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Jul 20 2012

“Aus eins und eins mach zwei!” Diesmal: “Mach eins aus zwei!” – Außergewöhnliche Teambuildingmaßnahme in Kambodscha

Text von Lisa Dittmann, Fotos von SALT-Academy

In einem außergewöhnlichen Pilotprojekt ist es der Sports and Leadership Training (SALT) Academy (FanSoccer berichtete schon einmal über diese Organisation) in Kambodscha gelungen, gehörlose fußballbegeisterte Mädchen, die von der lokalen NGO Krousar Thmey betreut werden, in eine bereits bestehende Mädchenmannschaft zu integrieren. Das Vorhaben brachte allerlei logistischen Herausforderungen mit sich: Kommunikation! Doch mit einem U14 Mädchen-Fußballturnier im März 2012 in Phnom Penh wurde der wohl wichtigste Schritt dieser Zusammenführung vollbracht. 

Krousa Thmey

Komar RiekreyEine neue Sportmannschaft zu gründen kann einige Schwierigkeiten mit sich bringen. Die Spieler kennen sich nur flüchtig, es gibt keine Mannschaftsleader oder andere Führungsrollen. Aufgrund dessen bleiben auch die Siege oftmals aus. Dennoch können gemeinsam Siege und Niederlagen, wie auch ein guter Trainer eine Mannschaft zusammenschweißen. Doch wie sieht das Ganze aus, wenn es schon eine Mannschaft gibt, deren Spieler sich aufeinander eingespielt haben und dazu problemlos alleine Siege feiern können?

Die SALT Academy startete den Versuch Kroursa Thmey (KT) eine Mädchenmannschaft bieten zu können. Bei Kroursa Thmey handelt es sich um eine in Battambang sesshafte NGO (Non Governmental Organisation = eine Organisation die vom Staat unabhängig gegründet ist), die sich mit visuell Benachteiligten bzw. taub-stummen Kindern und Jugendlichen beschäftigt. Es gibt zwei Jungenmannschaften für diese NGO, bis dato aber kein Mädchenteam. Auch in der letzten Saison gab es leider zu wenig interessierte Mädchen, um eine eigene Mannschaft zu gründen. Lediglich zwei Mädchen ließen sich ab und an beim Training der Jungen blicken. Dennoch sollten die interessierten Mädchen eine Möglichkeit erhalten ihre Leidenschaft für den Fußball ausleben zu können. Das diesjährige Pilotprojekt hat die Vision der bereits bestehenden Mannschaft Komar Riekriey (KMR), die im letzten Jahr einige Spielerinnen auf Grund ihres zu hohen Alters verloren hatte, neue Spielerinnen zuzuteilen, um so nicht nur den Fußball, sondern auch die Integration der weiblichen Taub-stummen in der Kommune zu fördern.

Wie bereits angesprochen ergaben sich allerdings einige Schwierigkeiten bei dieser Fusion: Zunächst musste eine Transportmöglichkeit für die KT-Mädchen organisiert werden. Nach einigen wackeligen Transportfahrten fand sich jedoch die Unterstützung von ISF (Indchina Starfish Foundations), denen wir an dieser Stelle gerne für das wöchentliche „Tuktuk“ zum weit entfernten Training danken möchten! Die KT-Mädchen waren begeistert und erschienen zum ersten Training bereits zu sechst statt zu dritt. In den folgernden Wochen kamen immer mehr hinzu, sodass am Ende der Saison rund 10 Mädchen zum Training der U11 und U14 Mannschaften erschienen.

isf bannerProblematisch war jedoch der Zeitpunkt an dem die Zusammenführung stattfand, denn die Saison war bereits halb bis 3/4 vorbei. Auch wenn die Mädchen oft zum Training erschienen, gab KMR ihnen gelegentlich das Gefühl sie nicht unbedingt in ihrer Mannschaft aufnehmen zu wollen, sondern eher als Trainingsfreunde zu dulden. Je mehr sie zum Training kamen, wenn auch immer in unterschiedlichen Konstellation, desto mehr wurden sie jedoch akzeptiert.

