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Aug 27 2012

Das war knapp – Interview mit SC 07 Bad Neuenahr Präsident Bernd Stemmeler

Text: Sandra Kunschke

Gerüchte über finanzielle Probleme gab es schon lange in Bad Neuenahr. Anfang letzter Woche wurde nun bekannt, dass der Verein noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen ist und der finanzielle „Engpass“ ausgebügelt werden konnte. Am vergangenen Donnerstag unterzeichnete Bernd Stemmeler, Präsident des SC 07 Bad Neuenahr, einen neuen Sponsorenvertrag mit Lotto Rheinland-Pfalz, der nun erst mal für Ruhe und finanzielle Absicherung sorgen soll.

Bernd Stemmeler Sandra Kunschke

Bernd Stemmeler im Gespräch mit Sandra Kunschke (Foto: Marion Kehren)

Der Frauenfußball in Bad Neuenahr ist fest verwurzelt. 1969 wurde die Frauenfußballabteilung gegründet. Erst ein Jahr später 1970 erlaubte der DFB den Frauenfußball offiziell – den SC 07 kann man also getrost als Urgestein der Liga ansehen. Der größte Erfolg in der Vereinsgeschichte war der Gewinn der Deutschen Meisterschaft 1978.

Genau wie beim FCR Duisburg, der die Insolvenz gerade noch abwenden konnte, waren es besonders die „Altlasten“ die dem Verein Schwierigkeiten machen. Zusätzlich lief der Vertrag mit Hauptsponsor RWE, der einen sechsstelligen Betrag zuschoss, aus und konnte nicht verlängert werden. Mit der Deutschen Bahn und dem Flughafen Hahn zogen sich kurzfristig gleich zwei weitere wichtige Partner zurück. Der Verein stand vor einem weiteren Finanzproblem, dass dringend gelöst werden musste!

Für RWE passte es aufgrund der damals wichtigen regionalen Präsenz gut den Traditionsverein zu sponsern. Doch Änderungen in der Marketingpolitik ließ den Konzern überlegen, den Vertrag auslaufen zu lassen. „Wir haben natürlich um RWE gekämpft“, berichtet Bernd Stemmeler. „In mehreren guten Gesprächen haben wir dem Unternehmen deutlich machen können, dass wir RWE nicht nur regional sondern auch bundesweit transportiert haben. Die sympathische Sportart Frauenfußball mit der medial erfolgreichen Weltmeisterschaft im eigenen Land war ein sehr großes Argument für uns.“ Der RWE Vorstand entschied dennoch; sich komplett aus dem Fußballsponsoring zurück zu ziehen. „Diese Entscheidung hat uns sehr getroffen“, so Stemmeler. Der zeitgleiche Rückzug der Deutschen Bahn sowie dem Flughafen Hahn brachte den SC, zwei Monate vor Beginn der Bundesliga, in schwere Turbulenzen. „Wenn in der Vorbereitungsphase dann plötzlich drei Sponsoren gleichzeitig wegbrechen, trifft das einen Verein wie uns besonders hart. Anders als vielleicht bei Spitzenclubs, die finanziell breiter aufgestellt sind.“

Nun gab es schon länger Gerüchte über finanzielle Probleme. Der gebürtige Kölner Bernd Stemmeler, der seit knapp drei Jahren die Fäden als Präsident in der Hand hat, legt in einem Gespräch die Karten offen auf den Tisch. „Der SC 07 hat nicht erst seit heute oder den letzten zwei, drei Jahren finanzielle Probleme, sondern schon seit mehreren Jahren.“ Die Verantwortlichen, vor der Ära Stemmeler, hatten offenbar die mündliche Zusage eines großen Sponsors zu ernst genommen und bereits Ausgaben getätigt, bevor die rechtskräftige Unterschrift unter dem Vertrag stand. Als der Sponsor sich doch anderweitig entschied, war das Kind bereits in den Brunnen gefallen, eine fatale Situation! „Zusätzlich haben wir auch noch alle Unterlagen der letzten Jahre noch einmal von externen Experten „bereinigen“ lassen müssen, was weitere hohe Kosten verursacht hat. Aber auch die steigenden Spielerinnengehälter taten ihr Übriges dazu. Allein in den letzten drei Jahren, seit Bernd Stemmeler beim Sportclub ist, sind die Gehälter um 50 bis 60% angestiegen. Das heißt für einen Etat von einem Bundesligisten in einer Region wie Bad Neuenahr, eine immense Belastung an Personalkosten. Über die Jahre konnten die Verbindlichkeiten daher nicht wesentlich abgebaut werden und der Verein schob diese „Altlasten“ von rund 300.000€ die letzten Jahre vor sich her.

