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Mai 15 2013

1. Bundesliga, 22. Spieltag: Angstgegner Bayern München

1. FFC Frankfurt – FC Bayern München 1:2 (0:2)

 

 

Text von Tom Schlimme, Bilder von Peter Henkel und Herbert Heid

 

Im entscheidenden Spiel um den zweiten Platz in der Liga und damit um die Teilnahme an der Champions League verlor der 1. FFC Frankfurt sein Heimspiel am letzten Spieltag der Saison gegen den FC Bayern München. Es ist der vierte Sieg der Bayern gegen den FFC in Folge.

 

Jubel bei Lena Lotzen (Bildmitte) und Vanessa Bürki (rechts), Entsetzen bei Frankfurts Keeperin Desiree Schumann und Saki Kumagai: Lotzen hat eben mit dem 0:2 für Bayern München den FFC aus den Champions League-Träumen gerissen! (Foto: Herbert Heid)

Jubel bei Lena Lotzen (Bildmitte) und Vanessa Bürki (rechts), Entsetzen bei Frankfurts Keeperin Desiree Schumann und Saki Kumagai: Lotzen hat eben mit dem 0:2 für Bayern München den FFC aus den Champions League-Träumen gerissen! (Foto: Herbert Heid)

 

Abschied Smisek, Angerer, Kumagai, BretignyDer 1. FFC Frankfurt begann furios. Bereits in der ersten Minute musste Bayern Keeperin Kathrin Längert einen Fernschuss von Dzsenifer Marozsan aus dem Eck kratzen. In der dritten Minute zirkelte Marozsan einen Freistoß genau auf den Kopf von Saskia Bartusiak, doch die köpfte über das Tor. In der fünften Minute spielte Svenja Huth genial auf Jessica Wich, doch die wurde durch die herauslaufende Längert noch abgeblockt. In der 10. Minute kam die steil geschickte Kerstin Garefrekes von rechts zu einer gefährlichen Flanke, doch Niki Cross klärte in höchster Not vor der wartenden Ana Maria Crnogorcevic. Kurz danach spielte Crnogorcevic in den Lauf von Kozue Ando, doch die scheiterte ebenfalls an der starken Bayern-Keeperin. Die lenkte dann in der 15. Minute auch einen Aufsetzer von Wich noch zur Ecke, die nach einem Freistoß zum Schuss gekommen war. Bis dahin hatte das Spiel fast nur in der Hälfte der Bayern statt gefunden, doch bei deren wenigen Angriffen deutete sich schon an, dass die Münchnerinnen nicht zu unterschätzen waren. So war klar, so viele Chancen wie in dieser Anfangsphase würden die Frankfurterinnen nicht im ganzen Spiel bekommen, und wenn der Ball nicht bald den Weg ins Tor finden würde, dann könnte sich das bitter rächen. Jedenfalls schien es so, als würden die Frankfurter Spielerinnen ob der vergebenen Chancen langsam nervös werden, und der Druck auf das Bayern-Tor ging zurück. Wobei man allerdings auch sagen muss, dass deren Trainer Thomas Wörle sein Team mal wieder großartig eingestellt hatte, immer besser stellten seine Spielerinnen die Räume zu.

 

ph_feiersinger_andoHäufig waren die Abschlüsse der FFC-Spielerinnen auch einfach zu ungenau. So köpfte Kim Kulig nach einem Freistoß von Marozsan genau auf Längert, so dass diese auch mit diesem Ball wenig Mühe hatte. Und so wurden die Frankfurter Chancen dann langsam seltener, die Bayern bekamen die erste durch Laura Feiersinger, die aber über das Tor schoss. Dann kippte das Spiel: in der 31. Minute leistete sich Frankfurts Innenverteidigerin Saki Kumagai einen riskanten Pass auf Wich, in den Vanessa Bürki hinein spritzen konnte. Bürki gab weiter auf Sarah Hagen, die war links durch, ließ die sie verfolgende Wich ins Leere laufen und schlenzte den Ball unhaltbar hoch ins lange Eck. Die FFC-Spielerinnen wirkten geschockt, bei ihnen lief nicht mehr viel zusammen, eine Chance gab es noch nach einem Freistoß von Marozsan, doch Garefrekes scheiterte erneut an Längert. Dann ein schneller Bayern-Konter, Laufduell auf dem rechten Flügel zwischen Feiersinger und Nationalverteidigerin Babett Peter, Feiersinger setzte sich locker durch, gab nach innen auf Lena Lotzen, und die vollendete zum 0:2. Mit diesem Rückstand ging es in die Pause, und der Traum von Europa war für die Frankfurterinnen schon zur Hälfte ausgeträumt.

