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Mai 29 2013

Aki fehlt der Fisch, Ai fehlt das Licht

Zwei Japanerinnen und das Abenteuer Bundesliga

Interview und Foto von Gregor Schürer

buz: Sie kicken Woche für Woche in Deutschlands höchster Spielklasse: Die Bundesliga-Fußballerinnen des SC 07 Bad Neuenahr. Doch wer sind eigentlich die Mädchen und Frauen, die so erfolgreich gegen den Ball treten? Unser Mitarbeiter Gregor Schürer trifft sich in regelmäßigen Abständen mit den Aktiven und stellt sie anschließend den Lesern vor. Nach dem Gespräch mit der Spielerin Aki Tago und der Co-Trainerin Ai Yoshiizumi ahne ich, warum man Japan das Land des Lächeln nennt. Die Beiden lächeln selbst bei den schwierigsten Fragen, verraten mir aber auc,h was sie vermissen und was ihnen an Deutschland besonders gefällt.

Aki Tago, Ai Yoshiizumi

Bad Neuenahr:

Ich gebe zu, vor der Verabredung im SETA-Hotel war mir ein wenig bange. Zum einen, weil mir zwei Gesprächspartnerinnen gegenüber sitzen würden, denn ich hatte beide Japanerinnen, die im Dienste des SC 07 stehen, eingeladen. Und ein Interview im Doppelpack hatte ich bisher nur einmal, mit den Neuseeländerinnen Sarah Gregorius und Katie Hoyle geführt. Zum anderen, weil ich wirklich keine einzige Silbe Japanisch kann. Und zum dritten schließlich, weil meine Gäste aus Fernost, also einem ganz anderen Kulturkreis kommen.

Doch meine Sorge war ganz unbegründet, denn der Anpfiff verlief nicht nur gewohnt interessant, sondern auch sehr lustig. Ai Yoshiizumi, seit Januar Co-Trainerin von Colin Bell, kommt als erste. Sie hat ein Fahrrad dabei, aber nicht irgendeines. Vielmehr ein echtes Hightech-Teil zum Zusammenklappen. Das lässt sich prima überall hin mitnehmen. Wir verstauen es in der Lounge des Hotels, die Begrüßung verläuft sehr förmlich. Nach ein paar gegenseitigen Höflichkeiten taut das Eis zwischen uns aber schnell und wir sind schon mitten im Gespräch, als Aki Tago angeschlappt kommt. Im Gegensatz zu Ai, die sich vor dem Hotel extra noch die Haare gerichtet hat, schlurft die ebenfalls seit dem Winter an der Ahr tätige Defensivspielerin in Fußballklamotten und Sportschuhen daher getreu dem Motto: So sehe ich am besten aus.

Wir bestellen – einen Kaffee für Ai und mich, ein Wasser für Aki – und legen los. Wie sind die beiden Japanerinnen an das runde Leder gekommen? Ai hat sich als Mädchen in einen Jungen verliebt, der selbst gut und erfolgreich Fußball spielte. Um ihm zu imponieren und näher zu kommen, hat sie selbst mit dem Fußball begonnen. Aus der Jugendliebe wurde nichts, aus dem Fußball schon. Sie hat es bis in die erste japanische Liga gebracht. Aki dagegen hat schon im Kindergarten mit dem Kicken angefangen, kam mit 8 Jahren in den ersten Verein, wo sie noch zusammen mit Jungs gegen den Ball trat. Vor dem Wechsel an die Ahr war sie beim japanischen Erstligisten AS Elfen Sayama aktiv.

Die Motive für den Wechsel nach Deutschland sind ähnlich. Ai kam schon vor vier Jahren hierher, absolvierte mehrere Probetrainings und musste feststellen, dass sie mit 32 für die hiesige erste und zweite Liga nicht mehr gut genug war. Ihr Wunsch, in Europa professionell Fußball zu spielen, ließ sich nicht mehr erfüllen. Doch sie fand Gefallen an ihrem Traumland Deutschland, von dem ihre Eltern immer so geschwärmt hatten, lernte die Sprache schnell und gut (heute spricht sie nahezu fehlerfrei und sehr gewählt) und schrieb sich an der Sporthochschule ein. Sie machte die C- und B-Lizenz und schlug die Trainerlaufbahn ein. Im Moment ruht ihr Studium, weil sie sich ganz dem Amt der Co-Trainerin widmen will.

Der 24-jährigen Aki dagegen gelang der Sprung ins aktive Geschäft, sie hat einen Vertrag bis 30. Juni 2015, wird momentan in der zweiten Mannschaft eingesetzt und vorsichtig aufgebaut. Zwar hat die japanische Liga nach dem Gewinn der WM einen Aufschwung erlebt, aber die Mittelfeldspielerin ist hierhergekommen, weil sie davon überzeugt ist, sich in Punkto individuelle Klasse in Deutschland besser weiterentwickeln zu können. Sie will körperlich stärker werden und auch taktisch dazu lernen. Ihr Ziel ist klar: Nationalspielerin. Kein geringerer als Hidetoshi Nakata ist ihr Vorbild, der erste Japaner, der in die italienische Seria A wechselte und in seiner Heimat als Volksheld verehrt wird.

Was fehlt den beiden Asiatinnen denn am meisten, was vermissen sie? Bei Aki, die mit anderen Spielerinnen in Neuenahr in einer WG wohnt, hat es mit dem Essen zu tun: Die Japaner essen viel Fisch, den gibt es hier nicht so häufig. Mein Hinweis auf die Forellen in der neben uns sprudelnden Ahr sorgt für Gelächter. Bei Ai hat die Sehnsucht mit dem Wetter zu tun. In Deutschland fehlt im Winter das Licht, es wird spät hell und früh dunkel. In Japan ist es auch kalt und frostig, aber deutlich sonniger und heller.

Lichte Momente gibt es aber trotzdem genug in ihrem Leben, denn die Wahl-Kölnerin liebt das reiche kulturelle Leben. Und die Offenheit der Deutschen, die ehrlich sind und klar ihre Meinung sagen, während die Japaner lieber (ver)schweigen. Doch die Liebe zu Deutschland geht noch weiter, im Sommer wird sie heiraten – einen Deutschen.

Wie sind denn die sportlichen Pläne der beiden sympathischen Sportlerinnen für die nächste Zukunft? Aki will bald regelmäßig in der ersten Mannschaft spielen, bisher kam sie nur sporadisch zum Einsatz. Sie möchte dort mit ihren Stärken – Ball annehmen und sichern,  kontrolliert das Spiel aufbauen – zu mehr Stabilität im Mittelfeld beitragen. Ai, die ein großer Fan von ManU-Dauerbrenner Ryan Giggs ist, möchte viel von Colin Bell lernen, sie schwärmt vom hohen Fachwissen des Neuenahrer Coachs. Kann der Engländer denn auch etwas von Ihnen lernen, lautet meine kecke Frage? Da legt Ai ihre Zurückhaltung ab und antwortet: „Lächeln. Und Geduld, er ist manchmal einfach zu impulsiv.“ Sie sagt das aber so charmant, das ihr der Neuenahrer Trainer niemals böse sein wird.