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Mai 26 2013

Sindelfingen und Gütersloh – Kurzes Gastspiel in Liga 1

Text und Fotos von Marion Kehren

Fürwahr hatten sich die beiden Aufsteiger Gütersloh und Sindelfingen die Saison 2012/2013 anders vorgestellt. Nach nur einer Saison sagen nun beide Vereine Bye-Bye und wechseln eine Klasse tiefer in Liga zwei.

FSV Gütersloh LeibchenDabei hatte sich gerade der FSV Gütersloh 2009 viel vorgenommen. Mit der Firma Tönnies als Hauptsponsor in einem schmucken neuen Stadion zu spielen und die Liga aufzumischen war das erklärte Ziel des Vereins. Der Kader wurde mächtig aufgeblasen und zahlreiche Spielerinnen mit Erstligaerfahrung verpflichtet. So wechselten u.a. Anne van Bonn, Mirte Roelvink, Tessa Rinkens und Jacqueline Dünker nach Ostwestfalen-Lippe. Aber bekanntlich wird zum Schluss abgerechnet und nun steht der FSV mit mickrigen 7 Pünktchen aus 22 Spielen ganz am Ende der Erstligatabelle.

Aber wo lagen nun die Fehler? Anhand der Kaderliste hätte Gütersloh sicher Platz 10 erreichen können, obwohl mit dem Abschied von Annabelle Jäger und Lina Magull zwei Leistungsträgerinnen mit Torgarantie den Verein verlassen hatten. Aber bereits nach den ersten Ligaspielen konnte der Zuschauer leicht erkennen, dass Trainer Markus Graskamp die Mannschaft nicht so erreichte, wie man es von einem Erstligacoach erwarten können muss. Taktische Anweisungen von der Seitenlinie waren ebenso Fehlanzeige wie Änderungen während einer laufenden Partie. Graskamp, eher ein Leisetreter in der Liga, blieb stets besonnen und hätte doch durch die eine oder andere Umstellung einige Punkte mehr entführen können, denn das Mannschaftsgefüge war und ist intakt.

Ein weiterer Fehler war mit Sicherheit auch die Wahl der Kapitänin. Anstatt einer gestandenen Erstligaspielerin wie Anne van Bonn den Vorzug zu geben, hielt Graskamp weiter an der unerfahrenen Anja Barwinsky fest, die in Liga 2 sicherlich einen Topjob erledigt hatte, aber mit dem rauhen Erstliga-Alltag etwas überfordert schien. Viel zu spät erst wurde van Bonn in der Rückrunde das Kapitänsamt übertragen. Viele Punkte wurden liegen gelassen, besonders die gegen die direkte Konkurrenz. Die mangelnde Torausbeute tat ihr übriges dazu. Zwar holte man in der Winterpause noch die Schweizerin Lara Keller, aber die brachte auch nicht den erhofften Erfolg. Der Verein hielt weiter an Graskamp fest und so dümpelte der FSV weiter im Tabellenkeller herum.

Nun wird man in Liga zwei wieder alle Hebel auf Neustart setzen. Graskamp ist dann als Trainer nicht mehr dabei, nach einem Nachfolger wird bereits gesucht. Die ersten Abgänge mit Roelvink und Franziska Bröckl stehen bereits fest, aber man kann davon ausgehen, dass noch mehr Spielerinnen den Verein verlassen werden, auch wenn die Firma Tönnies einen guten Zweitligaetat zur Verfügung stellen wird.

 

VfL SindelfingenGanz anders die Situation beim VfL Sindelfingen. Völlig unerwartet setzte sich die “Talentschmiede” gegen die finanzkräftigeren Konkurrenten aus Hoffenheim durch und stieg zum zweiten Male in der Vereinsgeschichte ins Oberhaus der Liga auf. Selbst für Coach Niko Koutroubis kam der Aufstieg etwas unerwartet. Mit seinem jungen Team hatte er zwar den Aufstieg geplant, der sollte aber erst in der kommenden Saison erfolgen. Weder die Finanzlage noch der Verein waren auf diesen Schritt gefasst.

Mit dem kleinsten Etat der Liga, dem jüngsten Team (Durchschnittsalter: 20,3 Jahre) und der Mannschaft mit der geringste Erstliga-Erfahrung machte man sich bereit, den Liga-Alltag zu bewältigen. Große Umstellungen musste die Mannschaft hin nehmen. So wurden u.a. die Trainingseinheiten pro Woche erheblich erhöht, die Berufstätigen unter den Fußballerinnen mussten ihre Arbeitszeit verkürzen, die Schülerinnen und Studentinnen den Fußball an die erste Stelle setzen.

Der Alltag machte nicht nur den Spielerinnen zu schaffen, sondern auch der Kasse des VfL Sindelfingen. Der finanziell angeschlagenen Verein trennte sich in der Wintersaison von einigen Spielerinnen, zudem war das junge Team den Belastungen nicht gewachsen. So sehr Trainerfuchs Koutroubis versuchte, mit dem vorhandenen Material von Spielerinnen zu arbeiten, am Ende bleibt nun auch in Sindelfingen der Abstieg. Und damit nicht genug – Gleich elf Spielerinnen werden nach Saisonende auch noch den Verein verlassen, darunter auch Leistungsträgerinnen wie die Dongus-Zwillinge.  „Wir müssen jetzt die Uhr auf null stellen und einen Neustart vollziehen. Die sieben Spielerinnen mit Erstliga-Erfahrung werden das Gerüst bilden und drum herum werden wir einige Nachwuchsspielerinnen einbauen“, lauten die Planungen von Cheftrainer Niko Koutroubis.