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Apr 02 2013

1. Bundesliga, 17. Spieltag: Goldene Ostern für Frankfurt

1. FFC Frankfurt – VfL Sindelfingen 7:0 (2:0)

 

Text von Tom Schlimme, Bilder von Peter Henkel

 Ein schöneres Osterfest dürfte der Fußballgott dem 1. FFC Frankfurt lange nicht mehr geschenkt haben. Die erste Mannschaft gewann 7:0 gegen Sindelfingen, die zweite 1:0 in Saarbrücken und die U17 6:0 gegen den Lokalrivalen Eintracht Frankfurt.

 

Babett Peter

Babett Peter, hier attackiert von Tamar Dongus, brach mit ihrem Tor zum 1:0 den Bann

 

ph_thunebroDazu noch die Niederlage von Turbine Potsdam beim FC Bayern am Samstag, FFC-Herz, was willst du mehr? Mit dem 7:0 gegen den Tabellenletzten aus Sindelfingen zog der FFC nun wieder an Potsdam vorbei auf den wichtigen, weil zur Teilnahme an der Champions League berechtigenden zweiten Tabellenplatz. Wer will, findet auch in dieser Suppe noch Haare, so jenes, dass die ersten drei Tore aus katastrophalen Fehlern der Sindlinger Keeperin resultierten. Doch so, wie die Kräfteverhältnisse an diesem Tag im Stadion am Brentanobad verteilt waren, hätte der FFC dieses Spiel auch ohne die Torwartfehler früher oder später deutlich für sich entschieden.

Sindelfingens Trainer Niko Koutroubis, allgemein nicht gerade als Freund allzu übermütigen Angriffsspiels bekannt, hatte seine Elf extrem defensiv eingestellt. Von Beginn an verteidigte sein Team mit allen Spielerinnen in der eigenen Hälfte. Das Spiel wurde dadurch sehr einseitig, allerdings ging die Strategie, die Frankfurter Angreiferinnen durch den Riegel vor dem Strafraum vom Tor fern zu halten, einige Zeit auf. Ein Fernschuss von Melanie Behringer in der 8. Minute war die einzige halbwegs gefährliche Aktion in den ersten 20 Minuten. Dann jedoch kam Babett Peter nach klasse Doppelpass mit Kozue Ando, wobei beide die Hacke zur Ballweitergabe einsetzten, zu einem Weitschuss, der zwar genau auf Sindelfingens Keeperin Simone Holder kam, doch diese faustete den harten Schuss so unglücklich über sich, dass der Ball sich hinter ihr in die Maschen senkte. Trotz geschätzt 80% Ballbesitz war dies die erste wirklich gefährliche FFC-Aktion gewesen, und die war dann auch gleich erfolgreich. Damit war der Knoten geplatzt, von nun an kamen die FFC-Spielerinnen plötzlich locker auch über die Strafraumgrenze hinaus in Tornähe, und die Chancen häuften sich. Dabei änderte sich an der Taktik der Sindelfingerinnen gar nichts, sie blieben genauso defensiv in der eigenen Hälfte kleben wie bisher. So kam Svenja Huth, bekanntlich gelernte Stürmerin und in der Umschulung auf Außenverteidigerin begriffen, zu etlichen sehr guten Szenen, denn da Huth hinten völlig überflüssig gewesen wäre, stürmte sie munter vorne mit und sorgte mit ihrer Dribbelstärke für viel Gefahr auf dem rechten Flügel. Huth hatte Pech mit einem Schuss, der knapp am langen Eck vorbei ging, auch Lise Munk schoss aus der Drehung knapp vorbei, dann hielt Holder einen harten Schuss von Kim Kulig. Doch nach dieser guten Aktion leistete sich die Keeperin erneut einen Aussetzer, indem sie eine Flanke von Kerstin Garefrekes genau auf die Füße von Kozue Ando fallen ließ, die prompt das 2:0 erzielen konnte. Wenig später bewies Holder, dass sie es besser kann, indem sie einen harten Kopfball von Garefrekes noch zur Ecke lenkte. Ein weiterer Weitschuss von Behringer am Tor vorbei war dann die letzte nennenswerte Aktion der ersten Halbzeit.

