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Jul 26 2013

Norwegischer Riegel gegen dänisches Kombinationsspiel

Norwegen – Dänemark 5:3 n.E. (1:1)

 

Text von Tom Schlimme, Bilder von Katrin Müller und Marion Kehren

 

 Im zweiten Halbfinale der Europameisterschaft musste Norwegen den harten Gang durch Verlängerung und Elfmeterschießen gehen, um sich gegen Dänemark durchsetzen zu können. Dabei bestätigte Norwegen die starke defensive Leistung vom Gruppensieg gegen Deutschland und dürfte auch im Finale am Sonntag ein äußerst unbequemer Gegner sein.

 

Trine Rönning hat eben den entscheidenden Elfmeter für Norwegen verwandelt - Norwegen ist im Finale! (Foto: Marion Kehren)

Trine Rönning hat eben den entscheidenden Elfmeter für Norwegen verwandelt – Norwegen ist im Finale! (Foto: Marion Kehren)

 

km-pernille-harderEines darf gegen Norwegen auf keinen Fall passieren: früh in Rückstand geraten. Genau dies mussten aber die Däninnen bereits in der dritten Minute dieser Halbfinalpartie erleben. Ingvild Stensland gab einen Eckball für Norwegen nah am Tor in den Strafraum, die bisher so starke dänische Keeperin Stina Lykke Petersen tauchte unter dem Ball durch, das Leder kam zu Marit Fiane Christiansen, die mit dem Körper das 1:0 erzielen konnte. Von diesem Moment an sprach alles für Norwegen, denn das Team von Trainer Even Pellerud versteht sich auf zwei Stärken: verteidigen und kontern. Wie schon beim 1:0-Sieg gegen Deutschland baute Norwegen bei Ballbesitz des Gegners zwei Viererketten vor dem eigenen Tor auf und ließ nur wenige Strafraumszenen zu. Hin und wieder setzten die Norwegerinnen dann aber zu überfallartigen Kontern an, die mit drei bis vier Spielerinnen vorgetragen sehr gefährlich werden konnten. Oft waren dabei auch weite Bälle in die Spitze zu sehen, aber längst nicht so leicht ausrechenbar wie bei den Schwedinnen im anderen Halbfinale. Die norwegischen Konter, häufig über die schnelle Caroline Hansen eingeleitet, sind nicht leicht zu stoppen. Allerdings rannten die Däninnen nach dem frühen Rückstand nicht gleich gegen das norwegische Tor an, sondern versuchten vorsichtig das Spiel aufzubauen und sich dem Tor der Norwegerinnen mit Kombinationsspiel zu nähern. So hatte Dänemark zwar viel Ballbesitz, kam aber selten in den norwegischen Strafraum durch. Die beste Chance der ersten Halbzeit nach dem Tor hatte Norwegen durch einen Schuss von Ada Hegerberg an die Latte.

km-caroline-hansen In der zweiten Halbzeit begann dann aber die dänische Offensive. Mia Brogaard nahm einen Ball 10 Meter vor dem Tor volley, zielte aber knapp vorbei. Nur zwei Minuten später aber wieder ein norwegischer Konter, Überzahlangriff drei gegen zwei, doch Hansen scheiterte an der stark reagierenden Keeperin Lykke Petersen. Meist aber kombinierte Dänemark irgendwo im Bereich zwischen Mittellinie und norwegischem Strafraum. Schön anzusehen, aber wenig effektiv. Anders herum muss man sagen, dass die norwegische Taktik, dem Gegner den Ball zu überlassen und auf Fehler zu lauern, nicht gerade attraktiv ist. So fiel das Spiel gegenüber dem Halbfinale Deutschland – Schweden vom Vortag schon etwas ab. Je mehr sich der für die Norwegerinnen erlösende Schlusspfiff näherte, desto offensiver und dominanter wurde Dänemark. In der 67. Minute wechselte Trainer Kenneth Heiner-Møller mit Nadja Nadim eine Stürmerin für Verteidigerin Judith Arnth, in der 82. Minute brachte er Stürmerin Emma Madsen für Verteidigerin Christina Ørntoft, der dritte Wechsel Julie Rydahl gegen Johanna Rasmussen war positionsbezogen. Dänemark warf also alles nach vorne, ging das Risiko ein, sich auskontern zu lassen, und wurde schließlich belohnt. Johanna Rasmussen gab einen Freistoß etwas von der Mittellinie aus hoch in den Strafraum, eine Spielerin verlängerte mit dem Kopf nach innen und Mariann Gajhede Knudsen köpfte aus kurzer Entfernung ins norwegische Tor ein. Fast das ganze Spiel über hatten die Norwegerinnen die Lufthoheit im eigenen Strafraum besessen, nur in dieser einen Szene konnte sich Dänemark einmal in der Luft durchsetzen, und schon war es passiert!

