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Sep 10 2012

Interview mit Ariane Hingst – Ari is back!

Interview von Marion Kehren, Fotos von Ann Odong

 

Ariane Hingst… aber nur für ein paar Wochen auf Familienbesuch in Berlin. :-D  Denn dorthin hat es die Tausendsassarein nach ihrem langen Aufenthalt in Australien verschlagen. Auch ein Jahr nach ihrem Ausstieg aus dem Bundesligageschäft und der Nationalmannschaft ist die Spielerin beliebt wie eh und je. Leider bekommt man von ihr nicht mehr allzu viel mit. Deshalb haben wir uns umso mehr gefreut, dass Ariane Hingst netter Weise bereit war uns ein kurzes Interview zu geben.

Eines vorweg, Ari geht es sehr gut und sie genießt aktuell Ihren Besuch in Deutschland. Wie ja bereits aus den Medien zu entnehmen war, wird sie Ende September wieder nach Australien zurück kehren und eine weitere Saison in der dortigen W-League spielen. Dieses Mal allerdings nicht mehr für die Newcastle Jets, sondern für den aktuellen Meister Canberra United.

Die Neugierde und die Liebe zu Australien entdeckte Ari bereits im Jahre 2000, als sie mit der Nationalmannschaft an den Olympischen Spielen in Sydney teilnahm. „Ich wusste, dass sie dort eine Liga haben, die zwar nicht so professionell ist wie in Deutschland, aber irgendwie hatte ich Lust dazu dort einmal zu spielen“, so Hingst. „Ich habe die Spiele immer verfolgt und während der letzten WM habe ich Lisa De Vanna angesprochen und ihr davon erzählt, dass ich unbedingt nach Australien wollte und sie gefragt ob sie mir evtl. behilflich sein kann. Und auch über eine Freundin von Sarah Thunebro versuchte ich Kontakte nach Australien herzustellen. Aus einer anfänglichen Spinnerei wurde wirklich eine fixe Idee.“ Während eines anschließenden Tauchurlaubes auf Bali, weit weg von jeglicher Zivilisation, bekam sie das Angebot der Newcastle Jets. Aber es dauerte zwei Wochen bis Ariane zusagen konnte, denn ohne Handy und Computer lässt es sich schwer antworten. Zurück in Deutschland brach die 33-Jährige im vergangenen Jahr binnen weniger Wochen ihre Zelte ab, um dem Ruf nach Down Under zu folgen.

Ariane HingstLeider schafften es die Newcastle Jets nicht sich für die Play Offs zu qualifizieren und so war die Spielzeit für Hingst früher beendet als erwartet. Aber das war für die Deutsche kein Problem, denn sie wollte erst einmal das Land kennen lernen. Zuerst einmal ging es ab zu den Australian Open, dem Tennisevent schlechthin und sie genoss die Zeit mit Tennis-Nationaltrainerin Barbara Rittner, die ihr als gute Freundin Zugang zu diesem Event verschafft hatte. „Das war schon ziemlich cool und hat richtig viel Spaß gemacht. Danach habe ich mir dann einen Van gekauft, meine Sachen eingepackt und bin munter durchs Land gereist„so Ari weiter. „Ich hatte eigentlich geplant Ende August nach Deutschland zurück zu kehren, jedenfalls war mein Flugticket darauf terminiert. Und als ich schon halbwegs mit Australien abgeschlossen hatte, kam die Anfrage von Canberra. Tja, und dieses Angebot wollte ich mir nicht entgehen lassen. Also flog ich bereits Anfang August zurück nach Deutschland, weil ich unbedingt meine Freunde und die Familie wiedersehen wollte und fliege Ende September wieder zurück.“

„Von dem, was ich bis jetzt von der Arbeit von Canberra mitbekommen habe, arbeiten sie recht professionell und haben auch einen hohen Anspruch an sich selbst. Nicht umsonst sind sie amtierender Meister.„ Wie in vielen Ländern spielt der Frauenfußball auch in Australien nur eine eher untergeordnete Rolle. Aber auch wenn die Liga noch viele Defizite im Vergleich zur Bundesliga aufzuweisen hat, macht es offensichtlich doch Spaß dort zu spielen. „Mit Sicherheit spielt man nicht in Australien wenn man seinen Unterhalt damit verdienen will, aber es macht einfach Spaß und das Umfeld stimmt. Die Vereine geben sich aller größte Mühe den Frauenfußball weiter zu fördern.“ Das Medieninteresse ist zwar nicht sonderlich groß, aber immerhin vorhanden. So wurde in der letzten Saison an jedem Spieltag eine Partie live gesendet. Gerüchten zufolge soll ab der kommende Saison eine einstündige Zusammenfassung, von ABC,  des jeweiligen kompletten Spieltages erfolgen, was natürlich auch einen weiteren Anreiz für die Sponsoren darstellen würde.

Ariane HingstDie langen Monate in Down Under hat Ariane genossen. „Nach meiner ersten Saison in Australien wollte ich einfach nur umher reisen und einfach mal nichts machen, außer surfen oder tauchen zu gehen. Ich brauchte das einfach! Ich hab selber gemerkt wie geil das war nicht jeden Tag aufzustehen und trainieren zu müssen, das habe ich lange genug gemacht. Ich hab das einfach für mich gebraucht.“ Um ihre Fitness macht sich die ehemalige Nationalspielerin übrigens keine Sorgen. „Natürlich muss ich jetzt noch ein paar Hausaufgaben erledigen, aber ansonsten freue ich mich einfach auf eine weitere Saison in Down Under. Ich möchte weiter die Kultur und das Land selber kennen lernen.“

Noch einmal in der Bundesliga spielen kommt für Ariane nicht mehr in Betracht. „Nach dem Sommer 2011 hatte sich das Thema Bundesliga definitiv für mich erledigt.“ Viel hat die Deutsche in den letzten Monaten von der Bundesliga nicht mitbekommen und hat dieses Thema komplett ausgeblendet. „Ich hab erst einmal den Abstand für mich gebraucht.“

Was sie nach der Saison in Canberra macht steht bis dato noch nicht fest. Ariane blickt der Zukunft gelassen entgegen. „Die letzten Male haben gezeigt, dass es oftmals anders kommt als man denkt. Ich bin für alles offen und warte einfach mal ab, “ so die Spielerin zum Schluss.

 

Mehr Informationen über den australischen Frauenfußball findet ihr unter: http://www.thewomensgame.com