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Jun 16 2013

Zwiespältiger erster Test

Deutschland – Schottland 3:0 (3:0)

 

 

Text von Tom Schlimme, Bilder von Katrin Müller und Marion Kehren

 

Im ersten von drei Testspielen vor der Endrunde der Europameisterschaft gewann die deutsche Nationalmannschaft in Essen gegen Schottland glatt mit 3:0. Doch gegen einen Gegner, der nicht zur Weltspitze gehört, gelang dem deutschen Team bei weitem nicht alles.

Schottische Nationalmannschaft

Erstes Frauenländerspiel im Essener RWE-Stadion – Mehr als 9.000 Zuschauer sahen den ersten von drei Testspielen zur Vorbereitung auf die EM in Schweden. (Foto: Marion Kehren)

 

Bianca SchmidtBundestrainerin Silvia Neid begann mit einer Startelf, von der man sich vorstellen kann, dass sie auf den allermeisten Positionen auch für die EM so plant. Nadine Angerer im Tor dürfte gesetzt sein, die Innenverteidigung mit Saskia Bartusiak und Annike Krahn bildet eine von Neid häufig und gerne gewählte Variante. Rechts hinten kam nach langer Zeit mal wieder Bianca Schmidt zum Einsatz, links dürfte Babett Peter nach dem Ausfall von Verena Faißt ebenfalls gesetzt sein. Die gesamte Abwehr wurde gegen Schottland aber kaum gefordert, so dass das Spiel nicht viele Aussagen über ihre Stärke zulässt, hier könnten die Spiele gegen Kanada und Japan schon mehr Erkenntnisse liefern. Schmidt sorgte aber für einige Impulse nach vorne, wurde dann zur zweiten Halbzeit gegen Luisa Wensing ausgewechselt, die sich ebenfalls gute Chancen auf die Position rechts hinten in der Abwehr ausrechnen kann und gegenüber Schmidt nicht deutlich abfiel. Überhaupt, die zahlreichen Wechsel brachten kaum Erkenntnisse, soviel sei schon vorweg genommen, weil sich zwischen den eingewechselten und den ausgewechselten Spielerinnen insgesamt wenig Unterschiede auftaten.

Im zentralen Mittelfeld begannen nach dem Ausfall von Kim Kulig Lena Goeßling und Nadine Keßler. Beide Wolfsburgerinnen zeigten, sicherlich auch bedingt durch den hohen Kräfteverschleiß in den vergangenen Wochen im Verein, nicht ihre beste Leistung, so dass das deutsche Team im Zentrum nicht so dominieren konnte, wie man es sonst oft sieht. Vorne wählte Neid mit Celia Okyino da Mbabi als Spitze und Dzsenifer Marozsan als Stürmerin zentral dahinter die schon vom Algarve Cup bekannte Variante. Marozsan hatte dabei weniger Ballkontakte als sonst und konnte ihre technischen Stärken nicht wie gewohnt einbringen. Auch bei Okoyino da Mbabi lief es nicht ganz rund, immerhin konnte sie aber mit zwei Toren ihre Effektivität unter Beweis stellen und wurde dann auch vom Fernseh-Publikum zur Spielerin des Spiels gewählt. Rechts auf dem Flügel begann Anja Mittag, die für mich gegen Schottland zu den besten deutschen Spielerinnen zählte, gemeinsam mit Leonie Maier auf dem linken Flügel.

Celia Okoyino Da Mbabi, Jennifer BeatieZum Spiel selbst ist zu sagen, dass Deutschland die gesamte Spielzeit über deutlich feldüberlegen war, daraus aber wenig Kapital schlagen konnte. Strafraumszenen waren selten und mit 3:0 halte ich den Sieg sogar für um ein Tor zu hoch ausgefallen. Schottland, in der aktuellen Weltrangliste der FIFA auf Platz 21 geführt, konzentrierte sich als Gast beim EM-Titelverteidiger erwartungsgemäß auf die Defensive. Nach vorne wirkten die Schottinnen recht harmlos, nach hinten ließen sie aber wenig zu. Auffälligste schottische Spielerin war zu Beginn Kim Little, die mit einigen gut getretenen Freistößen und Aktionen aus der zweiten Reihe für etwas Wirbel sorgte. Auf deutscher Seite blitzten immer mal wieder gute Aktionen verschiedener Spielerinnen auf, doch selten gelang einmal etwas über mehrere Stationen, so dass wenig Linie im Spiel zu erkennen war. So dauerte es bis zur 19. Minute bis zur ersten nennenswerten Torchance. Okoyino da Mbabi hatte einen Ball in schottischer Vorwärtsbewegung erobert, gab nach innen, Marozsan ließ clever und die Schottinnen irritierend passieren, hinter ihr kam Mittag an das Leder und konnte abziehen, doch die schottische Keeperin Gemma Fay machte gut das kurze Eck zu. Es gab einige kleinere deutsche Chancen, dazwischen auch mal einen nicht ganz ungefährlichen Kopfball von Jennifer Beattie auf das deutsche Tor. In der 34. Minute jedoch fiel dann doch das 1:0: Schmidt passte rechts schön auf Mittag, die hatte den Blick für die urplötzlich frei im Strafraum stehende Goeßling und gab sofort auf diese weiter. Goeßling ließ den Ball einmal abtropfen und drosch ihn dann volley über Fay ins Netz. Bei diesem Tor sah nicht nur die schottische Keeperin, sondern vor allem auch die Innenverteidigung, die Goeßling sträflich übersehen hatte, nicht gut aus, aber die gute Leistung der beteiligten deutschen Spielerinnen soll das nicht in Abrede stellen. Das Spiel blieb aber weiter zerfahren, bis dann in der 43. Minute Okyino da Mbabi im schottischen Abwehrzentrum gegen Leanne Ross den Ball erobern konnte und dann auch Keeperin Fay keine Chance ließ. Es verging keine Minute, da ließ Okoyino da Mbabi mit ihrem zweiten Tor das 3:0 folgen, angespielt von Peter zog sie von der Strafraumgrenze aus ab.

