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Mrz 04 2013

DFB-Pokal Halbfinale: Überraschung im Breisgau blieb aus

SC Freiburg – VfL Wolfsburg 0:5 (0:1)

Text von Stephan Tegründe, Fotos von Oliver Zimmermann/Framba

Es sollte nicht sein: hatten die Breisgauerinnen noch vor der Halbfinalpartie im DFB-Pokal gehofft, Geschichte schreiben zu können und dem hohen Favoriten auf dem Weg nach Köln ein Bein zu stellen, so wussten die Wolfsburgerinnen dies zu verhindern: anstelle des SC Freiburg sicherte sich nun der VfL den ersten Pokalfinaleinzug in der Vereinsgeschichte. Entscheidend beim zu deutlichen 5:0 (1:0)-Erfolg vor 1.003 Zuschauern im Freiburger Möslestadion war eine beeindruckende Effektivität bei der Verwertung von Standardsituationen, wobei Freiburg in ähnlichen Aktionen jeweils nur wenige Zentimeter fehlten.

Luisa Wensing, Conny Pohlers, Lena Goeßling, Alexandra Popp

Großer Jubel bei Luisa Wensing, die zum zwischenzeitlichen 0:2 getroffen hatte. Mit ihr freuten sich Conny Pohlers, Lena Goeßling und Alexandra Popp.

 

Chioma IgweIn den ersten zwanzig Minuten sah es beileibe nicht danach aus, als sollte der Ligaprimus leichtes Spiel mit dem aktuellen Tabellenvierten bekommen. Den Gästen fiel es schwer, eine spielerische Linie zu finden. In Richtung Tor der frisch für den Algarve-Cup nominierten Laura Benkarth ging zunächst wenig, und die Hausherrinnen schienen eine Ahnung davon zu bekommen, dass heute etwas gehen könnte. In der gleichen Formation aufgelaufen wie beim 4:1-Sieg vor Wochenfrist in Gütersloh, wirkten sie – was eigentlich charakteristisch für die Wölfinnen sein sollte – hungrig, bissig, und über die rechte Angriffsseite mit Marina Makanza durchaus gefährlich, und auch ihre defensive Kollegin auf der rechte Seite, die Amerikanerin Chioma Igwe, agierte sehr auffällig. Sie war es auch, die nach der dritten Freiburger Ecke in den Anfangsminuten das Leder an die Querlatte des Tores von Alisa Vetterlein beförderte, dann konnten die Wölfinnen diese brenzlige Situation klären. Das wollte wohl wenig später auch Luisa Wensing gegen die heranstürmende Claire Savin an der Strafraumgrenze, doch der Versuch misslang und ging nur wenige Zentimeter neben den eigenen Pfosten.

Alexandra Popp, Sara Däbritz, Claire SavinDer VfL überstand diese Phase mit etwas Dusel, befreite sich und erarbeitete sich zwei weitere Eckbälle, den zweiten davon nach einem missglückten Ball von Däbritz, und das hatte Folgen: die SCF-Abwehr klärt die Kugel nicht zwingend genug, über Henning gelangt die Kugel auf die halblinke Seite zu Gößling, und ihrer Flanke gibt die zu nachlässig gedeckte Alexandra Popp mit dem Kopf eine kleine, aber entscheidende Richtungsänderung, und unhaltbar für Benkarth schlägt es zum 0:1 ein – zwar kein Tor aus dem Nichts, aber dennoch etwas überraschend zu diesem Zeitpunkt. Zsanett Jakabfi, in der ersten Hälfte bemüht, aber wenig effektiv, hatte zuvor schon angedeutet, dass mit ihr auch an einem schwächeren Tag, den sie zweifelsohne hatte, immer zu rechnen ist. Freiburg wollte das nicht klaglos hinnehmen und hielt weiter dagegen; mitten in diese Drangphase wird ein abgefangener Ball lang auf Martina Müller geschlagen, doch Schiedsrichterin Söder pfiff ab, ihre Assistentin wollte ein Abseits gesehen haben – möglicherweise der einzige Fehler des gut leitenden Teams in Gelb. Bis zum Pausenpfiff ergab sich weder hüben noch drüben Schildernswertes, so ging es mit dem knappen, etwas glücklichen 0:1 in die Kabinen.

Fans VfL WolfsburgIn der Halbzeitpause reagierte Freiburgs Coach Milorad Pilipovic und brachte Hasret Kayikci für Savin, doch die Stürmerin fand, wie sie später auch selbst kommentierte, nicht richtig ins Spiel. Das erhoffte Tor erzielte stattdessen eine andere Ex-Duisburgerin auf der Gegenseite: Luisa Wensing stand nach einem halbherzig geklärten Eckball goldrichtig und traf aus acht Metern zum 0:2. Die Freiburger Antwort darauf wollte Makanza geben, die nach einem Solo über die rechte Seite Vetterlein zu einer Glanzparade zwang. Pilipovic setzte nun vollends auf die Offensive, ersetzte Igwe durch Sylvia Arnold, doch abermals brachte ein zu kurz abgewehrter Eckball die Entscheidung: hier bewies die just für Blässe eingewechselte Conny Pohlers einmal mehr ihre Torgefährlichkeit, reagierte nach einem Flipper-Ball am schnellsten und überwand die erneut machtlose Benkarth aus kurzer Distanz zum 0:3. Binnen fünf Minuten hatte der Tabellenführer also für die klaren Verhältnisse gesorgt, die man insgeheim befürchtet hatte. Doch der Gastgeber gab sich nicht auf und kämpfte weiter, mit einer Chance von Sylvia Arnold, doch Vetterlein parierte. Daraus ergab sich ein Tempogegenstoß von Jakabfi über die rechte Seite, ein präziser Pass in die Mitte, und Martina Müller netzte zum 0:4 ein. Zu allem Überfluss dezimierten sich die tapferen, glücklosen Freiburgerinnen dann auch noch selbst, nämlich in Person von Carmen Höfflin, die an der Mittellinie bei einer engen Aktion gegen Müller nach Ansicht der Schiedsrichterin zu grob eingestiegen war – Söder zögerte jedenfalls keine Sekunde und zeigte Höfflin die Rote Karte. Wütend verschwand diese in der Kabine, nicht ohne vorher in Klinsmann-Manier das Oval zu verlassen – mangels Bande musste allerdings ein Wasserkasten herhalten.