mk-ingvild-stensland_katrine-sondergaard-pedersenEs folgte eine spannende Verlängerung, in der sich die Linien des bisherigen Spiels fortsetzten. Dänemark kombinierte gefällig, tat sich bei allem Ballbesitz aber schwer, Chancen herausszupielen. Norwegen konterte selten, aber gefährlich. Ein zahlenmäßiges Chancenplus in der Verlängerung hatte Dänemark allerdings schon und war dem Siegtreffer näher als die Norwegerinnen. In der 114. Minute drückte Norwegens Keeperin Ingrid Hjelmseth einen Ball mit einer Hand noch über die Latte, der sich sonst aus spitzem Winkel ins Tor gesenkt hätte. Aber auch Lykke Petersen auf der anderen Seite musste noch öfter ran und bewies ihre Klasse, so vor allem, als sie im Herauslaufen weit vor dem Strafraum knapp vor einer Angreiferin klären musste. Die letzte Chance des Spiels hatte aber Norwegen, doch ein nah ans Tor geschlagener Eckstoß flog quer durch den Torraum, ohne dass irgend eine Spielerin ihn auch nur berühren konnte.

km-ingrid-hjelmseth Dänemark hatte im Viertelfinale das Elfmeterschießen gegen Frankreich gewonnen. Doch zwei der fünf Schützinnen gegen Frankreich waren bereits ausgewechselt worden, und Ingrid Hjelmseth im norwegischen Tor war schwerer zu überwinden als Frankreichs Keeperin Sarah Bouhaddi. Hjelmsetz zappelte vor der Schützin hin und her, und warf sich dann voll in eine Ecke – und zwar jeweils die richtige! So hielt Hjelmseth sowohl den ersten dänischen Elfmeter von Line Røddik, als auch den zweiten von Theresa Nielsen. Die norwegischen Schützinnen trafen alle, und so hatte es schließlich Trine Rønning für Norwegen auf dem Fuß, das entscheidende Tor zu machen, was ihr auch souverän gelang.

Schade für Dänemark. Die Däninnen haben nach einem starken Auftaktspiel gegen Schweden zwei schwache Gruppenspiele gezeigt, dann im Viertelfinale gegen Frankreich ganz stark gespielt und nun auch gegen Norwegen eine gute Leistung im Halbfinale gebracht. Es war das letzte Spiel unter Trainer Kenneth Heiner-Møller, der seine Laufbahn beendet, und es war eines Abschiedsspiel würdig.

Deutschland hat nun im Finale am Sonntag die Möglichkeit, sich für die Gruppenspielniederlage, die erste EM-Niederlage überhaupt seit 20 Jahren, zu revanchieren. Doch leicht wird es gegen diese Norwegerinnen nicht, und vor allem eines muss das deutsche Team vermeiden: in Rückstand geraten!

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Norwegen:

Hjelmseth – Mjelde, Rønning, Christensen, Akerhaugen – Isaksen (63. Dekkerhus) – Hansen (58. Thorsnes), Gulbrandsen, Stensland, Hegland – Hegerberg (80. Haavi)

 

Dänemark:

Lykke Petersen – Nielsen, Örntoft (82. Madsen), Arnth (67. Nadim), Røddik – Brogaard, Søndergaard-Pedersen, Knudsen – Veje, Harder, Rydahl (68. Rasmussen)

Tore:

1:0 Christensen (3.)

1:1 Knudsen (87.)

 

Elfmeterschießen:

Røddik verschießt (Keeperin hält)

2:1 Gulbrandsen

Nielsen verschießt (Keeperin hält)

3:1 Dekkerhus

3:2 Nadim

4:2 Mjelde

4:3 Brogaard

5:3 Rønning

 

Gelbe Karten:

Hjelmseth, Stensland / -

 

Schiedsrichterin:

Kateryna Monzul (Ukraine) mit Natalia Rachynska (UKR) und Lucie Ratajová (CZE)

 

Zuschauer:

9260