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Mai 20 2013

VfL Wolfsburg gewinnt spannendes Pokalfinale

VfL Wolfsburg – 1. FFC Turbine Potsdam 3:2 (1:0)

 

 

Text von Tom Schlimme, Bilder von Herbert Heid, Sandra Kunschke und Tom Schlimme

Das Spiel begann holprig, wurde dann immer besser, schien mit dem VfL Wolfsburg früh einen klaren Sieger zu haben und wurde dann auch noch richtig spannend und dramatisch. Am Ende holte sich Wolfsburg mit einem 3:2 auch den zweiten nationalen Titel in dieser Saison.

 

Die Wolfsburger Kapitänin Nadine Keßler küsst den Pokal um ihn gleich ihren Mitspielerinnen zu präsentieren (Foto: Herbert Heid)

Die Wolfsburger Kapitänin Nadine Keßler küsst den Pokal um ihn gleich ihren Mitspielerinnen zu präsentieren (Foto: Herbert Heid)

 

Bei schönstem Fußballwetter waren 14.829 Zuschauer nach Köln gekommen und sorgten für eine gute Atmosphäre im Stadion, kein Vergleich mit der Gespensteratmosphäre in Berlin, wo das Frauenfinale früher als Anhängsel des Finalspiels der Männer ausgetragen wurde. Doch das Spiel des Meisters Wolfsburg gegen den Tabellenzweiten Potsdam erfüllte nicht gleich alle Erwartungen, die beim Aufeinandertreffen zweier so starker Mannschaften geweckt waren. Lange Zeit hielten sich die beiden Teams gegenseitig in Schach, ließen kaum einmal einen Spielzug des Gegners über mehrere Stationen zu. Turbine-Trainer Bernd Schröder hatte sein Team überraschend umgestellt, statt der gewohnten Dreierkette in der Abwehr spielte er mit Viererkette, was gut funktionierte. Auch Wolfsburgs Trainer Ralf Kellermann musste und wollte einiges ändern: Verena Faißt war an hohem Fieber erkrankt, inzwischen wurde Pfeiffersches Drüsenfieber diagnostiziert, womit die Nationalverteidigerin längere Zeit ausfallen wird. Faißt wurde durch Maren Tetzlaff ersetzt, die ihre Sache sehr gut machte. Alexandra Popp fehlte wegen eines Außenbandrisses, für sie spielte wie schon einige Male zuvor Anna Blässe, auch sie mit sehr guten Szenen. Wohl dem, der so starke Ersatzspielerinnen hat! Im Tor stellte Kellermann freiwillig um: statt Stammtorhüterin Alisa Vetterlein gab er Jana Burmeister den Vorzug, die größer ist und im Training gute Leistungen gezeigt habe. „Das war die schwerste Entscheidung in meinen bisherigen fünf Jahren in Wolfsburg“, sagte Kellermann in der Pressekonferenz nach dem Spiel hierzu. Man kann sich darüber streiten, ob diese Entscheidung richtig war, denn Burmeister hielt zwar einige Male gut, leistete sich aber auch zwei Klöpse, die leicht hätten ins Auge gehen und Gegentore verursachen können. Doch darüber später mehr.

 

