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Mai 22 2012

Aus für Profifußball in den USA – wie geht es weiter? – Nach drei Jahren Spielbetrieb stellt die WPS ihren Spielbetrieb endgültig ein

Text von Rainer Fußgänger 

ClosedDiese Woche kam das endgültige Aus der amerikanischen Profiliga WPS. Auf der Homepage ist das Ende nicht abzulesen, aber die Seite wurde und wird offenbar nicht gepflegt. Mein Versuch, mir noch schnell ein, zwei Trikots von den fünf Clubs zu besorgen, die es zuletzt in dem gescheiterten Unterfangen gab, scheiterte jedoch: „This store is now closed“, heißt es lapidar auf der Merchandising-Seite und wird auch nicht weiter erläutert.

Nein, ich habe nicht damit gerechnet, dass es hätte weitergehen können. Als der Betrieb Mitte Februar für dieses Jahr abgesagt wurde, verbreitete sich eine Welle der Enttäuschung in den sozialen Medien. Offiziell war der Anlass, dass die WPS einen Rechtsstreit mit dem ausgeschlossenen magicJack-Eigentümer Dan Borislow führe und der ungewisse Ausgang dazu veranlasst hätte, 2012 keine Spiele zu veranstalten. Aber geglaubt hat das nur Natasha Kai, die Borislow am selben Abend auf Twitter auf wüste Art beschimpfte. Nach all dem, was man über den Multimillionär aus Florida gehört und gelesen hat, hat er die eine oder andere Beschimpfung verdient, aber das Ende des Profifußballs in den USA hat er nicht auf dem Gewissen.

Man ist in Jahr 1 (= 2009; schon ein Jahr verspätet) mit zu hohen Erwartungen gestartet. Es wurden offenbar Gehälter gezahlt, die nicht realistisch waren. Von Anfang an sollte die WPS die beste Liga der Welt sein. Mit allen Stars des UWNT, der amerikanischen Nationalmannschaft also, aber auch mit Marta, die das Aushängeschild der Liga wurde, jedenfalls zu Beginn. Es wimmelte von Brasilianerinnen, Schwedinnen wie Kosovare Asllani, Jessica Landström, Therese Sjögran, Sara Larsson, Caroline Jönsson spielten in der WPS und natürlich alle Stars der englischen Nationalelf, angefangen bei Kelly Smith und Anita Asante.

WPSIm letzten Jahr gab es kaum noch Ausländerinnen. Zwei Brasilianerinnen waren übrig: Marta und eine Freundin von ihr bei Western New York Flash. Sie alle waren zu teuer und in den USA gibt es ein schier unerschöpfliches Reservoir an gut ausgebildeten Spielerinnen die Jahr für Jahr von den Colleges und Universitäten auf den Markt strömen. Und nach der WM waren die einheimischen Stars eh zugkräftiger: Hope Solo, Abby Wambach, Alex Morgan an der Spitze. Sie tauchten in unterschiedlichen Konstellationen in der Late Show mit David Letterman auf, tanzten mit den Stars in “Dancing with the stars” oder machten Photoshootings mit weltweit bekannten Seiten wie dem Bikini-Kalender von „Sports Illustrated“. Auch die WPS profitierte von der Silbermedaille bei der WM. Es kamen auf einmal mehr als zehntausend um Abby Wambach zu sehen und in Western New York waren sogar 15.000 als das Team Richtung Meisterschaft marschierte.

Aber das Ende war eigentlich schon sehr nahe, denn von Anfang an kostete die Liga den Eigentümern wesentlich mehr, als das sie einbrachte. Während sich vor allem Solo und Morgan ein goldenes Näschen verdienten, steckten die Besitzer der Vereine wesentlich mehr in den Betrieb als sie zurückbekamen, statt einer Gelddruckmaschine war die Liga eigentlich von Anfang an ein Verlustgeschäft. Wohl deshalb ist sie jetzt denn auch unspektakulär zu Grabe getragen worden.

Was gibt es stattdessen? Wird jetzt eine neuerliche Massenflucht stattfinden? Allein in den beiden zweiten Ligen Schwedens spielen 24 Amerikanerinnen. Werden es noch viel mehr?

WPSL-EliteIn der WPSL-Elite, die sich schon kurz nach dem angekündigten Pausieren der WPS gebildet hatte, spielen jetzt acht Clubs, darunter die Ex-WPS-Clubs Western New York Flash, Boston Breakers und die Chicago Red Devils, die schon nach der Saison 2010 ausgestiegen waren. Hinzu kommen New York Fury, Chesapeake Charge, New England Mutiny, FC indiana und Philadelphia Fever. Die Kader sind ganz unterschiedlicher Qualität. Während die Boston Breakers nach wie vor eine starke Truppe beisammen haben (u.a. mit Leslie Osborne, der jungen Australierin Kyah Simon, Katie Schoepfer, Cat Whitehill und Heather O’Reilly sieht der Kader der Cheasapeake Charge eher eine Truppe von talentierten, aber eher unbekannten Studentinnen verschiedenster Universitäten. Die Chicago Red Stars haben wiederum prominente Mitglieder: Jen Buczkowski und Lori Chalupny sind hier die bekanntesten Namen.

Aber wenn man durch die Seiten der beteiligten Vereine surft, stellt man eines fest: den Mangel an aktualisierten Informationen. Die Chicago Red Devils zeigen ihren Kader von 2011. Der FC Indiana kündigt längst gespielte Begegnungen an. Das sieht nicht gut aus. Dennoch gibt es nach wie vor Menschen, die sich für Frauenfußball in den USA interessieren. Das Spiel der Boston Breakers am Samstag gegen den FC Indiana war mit 2 312 Zuschauern ausverkauft. Boston gewann mit 4:1, die Australierinnen Kyah Simon (2) und Tameka Butt schossen drei Tore. Mir scheint dennoch, dass es lange dauern wird, bis es wieder einen ernsthaften Versuch geben wird, professionellen Fußball in den USA zu starten. Kimberly Boulos, Amerikanerin in Schweden, sagte mir gestern erst in einem Gespräch, dass sich bei vielen jungen US-Spielerinnen die Frage, ob man nach dem College noch weiter voll auf Fußball setzen will, deutlicher denn je stellen dürfte und dass sich wohl viele für eine weitere Ausbildung oder das Berufsleben entscheiden könnten.

Aber die amerikanische Nationalmannschaft wird mit Sicherheit weiterhin vom amerikanischen Verband unter ihre Fittiche genommen und der Nachwuchs wird an den Colleges und Hochschulen abgeschöpft und der Elitenförderung zugeführt. Damit aber wird Frauenfußball in den USA wieder auf die wenigen großen Events reduziert werden. WM und Olympische Spiele. Viele Spielerinnen, die knapp an der Nationalelf scheitern, werden sich wohl mithilfe von Agenten in die ersten und zweiten Ligen Schwedens, Deutschlands, Norwegens und Finnlands vermitteln lassen, um zumindest für ein oder zwei Jahre dem Traum, “Profi” zu sein, nachgehen zu können.