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Feb 22 2012

Malmö steckt weiterhin in der Klemme

Text von Rainer Fußgänger, Foto von Fredrik Hasselgren

Vor 2 Tagen kam, wie versprochen, die Antwort der Stadt Malmö auf das Hilfeersuchen des schwedischen Meisters LdB FC Malmö. Mit insgesamt 158.000 € steht der Steuerzahler dem Topverein der Damallsvenskan bei, um den Spielbetrieb zu retten.

LdB MalmöEin Deal, der aus zwei Teilen besteht. Zum einen kaufte die Stadt eine gigantische Eintrittskarte. Sie gibt allen Schulkindern in Malmö freien Eintritt zu allen Heimspielen und wird dem Verein mit stolzen 73.500 € vergütet. Damit schafft man zugleich mehr Zuschauer ins Stadion, eine doppelte Win-Situation für den Verein. Teil 2 des Pakets besteht aus 84.500 €, die für den Kauf von Verkaufsständen aufgewendet werden, die der Verein selber an der einen Längsseite hatte errichten lassen. Bo Sjöström, Chef der Freizeitverwaltung (auch Freizeit will schließlich verwaltet werden) von Malmö: “Kein Verein besitzt irgendwo Kioske in einer Arena, die ihm nicht gehört. Kurzfristig wird diese Aktion helfen, die Liquidität des Vereins zu stärken. Langfristig wird das zu einer Mieterhöhung führen, wie hoch die ausfällt, werden wir dann sehen.”

Der Verein selber hatte die bevorstehende Finanzspritze noch nicht kommentiert. In jedem Fall gab es das erwartete Ergebnis, LdB FC Malmö wird zumindest in diesem Jahr den Spielbetrieb fortsetzen können. Alles andere wäre trotz der massiven Schreckensszenarien der letzten Wochen undenkbar gewesen. Gerade im in Gleichberechtigungsfragen sehr sensiblen Schweden konnte die linke Stadtregierung Malmös nicht anders handeln und musste die bestehenden Ungleichgewichte in der Förderung der beiden besten Fußballclubs der Stadt zumindest so anpassen, dass der schwedische Meister wohl erst einmal aus dem Gröbsten raus ist.

Nun aber wieder eine erneute schlechte Nachricht! Nach Durchsicht der Unterlagen und der Gegebenheiten, reicht die Finanzspritze, der Stadt Malmö, offenbar nur für eine kurzfristige Rettung. Gestern Abend um kurz vor 22.00 Uhr verschickte Pressesprecherin Vicky Fredriksson eine Erklärung, in der es heißt, dass die aktuelle Liquiditätskrise des Vereins im Februar/März dank der Hilfe der Stadt gelöst sei. Man hoffe jedoch darauf, dass der Dialog mit der Stadt fortgeführt würde.

“Wir haben ein Sparpaket auf den Weg gebracht, haben unter anderem Personal gekündigt, was mit sich bringt, dass wir mehr ehrenamtliche Helfer brauchen. Es besteht dennoch ein Bedarf an mehr Sponsoren. Uns fehlen nach wie vor rund drei Millionen Kronen (ca. 340.000 €), um den Haushalt ins Gleichgewicht zu bringen. Wir führen aktiv Gespräche mit mehreren Sponsoren, mit denen wir gern zusammenarbeiten werden.”

Gut klingt das sicher nicht. Nachdem die Stadt mit 1,4 Millionen Kronen ausgeholfen hat und überdies auch die Miete des Stadions für die Saison stundet, verkündete der Verein also nur sieben Stunden später, dass all das auf keinen Fall ausreicht und man noch einmal die doppelte Summe brauchen wird. Das erinnert schon ein wenig an Griechenland, mit Verlaub gesagt. Ein Fass ohne Boden. Und all das wirklich nur, weil 2010 eine Spielerin mit dem Kopf in die Werbebande raste und infolge dessen die Werbeflächen auf einer Seite nicht mehr verkauft werden konnten?

Oder haben wir es nicht abermals im Frauenfußball mit der Tatsache zu tun, dass eine auf Spitzensport getrimmte Mannschaft, die nicht nur national, sondern auch international Erfolg haben soll, eigentlich nur mit Fremdgeld zu finanzieren ist und selbst mehr Geld benötigt als sie selber generieren kann?

Suppercupen 2011Schon Umeå IK scheiterte an der scheinbar nicht funktionierenden Gleichung. Man hatte innerhalb weniger Jahre eine Spitzenposition in Europa erreicht und wie es die damals amtierende PR-Beauftragte Suzanne Granlund in einem Buch formulierte, den Weg zu den Sternen gefunden, um dann ebenso schnell wieder abzustürzen. In den USA scheiterte vorerst eine ganze Liga weniger an den Streitigkeiten mit dem reizbaren Unternehmer Dan Borislow, sondern vielmehr eben auch daran, dass der 2009 von allen Investoren erhoffte Gewinn ihrer Unternehmungen letztlich nicht einzufahren war.

Am Fall LdB FC Malmö empört mich, mit welcher Selbstverständlichkeit der Verein Forderungen an die Stadt und die Steuerzahler stellt. Natürlich soll die Stadt den Frauenfußball fördern und für eine gerechte Behandlung sorgen. Aber das kann doch nicht bedeuten, dass LdB FC den Anspruch ableitet, dass man an der Spitze der Liga spielen muss und die Stadt das dazu fehlende Geld gefälligst zuschießen muss. Finden sich keine Sponsoren, muss der Verein seinen sportlichen Anspruch, in Schweden und in Europa zur Spitze gehören zu wollen eben einer finanziellen Sanierung hintenan stellen. Es ist in hohem Maße unseriös, gute und teure Spielerinnen wie Ramona Bachmann und Anja Mittag zu verpflichten, wenn das Budget das eigentlich nicht hergibt. Den Steuerzahlern gegenüber, aber eben auch den Spielerinnen, denen man als Arbeitgeber letztlich direkt verantwortlich ist.