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Mai 25 2013

Wolfsburg holt das Triple mit Kampfkraft und Taktik

VfL Wolfsburg – Olympique Lyonnais 1:0 (0:0)

 

 

Text von Tom Schlimme, Bilder von Marion Kehren und Katrin Müller

Durch eine kämpferische und taktische Glanzleistung und etwas Glück bei zwei Schiedsrichterentscheidungen hat der VfL Wolfsburg das Finale der Champions League gegen den Titelverteidiger Olympique Lyonnais gewonnen und damit die Siegesserie von 26 Spielen in der Champions League der Französinnen jäh gestoppt.

Wolfsburg Jubel UWCL

Nach der offiziellen Pokalübergabe gab es für die Wolfsburgerinnen kein Halten mehr. Unter riesigem Jubel und Konfetti feierte das Team von Ralf Kellermann ausgiebig den Champions League Sieg (Foto: Marion Kehren)

 

Wolfsburgs Trainer Ralf Kellermann musste mit etlichen Ausfällen und angeschlagenen Spielerinnen kalkulieren, und er löste seine Aufgabe hervorragend. Für die erkrankte Verena Faißt rückte die angeschlagene Alexandra Popp in die linke Außenverteidigerposition, eine Rolle, die die gelernte Stürmerin Popp früher in Duisburg öfter gespielt hatte. Lena Goeßling, so wichtig in der Innenverteidigung der Wölfinnen, rückte ins zentrale Mittelfeld, um die gelb-gesperrte Viola Odebrecht zu ersetzen, Yvonne Hartmann rückte dafür von der Ersatzbank in die Innenverteidigung. Alle drei Schachzüge gingen auf, denn alle Spielerinnen machten auf den ihnen zugewiesenen Positionen ein starkes Spiel! Auch Josephine Henning, die ebenfalls angeschlagen war, hielt durch und löste ihre Aufgabe gegen den starken Lyoner Sturm gut. Das war das Entscheidende gegen den haushohen Favoriten, die Wolfsburger Spielerinnen machten die Räume eng, setzten die Lyoner Spielerinnen sofort unter Druck, und diese konnten sich so nicht wie gewohnt entfalten.

Nadine Keßler, Elodie Thomis, Sonia Bompastor, Amandine HenryWolfsburg kam sogar zur ersten Chance des Spiels, als Nadine Keßler mit dem Rücken zum Tor den Ball blind nach hinten über den Kopf spielte, und nur ganz knapp den Pfosten des Lyoner Tores verfehlte. Es dauerte bis zur zehnten Minute, ehe auch Lyon die erste Chance bekam, Henning wehrte einen Schuss von Camille Abily zur Ecke ab, diese wurde von Megan Rapinoe gut herein gegeben, genau auf den Kopf von Amandine Henry, doch auch diese verfehlte knapp den Pfosten. Wenig später schloss Lotta Schelin einen schnellen Konter mit einem Schuss ab, aber genau auf Alisa Vetterlein, die diesen Ball genau so sicher hielt, wie später noch alle anderen Schüsse auf ihr Tor. Vetterlein hatte in diesem Spiel wieder vor Jana Burmeister den Vorzug bekommen und leistete sich nicht den kleinsten Wackler – sie hatte maßgeblichen Anteil, dass die Null bis zum Ende Bestand hatte.

In den ersten 25 Minuten blieb das Spiel ausgeglichen, vielleicht sogar mit leichten Vorteilen für Wolfsburg, dann jedoch bekam Lyon deutlich die Oberhand. Mit mit Glück, Vetterlein und Lyoner Schussschwäche wehrten die Wolfsburgerinnen Lyoner Schussgelegenheiten fast im Minutentakt ab. Dann kam in der 39. Minute Martina Müller für Wolfsburg zum Schuss, nahm einen Ball nach schlechter Kopfballabwehr von Wendie Renard volley, doch knapp vorbei – da wäre nichts zu halten gewesen. Über weite Strecken schnürte Lyon den VfL nun am eigenen Strafraum ein, allerdings, ohne sich entscheidend durchsetzen zu können. So wirkte dann auch ein ziemlich aussichtsloser Fernschuss von Rapinoe, der weit vorbei ging, schon etwas wie ein Ausdruck wachsender Verzweiflung bei den Spielerinnen des Titelverteidigers. So blieb es beim 0:0 nach einer ersten Halbzeit, in der Olympique zwar viel mehr Ballbesitz hatte und auch zu mehr Schüssen gekommen war, die klaren Chancen aber erstens selten und zweitens ziemlich ausgeglichen gewesen waren.

Elodie Thomis, Nadine KeßlerNach gutem Wolfsburger Beginn in der zweiten Halbzeit öffnete der Himmel seine Schleusen und ein heftiger Regen erschwerte das Spiel beider Teams.  Lyon übernahm schnell wieder das Regiment und ließ sich nicht beirren. Elodie Thomis profitierte von einem Fehler von Popp, brachte den Ball dann aber nicht gut zur Mitspielerin, und so verdarben sich die Lyoner Spielerinnen auch oft selbst die Gelegenheiten. Dann forderten sie Handelfmeter: Abily hatte Hartmann aus kurzer Entfernung an den Arm geschossen, der war nicht angelegt, man hat solche Elfmeter schon gegeben, doch nicht in diesem Fall. Dann schoss Louisa Necib einen aussichtsreichen Freistoß einfach nur in die Mauer, Vetterlein parierte stark gegen einen Schuss von Abily, es schien nur noch eine Frage der Zeit bis zur Führung von Lyon zu werden. Die Wolfsburger Spielerinnen grätschten und kämpften, doch selbst gelang es ihnen kaum, den Ball über mehrere Stationen in den eigenen Reihen zu behalten, so dass Angriffswelle auf Angriffswelle auf Vetterleins Tor zurollte. Thomis kam zum Schuss, doch zu schwach für die starke Vetterlein, die dann auch bei einem hoch herein gegebenen Eckstoß von Sonia Bombastor ihre Strafraumbeherrschung bei hohen Bällen unter Beweis stellte. Im nun einsetzenden starken Regen bekam man jetzt langsam den Eindruck, als würden bei den Wolfsburger Spielerinnen die Kräfte schwinden. Wie lange würde sich diese Abwehrschlacht noch erfolgreich führen lassen?