„In dieser schwierigen Phase haben wir es dem besonderen Engagement der Kreissparkasse Ahrweiler und Lotto Rheinland-Pfalz zu verdanken, dass es weitergehen kann“, erläutert Stemmeler die „Rettung“. „Sonst wäre die Lizenz und der Spielbetrieb in Gefahr gewesen!“

Lotto Rheinland-Pfalz, die den Breiten- und Spitzensport schon seit Jahren fördern, sind dabei aber nicht als Hauptsponsor für RWE eingesprungen, sondern bieten dem Verein eine Sicherheit für die nächsten Jahre. Nun ist es am Verein, mit weiteren Maßnahmen, die Zukunft zu sichern. Stemmeler: „Natürlich werden wir noch unsere Hausaufgaben machen und in allen Bereichen sparen, ohne eine Reduzierung der Personalkosten wird es nicht gehen! Da hoffe ich auf die Unterstützung aller, die sich im Verein engagieren, oder dem Verein nahe stehen!“

Bernd Stemmeler und Bürgermeister Guido Orten (Foto: Sandra Kunschke)

Allen voran setzt der Verein nicht nur gezwungenermaßen auf den eigenen Nachwuchs. Die Verbesserung der Struktur im Mädchenbereich wurde zusammen mit dem jetzigen Cheftrainer Colin Bell vor einigen Monaten begonnen und in den nächsten Monaten fortgesetzt. Die Arbeit trägt erste Früchte: die B-Juniorinnen haben sich für die neu gegründete B-Juniorinnen-Bundesliga qualifiziert und einige Talente aus der eigenen Jugend sowie der wichtigen DFB-Eliteschule am Ort stehen schon jetzt im Kader der neuen Mannschaft.

„Sportlich sehe ich sehr positiv in die Zukunft“, so Stemmeler, „jetzt gilt es den Verein endlich auf eine finanziell breite Basis stellen!“. Trotz vieler namhafter Nationalspielerinnen wie z.B. Almuth Schult, „Aushängeschild“ Celia Okoyino da Mbabi oder auch Leonie Maier, ist es nach wie vor recht schwierig, bundesweit tätige Unternehmen ins Ahrtal zu locken. Und in der Region sind nur kleinere Unternehmen beheimatet. Trotzdem erscheint die Suche nach neuen Partnern nicht aussichtslos, zumal sich auch die regionale Politik (Stadt und Landkreis) für den Verein engagiert.

Stemmeler: „Mit den Ahrtalwerken, der Barmer GEK und dem SETA-Hotel haben wir in den letzten Tagen schon neue Partner finden können. Jetzt werden wir im September noch einige Unternehmen zusammen mit der regionalen Politik zu einem „runden Tisch“ einladen. Ich bin mir sicher, dass wir danach weitere Erfolge vermelden können.“

Der SC 07 Bad Neuenahr ist noch mal mit einem blauen Auge davongekommen und kann wohl positiv in die Zukunft blicken. Zumal der Deutsche Fußballbund zusammen mit der neu gegründeten Ligakommission daran arbeiten, die Marke Frauenbundesliga nach vorne zu bringen und somit noch interessanter für Sponsoren zu machen.