 

ph_romert_kulig_feiersingerFrankfurts Trainer Sascha Glass hatte sein Team gegenüber den erfolgreichen Spielen vorher umstellen müssen, da Melanie Behringer mit einer Kapselverletzung im Knie ausgefallen war. Dafür hatte er Marozsan ins zentrale Mittelfeld auf Behringers Position gezogen und vorne Ando und Wich stürmen lassen. Diese verletzungsbedingt notwendige Umstellung hatte dem Frankfurter Spiel nicht gut getan, vorne fehlte die Durchschlagskraft. So versuchte es Glass nach der Pause mit Lise Munk für Crnogorcevic, er brachte also eine Stoßstürmerin für eine Flügelspielerin. Doch das Spiel blieb jetzt ausgeglichen, die Überlegenheit der ersten zwanzig Minuten wollte sich für den FFC nicht mehr einstellen. In der 51. Minute immerhin gelang den Frankfurterinnen noch mal ein schöner Angriff, Kulig führte den Ball, gab gut weiter zu Garefrekes, doch die verfehlte das Tor. Ein Schuss von Ando prallte zurück, wohl vom Bein einer Gegenspielerin. Dann kam Munk zweimal zum Kopfball, doch beide Male hielt Längert ohne Probleme. Die Bayern ließen sich etwas zurück fallen, verwalteten ihren Vorsprung clever und ließen dem FFC zwar mehr Ballbesitz, aber wenig Räume, um daraus auch etwas zu machen. Wie so oft in dieser Saison schafften es die Spielerinnen des FFC aber auch diesmal nicht, die Brechstange auszupacken und ihre Gegnerinnen so zurück zu drängen, dass ein ständiger Dauerdruck die Folge war. Dabei löste Sascha Glass hinten die Viererkette auf, ließ mit drei Verteidigerinnen spielen, doch der Ball kam zu selten entscheidend nach vorne. Langsam und umständlich plätscherte das FFC-Spiel vor sich hin. Sandrine Bretigny wurde für Wich eingewechselt, brachte in ihrem letzten Spiel für den FFC, sie war vor dem Spiel verabschiedet worden, aber keine gute Leistung. Die ebenfalls vor dem Spiel verabschiedete Sandra Smisek wurde dann auch noch eingewechselt, rückte auf die Position von Marozsan, die dadurch endlich nach vorne rücken konnte, doch auch diese Maßnahme brachte nicht mehr viel. Ein Tor durch Lise Munk in der 86. Minute, deren Schuss von der Strafraumgrenze abgefälscht wurde, brachte den FFC zwar noch heran, aber dieser Treffer fiel zu spät. Letztlich verlor Frankfurt das Spiel in den ersten zwanzig Minuten, als es nicht gelang, den hohen Druck und die vielen Chancen in Tore umzumünzen.

 

ph_smisekEin Lob möchte ich den Fans des 1. FFC Frankfurt aussprechen, die bis zum Schluss an die Möglichkeit einer Wende zu glauben schienen und ihr Team ständig anfeuerten, obwohl die Situation zunehmend aussichtsloser geworden war. Auch nach dem Spiel feierten die Fans die Spielerinnen, obwohl diese in dieser Saison, man muss es so klar sagen, insgesamt enttäuscht haben. Es gab von einigen Spielerinnen Kritik an der Vereinsführung, die ich in der Frage des Stils der Verabschiedung insbesondere von Sandra Smisek auch nachvollziehen kann, nicht jedoch in der Frage der Trainerwechsel. In diesem Punkt verstehe ich die Spielerinnen, die scheinbar am liebsten das umständliche Querspielen in der Abwehr unter Philipp Dahm noch weiter praktiziert hätten, überhaupt nicht. Aber das ist Schnee von gestern. Wie es mit dem 1. FFC Frankfurt weiter geht, wird sich an der Frage entscheiden, wer der neue Cheftrainer werden wird.

 

 

 

Frauenfussball-Bundesliga Saison 2012/13 FFC Frankfurt gg. FC Bayern Münchenph_lotzen_schuhmannDzsenifer MarozsanFrauenfussball-Bundesliga Saison 2012/13 FFC Frankfurt gg. FC Bayern München

 

 

 

 

 

 

 

1. FFC Frankfurt:

Schumann – Huth, Bartusiak, Kumagai (69. Smisek), Peter – Garefrekes, Marozsan, Kulig, Crnogorcevic (46. Munk) – Ando, Wich (64. Bretigny)

 

FC Bayern München:

Längert – Schnaderbeck, Wenninger, Cross, Baunach – Feiersinger (83. Schöne), Romert, Brooks, Bürki (86. Bachor) – Hagen, Lotzen

 

Tore:

0:1 Hagen (31.)

0:2 Lotzen (41.)

1:2 Munk (86.)

 

Gelbe Karten:

Wich, Kulig, Marozsan / Cross

 

Schiedsrichterin: Riem Hussein (Bad Harzburg) mit Jacqueline Herrmann und Svenja Pleuß

 

Zuschauer: 3620

 

Weitere Bilder vom Spiel bei www.girlsplay.de