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Jun 25 2012

„Auslandshilfe stärkt unsere Position in der Heimat”

Willy Lemke sorgte für Landfrauen-Scheck an Palästinas Frauenfußball-Liga

 


25.06.2012  Schon öfter haben wir über die Entwicklung des Frauenfußballs in arabischen Ländern berichtet und im April 2011 auch über die Einrichtung einer ersten Liga in Palästina. Nun freuen wir uns, dass uns der bekannte Frauenfußball-Journalist Rainer Hennies aktuelle Berichte über Palästina und den Gaza-Streifen geschickt hat. Aktueller Anlass der Berichterstattung: acht Fußballerinnen aus dem Gaza-Streifen waren in Berlin, um hier eine Trainerlizenz zu machen, und fast zeitgleich spendete der Niedersächsische LandFrauenverband 2500 € für die Frauenfußball-Liga in Palästina. Im Folgenden nun der Text von Rainer Hennies:

 

Honey Talijeh (rechts) in Berlin mit Discover-Football-Vertreterin Sarah Schlote

Honey Talijeh (rechts) in Berlin mit Discover-Football-Vertreterin Sarah Schlote (Foto: Rainer Hennies)

Gaza-Girls machen Trainerschein in Berlin

Fast hätte niemand mitbekommen, dass da acht Fußballerinnen aus dem Gazastreifen, organisiert vom Berliner Fußballverband und finanziert vom Auswärtigen Amt (AA), in der deutschen Hauptstadt eine Trainerlizenz machen. Genauer: Die C-Lizenz mit Schwerpunkt Jugendfußball. Ziel ist es, den fußballinteressierten Mädchen über Schulaktivitäten eine nachhaltige Plattform zu bieten, auf der Teams entstehen und Grundlagen gelegt werden können.

Acht junge Frauen und acht junge Männer konnten Dank des AA den besonders abgeriegelten Gazastreifen zur Ausbildung nach Berlin verlassen. Alles junge Lehrer/-innen beziehungsweise Lehramtsstudenten/-innen an einer UNO-Schule, die als Avantgarde vor Ort künftig Fußball unterrichten sollen. Denn im Gazastreifen gibt es zum Beispiel noch keine Teams. Angesichts der großen Restriktionen läuft ohnehin nicht viel. Ein Investment also für eine bessere Zukunft.

Keine Frage, das Helwa, Hanan, Maha, Eftiraj und Raja an jenem Abend mit im Auditorium saßen, um Honeys Talijehs Ausführungen zu lauschen, wie es denn ist in der Heimat mit Frauenrechtlern und Frauenfußball. Die Organisation „Discover Football” hatte den Abend in einer Kreuzberger Kneipe organisiert. Abwechslug neben der Ausbildung beim BFV. Der nimm sich immerhin zwei mal vier Wochen, also doppelt so viel Zeit wie normalerweise die Lizenzierung dauert. Schließlich muss ja alles ins Arabische übersetzt werden.

Landfrauen spenden für Frauenfußball in Palästina

Helwa, Hanan, Maha, Eftiraj und Rasa aus dem Gazastreifen

Helwa, Hanan, Maha, Eftiraj und Rasa aus dem Gazastreifen (Foto: Rainer Hennies)

Willy Lemke, UN-Sonderbeauftragter für Sport und Entwicklung, hatte den Anstoß gegeben, dass der Niedersächsische LandFrauenverband (NLV) 2500 € für die Frauenfußball-Liga in Palästina gesammelt und an Honey Talijeh geschickt hat. Die frühere Nationalspielerin, früher Kapitän der Nationalelf, sechsmalige Sportlerin des Jahres und heute als Funktionärin in der Frauenabteilung des Palästinensischen Fußballverbandes aktiv, war genau die richtige Adresse für Lemke, den Talijeh ist heute Spielertrainerin eines der sechs Erstliga-Teams. Talijeh setzt sich dafür ein, dass Frauen die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben bekommen. Aufgrund der politischen Gegebenheiten befinden sich alle Teams, auch die zehn Zweitligisten, in der Westbank, keines im isolierten Gazastreifen.

„Für den NLV ist die gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Gleichstellung der Frauen weltweit wichtig. Der Sport fördert die Chancengleichheit”, erklärt die Bundesvorsitzende aus Niedersachsen, Brigitte Scherb als Motivation, der Idee Willi Lemke zu folgen. Durch Fußball tragen Frauen und Mädchen zum Abbau von Vorurteilen zwischen Christen und Muslimen bei. „Der NLV wird auch in Zukunft Projekte dieser Art unterstützen”, erklärte Scherb. „Der Sport ist für die Spielerinnen ein Türöffner in eine selbstbewusste Zukunft”, betonte der wiederum die Bedeutung des Sports für Frieden und Entwicklung.

In der Tat spielen Dinge wie Bildung, Entwicklung von Teamgeist und Zielstrebigkeit, Durchsetzungsvermögen, Gesundheitsförderung, Persönlichkeitsentwicklung und das Streben nach Gleichheit der Geschlechter eine große Rolle in der Entwicklungshilfe. „Ich habe selbst nie Fußball gespielt und habe mit Fußball auch nichts zu tun, war früher allenfalls mal Fan von Bayern München, aber diesen integrativen Ansatz über den Fußball finde ich gut”, sagte Brigitte Scherb.

LandFrauen-Präsidentin Brigitte Scherb und Rainer Hennies, der die Grüße aus Palästina vom jüngsten Treffen mit Honey Talijeh in Berlin überbrachte. (Foto: privat)

LandFrauen-Präsidentin Brigitte Scherb und Rainer Hennies, der die Grüße aus Palästina vom jüngsten Treffen mit Honey Talijeh in
Berlin überbrachte. (Foto: privat)

Im Rahmen einer Vortragsreihe der Nonprofit-Organisation „discover football” berichtete Talijeh nun über die aktuelle Situation der Frauen und des Frauenfußballs in Palästina. Hierbei erwähnte sie auch die Bedeutung des Landfrauen-Schecks. „Ich bin sehr dankbar für diese Spende für die Frauenfußball-Liga. Wir können dort jede Menge Unterstützung gebrauchen”, berichtete Talijeh. „Wir werden das Geld für Trainingsmaterialien, hauptsächlich Bälle, ausgeben, die wir an die Teams verteilen”, sagte Talijeh in ihrem Dankesgruß an die Landfrauen in Niedersachsen. „Da wir in Palästina zwar vom Fußballverband, von der FIFA und Hilfsorganisationen unterstützt werden, nicht aber von der Wirtschaft, ist dieser Scheck besonders wichtig. Denn er kommt aus dem Ausland und einer Organisation, die zunächst einmal nichts mit Fußball zu tun hat. Darauf sind wir besonders stolz. Das ist für uns besonders wertvoll”, sagte Talijeh. „Ich wünsche den Landfrauen in Deutschland alles Gute und bedanke mich recht herzlich.”