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Mai 27 2013

SC 07 Bad Neuenahr meldet Insolvenz an

sc07_logoDer Erstligist SC 07 Bad Neuenahr hat einen Antrag auf Insolvenz eingereicht. Wir veröffentlichen die Pressemitteilung des Vereins im Wortlaut und geben dazu einen Kommentar ab:

Pressemitteilung:

SC 07 Bad Neuenahr e.V. 53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler, den 27.05.2013

Wendelstraße 29

Pressemitteilung des geschäftsführenden Präsidiums

Heute hat das geschäftsführende Präsidium des SC 07 Bad Neuenahr e.V. beim Amtsgericht Bad Neuenahr-Ahrweiler den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens über das Vermögen des Vereins gestellt. Für den SC 07 Bad Neuenahr wird die Entschuldung im Rahmen eines Insolvenzplans angestrebt. Der Verein hat gebeten, die vorläufige Insolvenzverwaltung anzuordnen. Gemeinsam mit dem durch das Insolvenzgericht zu bestellenden vorläufigen Insolvenzverwalter sollen die Weichen für die dauerhafte Sicherung der Aufgaben des Vereins, zu denen neben der Jugendarbeit auch der Spielbetrieb mehrerer erfolgreicher Amateur- und Lizenzligamannschaften gehören, gestellt werden.

Dies ist der zweite tiefe Einschnitt in das Vereinsleben des SC 07 Bad Neuenahr innerhalb von zehn Tagen: Nach dem plötzlichen Ableben des Präsidenten Bernd Stemmeler am 17. 05. jetzt der Insolvenzantrag am 27. 05. 2013. Diese Maßnahme wird für viele Vereinsmitglieder, Freunde und Förderer des Frauenfußballs, Politik und Verwaltung der Region und darüber hinaus überraschend sein. Zwar waren finanzielle Engpässe seit langem vorhanden und bekannt, aber die Vereinsleitung hatte es in der Vergangenheit mit viel Unterstützung aus dem Kreis der Gläubiger und Sponsoren immer wieder geschafft, die Zahlungsfähigkeit noch aufrechtzuerhalten.

Mit großem Bedauern musste das im November vergangenen Jahres neu gewählte Präsidium feststellen, dass die Hilfen der Sponsoren letztlich nicht den erhofften Erfolg hatten und das Vertrauen der Gläubiger nicht erfüllt werden konnte. Die stetig gestiegenen Verbindlichkeiten und die hohen Altlasten aus mehreren Jahren, die auch durch den Ausfall ehemaliger Hauptsponsoren wie RWE, Apollinaris/Coca-Cola und Deutsche Bahn AG beeinflusst wurden, machen den jetzt beantragten Gläubigerschutz unvermeidlich. Eine weitere Erhöhung der Verbindlichkeiten ist wirtschaftlich nicht vertretbar. Auch kann die Solidargemeinschaft (Fiskus, Sozialversicherungs-träger und Berufsgenossenschaft) nicht zusätzlich belastet werden. Nach intensiven Gesprächen mit den betroffenen Partnern, die bis zum Freitagabend andauerten, stellte sich zwar eine große Solidarität heraus, aber die erforderliche Liquidität konnte im erforderlichen Zeitrahmen leider für die kommenden Wochen nicht sichergestellt werden.

Dennoch gilt es auch in dieser schwierigen Situation, den Blick in die Zukunft zu richten. Die jungen Sportlerinnen, von Schülerinnen über Juniorinnen bis zu den Bundesligaspielerinnen haben Zukunftsperspektiven verdient. An ihnen lag es nicht, dass diese Situation eingetreten ist. Die Vereinsführung wird sich nun ohne den verstorbenen Präsidenten mit allen Präsidiumsmitgliedern weiter um die Belange des Vereins kümmern und in Zusammenarbeit mit dem vom Gericht zu bestellenden vorläufigen Insolvenzverwalter versuchen, die finanziellen Voraussetzungen für die Fortführung des Vereins gleichgültig in welcher Form zu ermöglichen. Bevor nun in einer Mitgliederversammlung die Vereinsspitze erneuert bzw. bestätigt wird, steht noch der traurige Abschied von unserem bisherigen Präsidenten bevor.

Jens Flüchter, Stefan Gustav, Herbert Kommer, Dagmar Schweden, Prof. Dr. Hartmut Völcker”

Kommentar von Tom Schlimme:

Nach dem FCR 2001 Duisburg ist dies bereits der zweite etablierte Erstligist in diesem Jahr, der ein Insolvenzverfahren eröffnen muss. Während sich die Situation in Duisburg aber positiv zu entwickeln scheint und vieles darauf hin deutet, dass der FCR 2001 Duisburg in der ersten Liga weiter machen kann, kommt das Insolvenzverfahren in Bad Neuenahr zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.  Es ist sehr schwer zu erkennen, wie der Verein jetzt die Lizenzbedingungen für eine Teilnahme an der kommenden Saison erfüllen kann. Die Frage scheint nur noch zu sein, ob der Rückzug des SC 07 Bad Neuenahr noch in dieser Saison gültig wird, in diesem Fall würde ein Verein weniger aus der ersten Liga absteigen, das heißt der VfL Sindelfingen könnte in der ersten Liga bleiben, oder ob sich der Rückzug auf die neue Saison beziehen wird, dann stünde der SC 07 als erster Absteiger früh fest und die kommende Saison müsste mit nur 11 statt 12 Vereinen zu Ende gespielt oder gar begonnen werden.

Auf jeden Fall ist zu erkennen, die Frauenfußball-Bundesliga befindet sich in einer Krise! Viele Vereine kämpfen mit finanziellen Problemen, auch der mögliche Nachrücker VfL Sindelfingen scheint hier nicht auf Rosen gebettet zu sein. Außerdem hat Sindelfingen bereits den Abschied von 11 Spielerinnen bekannt gegeben, sollte ausgerechnet dieser Verein nun in die erste Liga nachrücken, wäre dies eine ziemlich schwierige Situation! Denkbar wäre, dass der VfL Sindelfingen das “Angebot” gar nicht annimmt, dann könnte der Tabellenletzte FSV Gütersloh doch noch erstklassig bleiben. Die Teilnahme am Erstligafußball würde sich dann mehr denn je nicht nach sportlichen Kriterien entscheiden, sondern nach finanziellen.

Das Zuschauerinteresse ist im Vergleich zur Vorsaison allgemein gesunken, das Medieninteresse bleibt überschaubar niedrig, Sponsoren springen ab, was jetzt dem SC 07 Bad Neuenahr zum Verhängnis zu werden scheint. Während es zweifellos finanzstarke Vereine gibt, die wie aktuell der VfL Wolfsburg auch international erfolgreich sind, ist die Situation für viele kleinere Vereine kaum noch zu stemmen. In diesen Zusammenhang passt auch die Entscheidung des SV Meppen, der als zeitweiliger Tabellenerster der zweiten Liga Nord gar nicht erst für die erste Liga meldete, sondern von vorneherein erklärte, dieses finanzielle Risiko nicht eingehen zu wollen.

Der DFB ist jetzt gefordert, die Fälle Bad Neuenahr und Duisburg nicht nur als Einzelschicksale zu sehen, sondern als Teil einer allgemeinen Entwicklung, der gegengesteuert werden muss!