ph_ando_rallFFC-Trainer Philipp Dahm überraschte das Publikum mit gleich zwei Wechseln in der Halbzeitpause. Für Dzsenifer Marozsan, die sich eine Blessur am Auge zugezogen hatte, kam Jessica Wich, und für Lise Munk Sandrine Bretigny. Das Spiel des FFC wurde aber eher noch stärker, begünstigt allerdings durch den dritten Torwartfehler. Diesmal war es eine Flanke von Svenja Huth, die die unglückliche Holder nicht festhalten konnte, und die eingewechselte Bretigny nutzte den Fehler zum 3:0. Für fünf Minuten versuchte es Sindelfingen nun auch mal etwas offensiver und spielte sogar mal kurz Forechecking, doch ohne Erfolg und das Spiel blieb so einseitig wie zuvor. Ein Schuss von Kim Kulig, die eigentlich freie Bahn auf das Tor hatte, ging vorbei, doch nachdem das Sindelfinger Abwehrbollwerk einen Eckball nicht richtig weg bekam, konnte Kulig etwa vom Elfmeterpunkt aus mit artistischer Volleyabnahme das 4:0 markieren. Nach starker Vorarbeit von Huth kam erneut Kulig dann nochmal zum Schuss, doch diesmal parierte Holder stark, und auch bei den übrigen Treffern blieb Holder chancenlos. Beim 5:0 knallte Behringer einen Freistoß flach und hart in die im Strafraum stehende Sindelfinger Mauer, Ando verwertete den Abpraller. Das 6:0 legte ebenfalls Behringer auf, diesmal brachte sie den Ball bei einem Freistoß aber hoch in den Strafraum genau auf den Kopf von Saskia Bartusiak. Beim 7:0 wehrte Holder einen harten und platzierten Schuss von Bretigny gut ab, hatte dann aber gegen den Nachschuss von Ando keine Chance. Das Ergebnis wäre noch höher ausgefallen, hätte nicht Tamar Dongus vorher noch einen Schuss von Kulig von der Linie kratzen können.

Zu einer einzigen Chance war Sindelfingen übrigens doch noch gekommen, nach einem Fehler von Huth in der Abwehr kam die eingewechselte Jana Spengler zum Schuss, doch dieser stellte für Desiree Schumann im FFC-Tor keine echte Prüfung dar.

Bedenklich stimmen muss der Hinweis von Sindelfingens Trainer Niko Koutroubis, das sein Team aufgrund der schwierigen Bedingungen in Sindelfingen seit Wochen kaum trainieren konnte. „Die Stadt steht nicht hinter uns, wir können einmal die Woche auf Kunstrasen trainieren, ansonsten trainieren wir wegen der Platzverhältnisse im Wald“, erläuterte Koutroubis.

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 1. FFC Frankfurt:

Schumann – Huth, Bartusiak, Kumagai, Peter – Berhringer, Marozsan (46. Wich) – Garefrekes, Kulig (72. Smisek), Ando – Munk (46. Bretigny)

 

VfL Sindelfingen:

Holder – Rall, T. Dongus, Blöchl, Mann – Szarvas (70. Rädle), Julevic, F. Dongus, Schneider (62. Eder), Grimm – Vollmer (46. Spengler)

 

Tore:

1:0 Peter (20.)

2:0 Ando (26.)

3:0 Bretigny (48.)

4:0 Kulig (58.)

5:0 Ando (68.)

6:0 Bartusiak (75.)

7:0 Ando (88.)

 

Gelbe Karten:         –   / F. Dongus

 

Schiedsrichterin:  Daniela Illing (Limbach-Oberfrohna) mit Susann Dittmar und Sandy Kuchmann-Nowak

 

Zuschauer: 1340