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Jul 25 2013

Deutsches Team mit grandiosem Halbfinalsieg

Schweden – Deutschland 0:1 (0:1)

 

 

Text von Tom Schlimme, Bilder von David Catry (www.nikonpro.be)

 

In einem Spiel auf allerhöchstem Niveau hat das deutsche Team allen Kritikern gezeigt, dass es das Fußballspielen doch nicht verlernt hat. Gegen starke Schwedinnen, die angefeuert vom heimischen Publikum in der zweiten Halbzeit einen Sturmlauf auf das deutsche Tor hinlegten, brachte die DFB-Elf einen 1:0-Sieg mit Glück, Kampfkraft und Geschick über die Zeit.

 

Dzsenifer Marozsan erzielt das Siegtor für Deutschland, Charlotte Rohlin kann den Treffer nicht verhindern (Foto: David Catry, niconpro.be)

Dzsenifer Marozsan erzielt das Siegtor für Deutschland, Charlotte Rohlin kann den Treffer nicht verhindern (Foto: David Catry, niconpro.be)

 

BVJ78975Bundestrainerin Silvia Neid hatte wie erwartet Anja Mittag für die verletzte Celia Okoyino da Mbabi in die Spitze gestellt, Dzsenifer Marozsan spielte wieder von Beginn an auf ihrer Position zentral hinter der Spitze, Lena Lotzen rechts und Simone Laudehr links. Damit blieb die Bundestrainerin bei ihrem System und den Spielerinnen, auf die sie auch vorher schon vertraut hatte. Doch im Gegensatz zu den Spielen zuvor funktionierte dieses System in diesem wichtigen Halbfinale. Für die Fans des deutschen Frauenfußballs war es eine Wohltat, dieser leidenschaftlich kämpfenden, aber auch technisch und taktisch starken deutschen Mannschaft zuzuschauen, wie sie den favorisierten Schwedinnen vor allem in der ersten Spielphase den Schneid abkaufte. Die ersten zehn Minuten des Spiels gehörten weitgehend dem deutschen Team mit einigen guten Szenen im schwedischen Strafraum. Die größte Chance entstand dabei in der zehnten Minute, als Mittag nach links auf Laudehr gab, die flankte gut nach innen, Marozsan stieg hoch, setzte den Kopfstoß aber nicht gut an und köpfte aus guter Position deutlich neben das Tor. Doch es ging Schlag auf Schlag weiter. Laudehr mit flachem Pass auf Marozsan, doch Schwedens Keeperin Kristin Hammarström kam gut heraus und warf sich noch rechtzeitig dazwischen. Dann eroberte Marozsan gegen Innenverteiderin Nilla Fischer einen Eckstoß, gab diesen selbst herein, Annike Krahn kam zum Schuss auf das schwedische Tor, doch Sara Thunebro konnte den Ball kurz vor der Linie noch wegschlagen. Jetzt waren 15 Minuten gespielt, in denen von Schweden kaum etwas zu sehen gewesen war, doch dies sollte sich nun ändern, denn Stürmerin Lotta Schelin erwischte im direkten Gegenzug einen steilen Pass nach vorne, kam gestört von Saskia Bartusiak zum Schuss, doch ganz knapp am langen Eck vorbei.

 

BVJ79161Wieder fast im direkten Gegenzug startete Mittag von ganz hinten ein tolles Solo bis zum Strafraum, schloss selber ab, Hammarström wehrte den Ball zum Eckstoß ab. Dann Foul von Laudehr an Antonia Göransson nah am Strafraum, Torhüterinnenschwester Marie Hammarström gab den Ball rein, doch abgewehrt. So ging es nun Mitte der ersten Halbzeit hin und her mit Chancen auf beiden Seiten bei sehr hohem Tempo beider Teams. Dann kam die 33. Minute. Mittag eroberte im Mittelfeld einen Ball, gab an Nadine Keßler weiter, die zurück auf Mittag, Superpass auf Marozsan, und die machte das Bein ganz lang und rutschte trotz harter Bedrängnis durch Charlotte Rohlin noch gerade so mit der Fußspitze ans Leder. Dieses kullerte an der entgegenkommenden Keeperin vorbei ganz langsam Richtung Pfosten des schwedischen Tores. Sekundenlang hielten alle im Stadion den Atem an, würde der Ball vorbei kullern, würde eine schwedische Spielerin ihn noch erreichen können? Weder noch, der Ball ging ins Tor, 1:0 für Deutschland!

 

Und die deutsche Mannschaft drückte weiter, machte nicht den Fehler, sich jetzt schon hinten reinstellen und die knappe Führung verteidigen zu wollen. Marozsan verlängerte einen Pass mit der Hacke genial auf Mittag, die setzte sich aus eigentlich unmöglicher Position durch, schade, dass ihr dann der Schuss missglückte. Doch auch Schweden kam weiter zu Chancen, doch Deutschlands Keeperin Nadine Angerer stand immer richtig und hielt alles, was auf sie zukam. So ging es bei einem deutlichen Chancenübergewicht für Deutschland, vor allem aber mit dem 1:0, in die Pause.