Leider kamen die KT Mädchen trotz mehrfachen Aufforderns nie zu den Spieltagen, was auf KMR den Effekt hatte, dass sie begannen zu glauben KT interessiere sich nicht richtig für die Mannschaft. Wir wissen nicht, ob dies am Zeitpunkt der Kooperation, den Kommunikationsschwierigkeiten oder der Lustlosigkeit lag. Es könnte ebenfalls die Selbstunsicherheit der Spielerinnen gewesen sein. Einmal kam es vor, dass KMR ein wichtiges Spiel hatte zudem es uns gelungen war drei KT Mädchen zu bringen. Doch nach mehrfacher Frustration auf dem Platz begannen die KMR Spielerinnen ihre Trainer darum anflehten die taubstummen Mädchen doch endlich auszuwechseln – Ein sehr zurückwerfendes Ereignis für beide Seiten.

Wie diese Beispiel nahebringt ist und bleibt die größte Schwierigkeit natürlich die erschwerte Kommunikation. Da nur eines der KT-Mädchen mit starkem lispeln sprechen kann und die KMR Mädchen gerade mal eine Handvoll Vokabeln in Gebärdensprache lernten, war es immer schwierig außerhalb der Spiele Freundschaften zu knüpfen. Dieses Problem wird auch künftig noch bestehen, wobei langsam bestimmte Zeichen oder Mimiken von beiden Seiten verstanden werden.

Der wohl wichtigste Schritt für die Zusammenführung war das von Barclay gesponserte und ISF ausgeführte U14 Mädchen Fußballturnier im März 2012 in Phnom Penh. Hierzu reisten 12 Mädchen als Team an. Davon kamen vier von KT und acht von KMR. Den ersten Tag standen sich die Spielerinnen noch ein wenig skeptisch gegenüber und auch wenn im Bus miteinander gespielt wurde, waren die Situation als Schlafplätze verteilt wurden etwas angespannt.

DoppeltorschützinNichtsdestotrotz tauten am Tag des Turniers langsam alle auf. Die sonst sehr schüchternen KT-Mädchen setzten dem Ball nach, blockierten Schüsse und koordinierten gemeinsam mit den anderen die Spielzüge, gerade so als wäre alle Anspannung und Last von ihren Schultern gefallen. Ihre Nervosität war verschwunden und der Spieltrieb in allen geweckt. Nach und nach wuchs die Mannschaft über sich hinaus, gewann zwei Spiele zu denen sie gerade als Favorit aufgelaufen war. Der schönste Moment des Turniers ereignete sich allerdings nach den Gruppenspielen, als es um den Einzug ins Achtelfinale ging. Zunächst lag die Mannschaft nach einem unglücklichen Gegentor 1:0 zurück. Die Motivation fiel drastisch, doch kurz vor dem Aufgeben setzte sich die taubstumme Spielerin mit der Nummer18 gegen drei Verteidiger durch und platzierte mit dem linken Fuß ein grandioses Tor in der obere Ecke des gegnerischen Tors und es stand 1:1 Unentschieden.

Neue Energie schien die Mädchen zu durchströmen! Auch die Begleiter der beiden NGOs waren außer sich und die Auswechselspieler begannen sie anzufeuern. Nur weniger Minuten später erzielte abermals die Nummer 18, im den letzten Minuten, ein unglaubliches Kopfballtor und sicherte damit den Sieg von “Komar Thmey”. Zum ersten Mal umarmten und feierten die Mädchen alle zusammen und selbst die kleinsten Spielerinnen fragten mich und die Begleitperson von KT danach wie man in Zeichensprache “Du spielst super Fußball!” ausdrücken könnte. Der hybridtische Name “KomarThmey” hielt sich für den Rest des Turniers als neues Label der Gruppe die Trainingseinheiten werden auch in Zukunft weiterhin gemeinsam stattfinden.

Wer gerne die SALT-Academy unterstützen möchte kann dies gerne tun und zwar unter Spendenkonto:

SALT Academy

Raiffeisenbank Wängi-Matzingen

Aadorferstrasse 1

9545 Wängi

Schweiz

Bankenclearing 81416

Vereinskonto Nr.: CH9581416000004199134

 

Weitere Infos zu diesem Projekt findet ihr bei SALT!