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Mai 27 2013

2. Bundesliga Süd, 22. Spieltag: Hoffenheim macht gegen Köln den Aufstieg klar

TSG 1899 Hoffenheim – 1. FC Köln 3:3 (1:2)

Text und Bilder von Tom Schlimme

In einem Spiel auf Augenhöhe stand je nach Zwischenstand mal die TSG Hoffenheim in der ersten Liga, dann wieder der 1. FC Köln. Für Spannung war also gesorgt, und am Ende war es das Heimpuplikum, welches jubeln durfte. Die TSG Hoffenheim ist Meister der 2. Bundesliga Süd und hat damit den Aufstieg in die erste Liga geschafft!

Mit diesem Schuss erzielte Susanne Hartel (Nr. 22) das 3:2 für die TSG Hoffenheim. Das entscheidende Tor, denn auch wenn Köln nocheinmal ausgleichen konnte, reichte das 3:3 den Hoffenheimerinnen zum Aufstieg!

Mit diesem Schuss erzielte Susanne Hartel (Nr. 22) das 3:2 für die TSG Hoffenheim. Das entscheidende Tor, denn auch wenn Köln nocheinmal ausgleichen konnte, reichte das 3:3 den Hoffenheimerinnen zum Aufstieg!

ts-tor-jasmin-stuemperBei aufgeweichtem Boden, nassen Ball und Nieselregen wäre es nicht verwunderlich gewesen, hätten die beiden Aufstiegskandidaten ein reines Kampfspiel abgeliefert. Doch dafür ist das spielerische Potential beider Teams wohl zu hoch, der Kampf kam zwar dem Anlass angemessen nicht zu kurz, aber beide Seiten versuchten, mit spielerischen Mitteln zum Erfolg zu kommen. Die Ausgangslage gab der Heimelf einen Vorteil, Hoffenheim reichte ein Unentschieden, Köln musste gewinnen, um Meister zu werden. Doch in der ersten Spielphase waren nur Hoffenheimer Angriffe zu verzeichnen. Trainer Jürgen Ehrmann hatte seinem Team offensichtlich davon abgeraten, den dünnen Vorsprung von im Prinzip einem Tor von Anfang an nur zu verwalten. So kam Hoffenheim zu drei Gelegenheiten, doch erst verfehlte Susanne Hartel den Pfosten des Kölner Tores knapp, dann schoss sie aus guter Position über die Latte, auch die dritte Chance konnte nicht genutzt werden. Dafür brachte der erste richtige Kölner Angriff gleich die Führung für die Gäste: die  großgewachsene Jasmin Stümper bewies bei einer perfekt getimten hohen Flanke von Bianca Rech ergänzend zu ihrer Körpergröße auch noch enorme Sprungkraft und kam so mit dem Kopf höher als Hoffenheims Keeperin Anke Preuß mit der Faust. Ein Tor, welches sich die Keeperin sicher zum Teil ankreiden lassen muss, und welches das Kölner Spiel nun sicherer machte, während die Hoffenheimer Spielerinnen nervös wirkten. Nun waren es die Gäste, die einige Angriffe gefährlich in den gegnerischen Strafraum brachten, dabei lautstark unterstützt vom Kölner Anhang, der obwohl zahlenmäßig naturgemäß weit unterlegen, die Lautstärke der Hoffenheimer Fans bei weitem übertraf, und dass übrigens nicht nur seit der Führung, sondern auch schon davor.

 

ts-jubel-hoffenheimSo näherte sich der Pausenpfiff, und es sah nach einer klaren und verdienten Kölner Halbzeitführung aus. Doch wie aus dem Nichts brachte ein Fernschuss von Theresa Betz, flach aus 25 Metern abgezogen, den zu diesem Zeitpunkt überraschenden Ausgleich, und hatten vorher bei ihrem Tor die Kölnerinnen gejubelt, als gälte es schon den Aufstieg zu feiern, waren es nun die Hoffenheimerinnen, die schier auszuflippen schienen vor Freude. Dabei litt aber offensichtlich die Konzentration, denn Köln kam gleich nach Wiederanstoß zu einem gefährlichen Angriff, der mit Mühe abgewehrt werden konnte, und als sei das der Warnung nicht genug, kurz danach zu einer weiteren Aktion, bei der sie die Abwehr der Hoffenheimerinnen völlig unsortiert vorfanden. Torschützin Stümper brachte eine Flanke von links in den Strafraum, dort war Bilging Defterli sträflich frei und stellte mit dem 1:2 die Kölner Führung wieder her.

