spielerinnen hat mich tief beeindruckt.”
Als die Anfrage aus Duisburg kam, setzte sich Kahlert mit seiner Freundin zusammen und relativ schnell war klar, dass er diese Herausforderung annehmen würde. – Und was macht jetzt Petra Hauser? Die ehemalige Trainerin die sich in den Dienst des Vereines gestellt hatte ließ nur ein offizielles Statement an die Presse weitergeben:” Ich bin menschlich und persönlich vom Verein so enttäuscht, dass ich weder die Platzanlage noch das PCC Stadion jemals noch einmal betreten werde, es sei denn als gegnerische Trainerin. Dies gilt ausdrücklich nicht für die Mannschaft!”