Potsdam begann stark, schnürte Wolfsburg fünf Minuten lang in deren Hälfte ein. Dann jedoch kam der VfL zu einer dicken Chance für Blässe, die frei vor dem Tor aber weit vorbei schoss. Von dem Moment an war das Spiel aber ausgeglichener, Potsdam zwar mit mehr Ballbesitz, aber wenig Effektivität, Wolfsburg mit steilen Pässen und gefährlichen Kontern. Richtig durch kam aber niemand, und so probierten es erst die Wolfsburger Kapitänin Nadine Keßler, dann Wolfsburgs Ex-Nationalstürmerin Martina Müller mit Fernschüssen, die keinen Erfolg brachten. In der 18. Minute drang Lina Magull dann aber brandgefährlich in den Strafraum ein und wurde von Potsdams Keeperin Alyssa Naeher gefällt. Schiedsrichterin Katrin Rafalski, allgemein als eine gute Schiedsrichterin bekannt und auch in diesem Spiel sonst mit guter Leistung, verweigerte jedoch den eigentlich fälligen Elfmeterpfiff. Die Fernsehbilder lassen dies als eine Fehlentscheidung erscheinen, die bei Wolfsburgs Trainer Ralf Kellermann einige Empörung verursachte. Es hätte noch schlimmer für das Nervenkostüm des Wolfsburger Trainers kommen können, wenn Yuki Ogimi, die vor dem Spiel als Torschützenkönigin der Liga geehrt worden war, beim folgenden Turbine-Angriff ein Quäntchen mehr Glück gehabt hätte, doch ihr Kopfball prallte vom Innenpfosten des Wolfsburger Tores ins Feld zurück.

 

ts-torschuss-martina-muellerDas Spiel blieb zerfahren, wurde nur langsam besser, und langsam begannen die Wolfsburgerinnen, sich eine leichte Überlegenheit zu erspielen. In der 27. Minute ließ Naeher einen knallharten Schuss von Keßler abprallen, aber Blässe kam einen Schritt zu spät. Als alle schon mit einem torlosen Unentschieden zur Pause rechneten, gab es dann doch noch eine richtig gute Szene zu sehen: ein Pass wurde steil in die Nähe des Turbine-Strafraums gespielt, Conny Pohlers verlängerte mit der Hacke genau in den Lauf von Martina Müller, die so urplötzlich frei vor dem Tor das 1:0 erzielen konnte. Eine unglaubliche Szene von Pohlers, aber so frech und spontan kennt man sie ja seit vielen Jahren!

 

 

 

In der zweiten Halbzeit musste Potsdam eigentlich kommen, doch der zweite Durchgang begann mit einer Eckenserie von Wolfsburg. Letztlich köpfte Luisa Wensing aber dann über das Tor. In der 50. Minute dann setzte sich Lina Magull links schön durch, gute Flanke nach innen, Pohlers kam dran, aber ihr Schuss war nicht fest genug um Naeher zu bezwingen. 52. Minute, Eckstoß Magull, Verwirrung im Potsdamer Strafraum, Keßler fällt, womöglich gefoult, doch statt eines Elfmeterpfiffes hört man im Stadion gleich den Torjubel, denn blitzschnell schnappt sich Müller den Ball und zieht unhaltbar zum 2:0 ab. Und die Wölfinnen blieben dran, wollten die Führung weiter ausbauen. Schneller als abzusehen gelang das auch: Viola Odebrecht spielte einen genialen Pass steil auf Pohlers, die ließ Naeher aussteigen und erhöhte tatsächlich auf 3:0. Fast jeder Gegner wäre jetzt klar geschlagen gewesen, nicht so jedoch der 1. FFC Turbine Potsdam. Schon vier Minuten nach dem 3:0 gelang Antonia Göransson eine hohe Flanke von links, Wolfsburgs ansonsten sehr starke Innenverteidigerin Lena Goeßling verschätzte sich, und Lisa Evans hinter ihr konnte zum 3:1 einköpfen. Dann ein Fehler von Josephine Henning gegen Patricia Hanebeck, die ging mit Ball in den Strafraum, Henning grätschte von seitlich von hinten nach dem Ball, traf diesen auch, allerdings wohl erst die Beine von Hanebeck, und Rafalski gab Elfmeter. Diesen verwandelte Ogimi dann ganz souverän. Damit war das Spiel nur sieben Minuten nach dem scheinbar alles klärenden 3:0 wieder offen.