Fatmire Bajramaj, Frankie BrownWie in Testspielen üblich, waren sechs Wechsel vereinbart worden, und Neid brachte gleich zur zweiten Halbzeit vier neue Spielerinnen. Besonders bemerkenswert ist dabei der erste Einsatz der am Knie operierten Simone Laudehr überhaupt in diesem Jahr. Laudehr kam für Keßler, konnte aber, was nach ihrer langen Pause verständlich ist, auch nicht die vorher schon im Zentrum fehlenden Impulse setzen. Jennifer Cramer kam für Babett Peter, Wensing wie schon gesagt für Schmidt, und für Marozsan rückte Svenja Huth ins Team, wobei sie die Position mit Mittag tauschte, die vom Flügel ins Sturmzentrum rückte. Von Huth und Cramer gingen einige gute Aktionen und Flanken aus, sie sorgten für etwas frischeren Wind auf dem linken Flügel. Doch insgesamt änderte sich am Spiel wenig, das deutsche Team dominierte, ohne überzeugen zu können. Das Glück bzw. die schottischen Fehler, die in der ersten Halbzeit zu den drei Toren geführt hatten, fehlten in der zweiten Hälfte, so dass keine Tore mehr fielen. Daran änderten auch die Einwechselungen von Lira Bajramaj und Lena Lotzen in der 63. Minute nichts. Für Bajramaj war es genau wie für Laudehr der erste Einsatz seit Knie-OP, auch bei ihr ging es vor allem darum, überhaupt erst mal wieder Sicherheit und Spielpraxis zu sammeln.

“Es hat sich heute gezeigt, dass wir viele gute, junge Spielerinnen dabei haben. Kanada wird eine, vielleicht sogar zwei Klassen besser sein, da werden wir auch defensiv stärker gefordert sein”, sagte die Bundestrainerin dann nach dem Spiel und zog damit eine positive Bilanz der Begegnung. Sicherlich gibt es keinen Grund, von diesem Spiel enttäuscht zu sein, es wäre zur früh, wenn das deutsche Team jetzt schon auf dem Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit wäre. Dieser sollte erst zur EM erreicht werden. Doch dass noch viel Luft nach oben ist, sollte man schon bemerkt haben.

Linda Bresonik, Wolfgang Niersbach, Kim KuligAnmoderation, PauleDeutsche Frauen-NationalmannschaftSchottische Frauen-Nationalmannschaft

Babett Peter, Kim LittleGemma FayLena Lotzen, Joanne LoveFatmire Bajramaj

Deutschland:

Angerer – Schmidt (46. Wensing), Krahn, Bartusiak, Peter (46. Cramer) – Keßler (46. Laudehr), Goeßling – Mittag, Marozsan (46. Huth), Maier (63. Bajramaj) – Okoyino da Mbabi (63. Lotzen)

Schottland:

Fay – L. Ross (46. McSorley), Brown, Beattie, Lauder (86. Murray) – Evans, Crichton ( 46. Thomson), Sneddon, Love (74. Weir) – J. Ross ( 90. Malone), Little

Tore:

1:0 Goeßling (34.)
2:0 Okoyino da Mbabi (43.)
3:0 Okoyino da Mbabi (44.)

Gelbe Karten:

- / Brown

Schiedsrichterin:

Florence Guillemin (FRA) mit Katrin Rafalski (GER) und Ines Appelmann (GER)

Zuschauer:

9.237

 

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www.girlsplay.de und www.kapixblog.net