 

ts-birgit-prinz-am-ballDamit ging es dann in die Pause, aus der Hoffenheim mit besserer Spielanlage zurückkam. Außerdem zog Trainer Ehrmann seinen Joker: Deutschlands Rekordnationalspielerin Birgit Prinz, fast, aber noch nicht ganz im sportlichen Ruhestand, wurde in der 53. Minute für Sabine Stoller eingewechselt. Prinz arbeitet als Psychologin und Motivatorin in Hoffenheim, und sicher war bei dieser Einwechselung auch viel Psychologie im Spiel, denn das Hoffenheimer Team wurde sichtlich stärker. Aber Birgit Prinz ist auch immer noch eine gute Fußballerin, vielleicht nicht mehr so schnell wie früher, aber wenn sie den Ball bekam, war er bei ihr sicher, und mit dieser Ballsicherheit holte Prinz einige ausichtsreiche Freistöße für ihr Team heraus. Schließlich gelang Martina Moser aus einem Gewühl nah am Tor heraus dann auch der Lohn der Bemühungen, Ausgleich, Hoffenheim war wieder auf dem Meisterthron! Als wenig später dann Susanne Hartel von Mana Iwabuchi trotz Bedrängnis angespielt allein vor der starken Kölner Keeperin Lena Nuding die Nerven behielt und dieser keine Chance ließ, lag Hoffenheim sogar 3:2 in Führung, das Tor zur ersten Liga war sperrangelweit offen.

Jetzt erst wurde der Kölner Anhang leise, der Drops schien gelutscht. Doch der Vorsprung war noch aufzuholen, und die Kölner Spielerinnen steckten nicht auf. So war dann auch der erneute Ausgleich durch einen Fernschuss von Tugba Tekkal nicht wirklich überraschend, und nun
stand das Spiel in den letzten Minuten noch einmal auf der Kippe. Köln brauchte nur noch ein Tor, um erstklassig zu werden. Köln hatte auch noch Chancen, aber keine richtig zwingende, und schließlich pfiff Schiedsrichterin Sabine Stadler unter dem Jubel der Hoffenheimer Spielerinnen, Ersatzbank und Zuschauer das Spiel ab.

ts-meisterschale-hartelDas 3:3 ist ein gerechtes Ergebnis, beide Teams waren in diesem Spiel gleich stark. Dass Hoffenheim am Ende der Saison einen Punkt mehr auf den Konto hat, ist das Ergebnis einer ganzen Saison, nicht das Ergebnis dieses Spiels. Die TSG Hoffenheim macht gute Jugendarbeit, man ist aber offensichtlich auch bereit, in den Kader  zu investieren. Von daher sind alle Voraussetzungen gegeben, damit endlich mal wieder ein Aufsteiger die Erstklassigkeit halten kann. Der TSG ist es jedenfalls zuzutrauen! Aber auch für Köln sehe ich gute Zeiten kommen. Wenn es gelingt, das Team in dieser Stärke zusammen zu halten, ist Köln ganz klar der Aufstiegsfavorit für die kommende Saison, zumal Absteiger Sindlingen offensichtlich nicht in Richtung sofortiger Wiederaufstieg plant.

 

 

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TSG 1899 Hoffenheim: Preuß – Weiss, Giehl, Huehnerfauth, Rheinheimer – Stoller (53. Prinz), Moser, Betz, Breitner – Iwabuchi (88. Giangrasso), Hartel (82. Eberhardt)

1. FC Köln: Nuding, Frommont, Pfeiffer, Kirschbaum (85. Koschalka), London – Bender, Rech – Stümper (76. Tekkal), von Bargen Zielinski – Defterli (71. Knopf)

Tore:
0:1 Stümper (20.)
1:1 Betz (41.)
1:2 Defterli (43.)
2:2 Moser (62.)
3:2 Hartel (78.)
3:3 Tekkal (89.)

Gelbe Karten: Betz (47.), Breitner (74.), Prinz (90.+2) – Rech (74.)

Schiedsrichterin: Sabine Stadler (Fulda) mit Anna-Lena Dorn und Elisa Gerhardt

Zuschauer: 3050

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