Martina MüllerDoch dann kam die Szene, die das Spiel auf den Kopf stellte: bei einem der wenigen Wolfsburger Angriffe kam eine Flanke von rechts in den Strafraum, und Laura Georges bekam den Ball an die Hand. Im Gegensatz zur Szene mit Hartmann vorher war der Ball länger in der Luft gewesen, vielleicht war das der entscheidende Unterschied, absichtlich war dieses Handspiel aber wohl kaum. Doch diesmal gab die Schiedsrichterin Elfmeter, und Martina Müller trat an. Die Anspannung war groß, doch die ehemalige Nationalstürmerin behielt die Nerven und donnerte den Ball mit Gewalt mittig ins Tor. Der Sturmlauf von Lyon ging weiter, allerdings wie bisher fehlte auch weiter die letzte entscheidende gelungene Aktion. Eugenie Le Sommer ließ sich im Strafraum von Luisa Wensing durch ein starkes Tackling den Ball noch abnehmen, dann kam Lara Dickenmann zum Schuss, aber wieder zu sehr in die Nähe von Vetterlein. Nun schienen die Lyoner Spielerinnen nervös zu werden und zu verkrampfen. Obwohl die Wolfsburger Spielerinnen erschöpft schienen, angeschlagen, behandelt werden mussten wie Henning am Rücken oder Pohlers mit einer blutenden Wunde am Bein, bekam Lyon den Ball einfach nicht gefährlich genug in den Strafraum. Popp wehrte mit dem Kopf ab, Henry schoss über das Tor, es ging weiter wie im ganzen Spiel schon, und die Uhr tickte nun für Wolfsburg.

Die Schlussminuten wurden dramatisch. Die eingewechselte Lina Magull hatte einige Szenen, in denen sie mit ihrer guten Technik den Ball behaupten und damit Zeit für ihr Team gewinnen konnte. Müller spielte Magull mit einem Hackentrick frei, diese kam zum Schuss, aber ganz knapp am Pfosten vorbei. Die Schiedsrichterin zeigte vier Minuten Nachspielzeit an. Man sah den Wolfsburger Spielerinnen die Erschöpfung an, Müller rutschte weg obwohl weit und breit weder Gegenspielerin noch Ball waren. Necib kam zu einem harten Schuss von der Strafraumgrenze, doch wieder parierte Vetterlein. Doch mehr brachte Lyon auch in diesen vier Minuten Nachspielzeit nicht mehr zustande, und so hieß der Sieger nach dem Abpfiff VfL Wolfsburg.

Stamford BridgeConny Pohlers, Wendie RenardLina MagullYvonne Hartmann, Alisa Vetterlein, Lotta Schelin

„Wir haben die meiste Zeit dominiert, aber am Ende doch verloren, so ist Fußball, es war nicht unser Tag“, kommentierte eine enttäuschte Lotta Schelin nach dem Spiel. „Sie haben uns gut beobachtet, gut analysiert und stark unter Druck gesetzt, wir hätten in der ersten Halbzeit schon ein Tor machen müssen“, brachte Schelin die Ereignisse auf den Punkt. So gewann Wolfsburg zwar glücklich, aber durch die große kämpferische und taktische Leistung letztlich nicht unverdient den dritten Titel dieser tollen Saison. Herzlichen Glückwunsch!

Auch Ralf Kellermann konnte es auf der Pressekonferenz immer noch nicht begreifen, was da eigentlich unten auf dem Platz soeben geschehen war. “Ich denke es wird noch ein paar Tage dauern, um all diese Eindrücke zu verarbeiten. Letztendlich bin ich allerdings auch froh, dass die Alleinherrschaft von Lyon in Europa beendet ist und wir gezeigt haben, das Lyon nicht mehr die übermächtige Mannschaft ist. Mein Dank gilt der gesamten Mannschaft, die aufopferungsvoll gekämpft haben. Dank auch an den gesamten Verein, der uns hervorragende Arbeits- und Trainingsbedingungen bietet.”

Megan RapinoeRalf KellermannLena GoeßlingSiegerfoto VfL Wolfsburg

VfL Wolfsburg:

Vetterlein – Wensing, Hartmann, Henning, Popp – Goeßling, Keßler – Blässe, Jakabfi (78. Magull), Müller – Pohlers (82. Omilade-Keller)

Olympique Lyonnais:

Bouhaddi – Franco, Renard, Georges, Bombastor – Henry, Necib, Abily (67. Le Sommer) – Thomis, Schelin, Rapinoe(46. Dickenmann 89. Majri)

Tor:

1:0 Müller (74. HE.)

Gelbe Karte:

Magull / Renard

Schiedsrichterin:

Teodora Albon (ROU) mit Petruta Iugulescu (ROU), Mihaela Gomoescu (ROU)

Spielerin der Partie:

Lena Goeßling

Zuschauer:

17.000

 

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