 

sk_burmeisterDann eine kuriose Szene mit Keeperin Burmeister in der Hauptrolle: ihr Schuh war aufgegangen, sie wollte sich diesen mitten im laufenden Spiel binden lassen, lief dafür mit dem Ball in der Hand aus dem Strafraum heraus. Logischerweise gab es einen indirekten Freistoß mittig vor dem Strafraum, doch Jennifer Cramer donnerte den Ball in die Mauer. Das hätte leicht der Ausgleich sein können! Potsdam baute jetzt Druck auf, Burmeister fischte einen hohen Ball im Strafraum gut aus der Luft, hatte dann wenig später mit einem anderen hohen Ball etwas Mühe, ließ ihn fallen, aber ohne Gefahr. Im Gegenzug kam Pohlers mittig vor dem Potsdamer Tor zu einem Schuss, aber über die Latte. Dann wieder Potsdam, Verwirrung im Wolfsburger Strafraum, doch ein Schuss von Hanebeck wurde noch zur Ecke gelenkt. Nun war wieder Wolfsburg an der Reihe, Blässe gab den Ball rechts auf die nach Verletzungspause erstmals wieder eingewechselte Zsanett Jakabfi weiter, die setzte sich klasse am kurzen Pfosten durch, gab den Ball zu Müller, doch die vergab die eigentlich hundertprozentige Chance durch einen Fehlschuss. Das große Problem der Wolfsburgerinnen, die Chancenauswertung! Dann setzte sich Jakabfi im Strafraum gegen Bremer durch, diesmal war Odebrecht Empfängerin des Zuspiels, doch mittig frei vor dem Tor schoss diese aus sieben Metern daneben.

 

sk_alex-singer_nadine-keßlerAber auch Potsdam kam zu weiteren Gelegenheiten in diesem nun hochklassigen und spannendem Spiel. Nach einem Freistoß von Tabea Kemme kam Ogimi zum Schuss, aber auch über die Latte. Dann die zweite kuriose Szene von Burmeister: bei einem Potsdamer Angriff lief die Keeperin dem Ball entgegen fast bis zur Strafraumgrenze, obwohl zwei Wolfsburger Spielerinnen mit der angreifenden Ada Hegerberg mitgelaufen waren. Hegerberg spitzelte den Ball an Burmeister vorbei, und diese musste im Zurücklaufen zusehen, wie der Ball auf ihr Tor zukullerte, dann aber zum Wolfsburger Glück am Pfosten abprallte. Das war in der 83. Minute und hätte leicht Ausgleich und Verlängerung bedeuten können. So wurde es dann aber eine Schlussphase der ausgelassenen Chancen, denn sowohl Jakabfi als auch Keßler auf der Wolfsburger Seite als auch Ogimi für Potsdam kamen noch zu guten Gelegenheiten, die sie jedoch nicht nutzen konnten. Es blieb beim insgesamt gerechten 3:2 für Wolfsburg, die damit nach der ersten Meisterschaft nun auch den ersten Pokalsieg feiern können. Mit diesem Team wird in Zukunft weiter zu rechnen sein, und bei besserer Chancenauswertung hat Wolfsburg gegen den hohen Favoriten Olympique Lyonnais im Finale der Champions League am Donnerstag durchaus eine Chance!

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VfL Wolfsburg:

Burmeister – Wensing, Henning, Goe0ling, Tetzlaff – Blässe, Odebrecht, Keßler – Müller, Magull (69. Jakabfi), Pohlers (90. Hartmann)

 

1. FFC Turbine Potsdam:

 Naeher – Bremer, Singer, Mjelde, Kemme – Draws, Hanebeck, Cramer (77. Ada Hegerberg), Andonova (39. Evans) – Ogimi, Anonma (46. Göransson)

 

Tore:

1:0 Müller (45.)

2:0 Müller (52.)

3:0 Pohlers (55.)

3:1 Evans (59.)

3:2 Ogimie (62. FE.)

 

Gelbe Karten:   – / Henning

Schiedsrichterin: Katrin Rafalski (Bad Zwesten) mit Martina Storch-Schäfer und Angelika Söder

Zuschauer: 14.829