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Jan 05 2012

“Guggas” vierte Saison in Stockholm

Interview mit Guðbjörg Gunnarsdóttir, Islands zweiter Nationaltorhüterin

 

Text von Rainer Fußgänger

Die Nummer zwei im Tor der isländischen Nationalmannschaft (hinter Malmös Thora Helgadottir) beginnt in Kürze ihre vierte Saison in Stockholm. Guðbjörg Gunnarsdóttir ist mittlerweile 26 Jahre alt und seit vergangenem Saison auch Mannschaftskapitänin von Djurgården.

Guðbjörg Gunnarsdóttir

Guðbjörg Gunnarsdóttir (Foto: Rainer Fußgänger)

Es scheint eine logische Entscheidung des Trainers Eklöf gewesen zu sein, Gunnarsdóttir diesen Posten zuzuweisen. Denn die Isländerin engagiert sich wie kaum eine andere für ihr Team: Egal ob es darum geht die ganze Mannschaft auf eine Fete einzuladen, zu bekochen, DJane zu spielen oder gar alle Trikots der Mitspielerinnen zu waschen, weil irgendwas mit der Vereinswäsche nicht geklappt hat. „Gugga“, wie sie überall genannt wird, nicht nur weil Nicht-Isländer ihren Namen sowieso nicht richtig aussprechen können, spielt eine wichtige Rolle auch außerhalb des Platzes.

Auf dem Platz hat sie seit dem Überstreifen der Kapitänsbinde eindeutig mehr Verantwortung übernommen. Auch 2012 wird Djurgården in Ermangelung einer anderen Arena wieder im weitgehend leeren Stockholmer Olympiastadion von 1912 spielen und Guggas Stimme wird 90 Minuten lang mehr oder weniger deutlich zu hören sein.

ffschweden nutzte die Saisonpause für ein kurzes Gespräch mit der sympathischen Torhüterin!

Wie war eure letzte Saison aus deiner Sicht und wie beurteilst du deine persönliche Saison?

Wir sind auf demselben Platz gelandet wie schon im Jahr zuvor (dem 8.; Anm.: ffschweden), aber ich denke wie haben einen besseren Fußball gespielt. Für mich persönlich denke ich, dass ich eine gute Saison gespielt habe und mich weiter entwickelt habe, allein schon wenn du bedenkst, wie viele Schüsse ich jeweils aufs Tor bekommen habe.

In Schweden wird darüber Statistik geführt und mit offiziell 159 Schüssen auf das Tor von Djurgården führt Guðbjörg Gunnarsdóttir  in der Tat diese Statistik deutlich vor Hedvig Lindahl (Kristianstad) an, wenig schmeichelhaft für die Viererkette, so scheint es. Man muss allerdings berücksichtigen, dass die beiden Absteiger Hammarby und Dalsjöfors zwei bzw. drei Torhüterinnen in der Saison eingesetzt haben, während Djurgårdens Ersatztorwart, die Russin Anna Antonova gar nicht zum Einsatz kam.

Guðbjörg Gunnarsdóttir

Guðbjörg Gunnarsdóttir eine feste Größe in Djurgården (Foto:Anders Henrikson)

Ich weiß, dass du zumindest ein gut dotiertes Angebot aus Piteå hattest, wo man dich schon 2010 haben wollte. Warum hast du dennoch wieder Djurgården gewählt?

Ich hatte sogar auch ein interessantes Angebot aus der WPS in den USA und ehrlich gesagt war ich nahe dran, dem nachzugeben. Aber irgendwie scheint die Liga dort instabil zu sein. Ich habe das Gefühl, dass die Damallsvenskan 2012 stärker werden wird und 2013 dann vielleicht noch besser, weil dann die EM in Schweden gespielt werden wird. Ich fühle mich sehr wohl bei Djurgården und finde, dass Stockholm eine tolle Stadt ist. Djurgården hat darüber hinaus gute Voraussetzungen für mich geschaffen und ich denke, dass ich mich hier weiter entwickeln kann und meinen Teil für die Mannschaft beitragen kann.

Nun habt ihr einige Verstärkungen im Kader, von Hammarby kommen gleich drei Spielerinnen, aber auf der Minusseite steht, dass Emma Lundh nach Linköping gewechselt ist. Wie siehst du den Kader für die kommende Saison?

Emma ist eine sehr gute Spielerin und ich bin fest davon überzeugt, dass sie eine der allerbesten in Schweden werden kann, wenn sie die Kontinuität erreicht, die es dazu braucht. Wir brauchen definitiv eine gute Stürmerin als Ersatz für sie. Darüber hinaus sehe ich noch Bedarf im Mittelfeld. Meiner Meinung nach war Anna Lindblom die beste Spielerin bei Hammarby in der letzten Saison und Magda (Lena Ericsson; ffschweden) ist ein großes Talent, das noch besser werden wird. Mit den Neuzugängen bin ich sehr zufrieden.

Als Island in der EM-Quali gegen Norwegen gelost wurde, dachte man natürlich an einen norwegischen Gruppensieg. Aber Island hatte ein fantastisches Nationalmannschaftsjahr mit Siegen über Schweden, Dänemark (erstmals Finale beim Algarve-Cup gegen die USA) und dann 3:1 in der EM-Qualifikation gegen Norwegen. Dann haben die Norwegerinnen auch noch sensationell in Nordirland verloren. Es sieht mit anderen Worten sehr gut aus für Guðbjörg Gunnarsdóttir, 2013 in Schweden bei der EM-Endrunde dabei zu sein.

 

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