 

BVJ79123Die zweite Halbzeit begann mit gefährlichen Angriffen der Schwedinnen. 47., Göransson setzte sich links durch, gab nach innen, Kopfball Kosovare Asllani, doch abseits gewunken, richtige Entscheidung der Schiedsrichterinnen. 48., Konter Josefine Öqvist, Überzahlangriff der Schwedinnen, aber Bartusiak lief klasse, machte den Raum eng und bekam das Bein noch in den Schuss von Schelin. Deutschland stand gefährlich hoch, Ballverluste führten sofort zu kaum noch zu stoppenden Angriffen der Schwedinnen. Doch natürlich ergaben sich so auch immer wieder eigene Chancen, so für Laudehr in der 50. Minute aus spitzem Winkel, Kristin Hammarström hielt jedoch. Dann Jennifer Cramer, sonst meist sicher, mit einem katastrophalem Fehlpass, doch Bartusiak konnte retten.

 

Mit zunehmender Spieldauer kam die deutsche Elf nun mehr und mehr ins Schwimmen, konnte den Ball nicht mehr lange genug behaupten, und so kam Schweden immer besser ins Spiel. Dazu trug auch bei, dass bei einigen deutschen Spielerinnen, die sehr hohen Laufaufwand betrieben hatten, die Kräfte zu schwinden begannen. Lena Lotzen hatte auf dem rechten Flügel in der ersten Halbzeit ein starkes Spiel abgeliefert, nun verlor sie aber fast jeden Ball, und diese Ballverluste brachten immer wieder Gefahr für den deutschen Strafraum. Doch Asllani köpfte über das Tor, die Schwedinnen machten nun auch zu wenig aus ihren Chancen. Dann wieder Chancen für Deutschland: Mittag etwas zu steil auf Laudehr, die rannte, erwischte den Ball doch noch vor der Torauslinie, gab nach innen, Lotzen über das Tor. Dann wieder Mittag, von Marozsan steil durch die Gasse bedient, mit hartem Schuss, doch K. Hammarström wehrte zur Ecke ab.

 

BVJ79272Dann die 62. Minute, eine Szene, an der Schweden noch lange knabbern wird: Ein hoher Ball kam nach vorne auf Schelin, Krahn neben ihr ging zu Boden, Schelin schoss den Ball unhaltbar ins Tor und drehte zum Jubeln ab. Das Stadion tobte, doch der Treffer wurde nicht gegeben. Es gibt zwei mögliche Gründe, wieso dieses Tor nicht anerkannt wurde: Schelin kann Krahn gestoßen haben, was aber auch in den Zeitlupen schwer zu sehen ist, aber auf jeden Fall war Schelin Momente vorher bei einer Ballabgabe nach vorne im Abseits gewesen. Wie auch immer, Deutschland führte weiter, und Schweden rannte der Führung weiter hinterher. In der 70. Minute traf Öqvist nur den Pfosten des deutschen Tores, der Nachschuss landete in den Armen von Angerer. Neid brachte dann in der 78. Melanie Leupolz für die erschöpfte Lotzen, meiner Meinung nach hätte sie dies besser schon früher getan. Schwedens Trainerin Pia Sundhage wechselte dreimal, brachte unter anderen eine Stürmerin für eine Verteidigerin. Es gab vier Minuten Nachspielzeit, Sundhage dirigiert ihr Team von der Seitenlinie aus nach vorne, doch in den letzten Minuten war es die deutsche Elf, die wieder einen sichereren Eindruck machte. Es blieb beim 1:0 für Deutschland.

 

Es war ein ganz großes Spiel zweier starker Mannschaften. Dass das deutsche Team eben doch ein Einheit darstellt, zeigte sich auch im Jubel nach dem Sieg. So ausgelassen, so lange wie das ganze Team, egal ob Ersatzbankspielerin oder Betreuer, jubelnd im Kreis herumhüpften, wurde auch nach großen Turniersiegen selten gefeiert.

 

Leid tun können einem natürlich die Schwedinnen, die jetzt im Halbfinale bei der EM im eigenen Land die gleiche Erfahrung machen müssen wie Deutschland im Viertelfinale der WM 2011. Entsprechend traurig waren auch die Spielerinnen, und auch die Gesichter im Publikum sprachen Bände. Doch Schweden ist gegen einen starken Gegner mit einer großen Leistung ausgeschieden!

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Deutschland:

Angerer – Maier, Krahn, Bartusiak, Cramer – Keßler, Goeßling – Lotzen (78. Leupolz), Marozsan (89. Schmidt), Laudehr – Mittag

 

Schweden:

Hammarström – Samuelsson (82. Dahlkvist), Rohlin, Fischer, Thunebro – Öqvist (74. Jakobsson), Seger, M. Hammarström, Göransson (65. Sjögran) – Asllani, Schelin

 

Tor:

0:1 Marozsan (33.)

 

Gelbe Karten:

Fischer /Laudehr

 

Schiedsrichterin:

Esther Staubli (SUI) mit Maria Lisická (SVK), Judit Kulcsár (HUN)

 

Zuschauer:

16.608 (ausverkauft)