Nadine Kessler, Melanie LeupolzGegen zehn Gastgeberinnen brauchte der Favorit nun nicht mehr viel aufzuwenden. Die Breisgauerinnen versuchten es zwar noch weiter, um das Ergebnis erträglicher zu gestalten, so durch einen tollen Eckball von Maier, der hinter Alisa Vetterlein an die Latte krachte, aber wieder kam ein Gegenzug über Jakabfi, die der aufgerückten SC-Defensive über rechts davoneilte und zentral in Conny Pohlers eine dankbare Abnehmerin fand, die keine Mühe hatte, die chancenlose Benkarth zum zweiten Mal zu überwinden – es hieß 0:5, zu deutlich, den Spielanteilen nach zu urteilen. Doch was am Ende zählt, sind eben Tore, und für Freiburg wollten sie einfach nicht fallen, denn unmittelbar vor dem Schlusspfiff hämmerte Juliane Maier einen schönen Freistoß aus gut 20 Metern an den Innenpfosten, doch der Ball prallte zurück ins Feld – zum dritten Mal an diesem Tag, der einfach keiner für den SC Freiburg war. Was folgte, war ein ausgelassener, grün-weißer Jubel.

Der Favorit gewinnt den Wettstreit um die ‚Finalpremiere’ und zieht verdient, aber um mindestens ein Tor zu hoch ins DFB-Pokalendspiel ein, in welchem er am 19. Mai nun auf den 1.FFC Turbine Potsdam trifft, der in der zweiten Halbfinalbegegnung den amtierenden Pokalsieger Bayern München nach Verlängerung mit 4:1 bezwang. Den glücklosen Freiburgerinnen bleibt es versagt, eine bisher gelungene Saison mit einem besonderen i-Tüpfelchen zu krönen; sie können aber trotzdem erhobenen Hauptes vom Platz gehen und sich nun in den kommenden zwei Monaten darauf konzentrieren, sich die beste Ligaplatzierung der Vereinsgeschichte zu erarbeiten. Die ‚Grün-Weißen’ haben einen weiteren Schritt in Richtung mögliches ‚Triple’ gemacht und stehen angesichts zweier Nachholspiele sowie den Champions-League-Begegnungen nun vor einer wettkampfintensiven und vielleicht auch sehr erfolgreichen Zeit.

 

Torjubel VfL WolfsburgStimmen zum Spiel:

Milorad Pilipovic (SC Freiburg): „Wir haben die erste Halbzeit ausgeglichen gestaltet und konnten mit etwas Glück selbst in Führung gehen. Beim Kopfball-Gegentor standen wir zu weit weg, so etwas habe ich schon mehrfach angesprochen. Nach der Pause macht Wolfsburg aus nicht geklärten Standards zwei Tore, und das Spiel ist entschieden. Wir treffen drei, viermal die Latte. Ich weiß nicht, wie lange wir heute hätten spielen müssen, irgendwie hatte es sich gegen uns verschworen. Glückwunsch an den VfL Wolfsburg!“

Ralf Kellermann (VfL Wolfsburg): „In der ersten Halbzeit waren wir nicht auf dem Platz, das hat mir überhaupt nicht gefallen. Wenn die Freiburger mit ihren gefährlichen Standards treffen, dann kann es ganz anders laufen. Nach der Pause waren wir wie verwandelt, aber wirklich laufen lassen haben wir den Ball erst, als das Spiel entschieden war. Wir sind einfach glücklich, dass wir diesen Schritt gemacht haben.“

 

SC Freiburg:

Benkarth – Reynolds, Abbé, Clark, Igwe (58. S. Arnold) – Däbritz, J. Maier, Savin (46. Kayikci), Makanza (68. Giraud), Leupolz – Höfflin.

VfL Wolfsburg:

A. Vetterlein – Faißt, Henning, I. Hartmann (82. L. Vetterlein), Wensing – Gößling, Kessler, Jakabfi, Blässe (51. Pohlers) – M. Müller (73. Magull), Popp.

Tore:

0:1 Popp (20.)

0:2 Wensing (53.)

0:3 Pohlers (59.)

0:4 M. Müller (65.)

0:5 Pohlers (72.)

Gelbe Karten:

- / Blässe, M. Müller.

Rote Karte:

Carmen Höfflin (68., grobes Foulspiel)

Schiedsrichterin:

Angelika Söder (Schwarzenbruck) mit Franziska Haider und Annette Raith

Zuschauer:

1.003

 

Weitere Fotos unter: http://www.framba.de