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Sep 25 2012

1. Bundesliga, 3. Spieltag: Trainerwechsel noch schwer zu beurteilen

1. FFC Frankfurt – Bayer 04 Leverkusen 4:2 (2:1)

 

Text von Tom Schlimme, Bilder von Peter Henkel

 Im ersten Spiel unter dem neuen Trainer Philip Dahm gewann der 1. FFC Frankfurt gegen Bayer 04 Leverkusen mit 4:2. Doch ein solches Ergebnis wäre auch unter Sven Kahlert nicht überraschend gewesen. Vom Spielerischen her gab es noch nicht viel Neues zu beobachten.

 

Leverkusens Keeperin Anna Klink lenkt hier einen Schuss von Sandrine Bretigny gerade noch zur Ecke ab.

 

Alles andere wäre aber auch schon sehr erstaunlich gewesen, denn Dahm hatte bisher praktisch noch überhaupt keine Zeit, mit seinem kompletten Team zu trainieren, waren doch seit seiner Berufung die meisten Spielerinnen mit der Nationalmannschaft unterwegs gewesen. Dahm, bisher Athletiktrainer beim FFC, kennt zwar die Spielerinnen gut, für die Umsetzung neuer taktischer Vorgaben dürfte es aber noch etwas Zeit brauchen. Die Startformation war dann aber doch in einigen Punkten neu, wenn auch zum Teil zwei Ausfällen geschuldet. So fehlen bekanntlich beide Innenverteidigerinnen, Saskia Bartusiak wegen einer Rot-Sperre, Saki Kumagai wegen einer Handverletzung. Statt ihrer beorderte Dahm Babett Peter in die Innenverteidigung, und, das ist neu im Vergleich zum Spiel in Essen, Bianca Schmidt von rechts neben sie. Rechts außen verteidigte heute erstmals seit ihrem Kreuzbandriss in der ersten Liga wieder Alexandra Krieger. Ansonsten saß, sicherlich überraschend nach ihrer guten Leistung im Länderspiel, Lira Bajramaj zuerst auf der Bank. Dafür spielte heute Dzsenifer Marozsan, zurück aus Japan von der U20 WM, zentral im Sturm. Neben ihr nicht etwa wie bisher Sandrine Bretigny, sondern Jessica Wich.

Diese neue Kombination zahlte sich auch sehr schnell aus, genau gesagt nach fünf Minuten: Marozsan lupfte einen Ball genial über die Leverkusener Abwehr genau auf Wich, die nahm das Leder kongenial an, drehte sich und schoss hart und platziert unten ins Eck zum 1:0 ein. Diese Führung war absolut verdient, denn das Spiel lief beim FFC bis dahin flüssig und präzise. Doch nach der Führung kam Sand ins FFC-Getriebe, das Spiel wirkte uninspiriert, dümpelte nur noch vor sich hin, so dass Leverkusen langsam aufkam. In der 20. Minute fiel dann auch der gar nicht mal unverdiente Ausgleich: Ein Eckstoß von Leverkusen wurde kurz ausgeführt, dann kam der Ball aber doch hoch in den Strafraum. Mit diesem einfachen Trick ließ sich die FFC-Abwehr überrumpeln, die sich eben anschickte, nach vorne zu rücken. So stand dann Turid Knaak frei genug, um zum 1:1 in die Maschen zu köpfen. Dabei zählt Knaak ja nun weder zu den größten noch zu den kopfballstärksten Spielerinnen der Liga…

Es war die erste gute Chance für Leverkusen bisher gewesen, die zu diesem Ausgleich führte. Doch nun drehte der FFC wieder auf. Meike Weber spielte von links einen Ball genau in den Fuß von Marozsan, die ganz stark zum 2:1 abschloss. Marozsan zeigte nun, wieso sie bei der U20-WM zur besten Spielerin des Turniers gewählt worden war, und kam zwei Minuten später wieder zum Schuss, doch Anna Klink, für die verletzte Lisa Schmitz im Tor von Leverkusen, hielt gut. Marozsan war nun die bei weitem auffälligste Spielerin des FFC, schoss einmal über das Tor, bekam dann von Melanie Behringer einen Ball fein durch die gegnerischen Reihen durchgesteckt, spitzelte das Leder in Bedrängnis an ihren Gegenspielerinnen vorbei, doch der Ball kullerte um wenige Zentimeter am Pfosten vorbei. Doch auch Kim Kulig kam zu einer Kopfballchance, von Peter gut angespielt, doch sie traf nur das Außennetz. Auf der anderen Seite gab es für Nadine Angerer wenig zu tun, einmal jedoch donnerte Eunice Beckmann den Ball von der Strafraumgrenze so hart auf ihr Tor, dass sie ihn um gut zwei Meter abprallen lassen musste, was jedoch keine Gefahr brachte.

Mit dem 2:1 ging es dann in die Halbzeitpause, und nach Wiederanpfiff stürmte der FFC weiter nach vorne. Behringer brachte einen Eckstoß nah vor das Tor, Kulig nutzte die Verwirrung in der Leverkusener Abwehr und erhöhte auf 3:1. Doch damit war das Spiel nicht entschieden, denn Leverkusen, meiner Meinung nach in dieser Form keinesfalls ein Abstiegskandidat, gab nicht auf und hatte in Beckmann eine starke Stürmerin, die die FFC-Innenverteidigung im Strafraum aussteigen ließ. Ihre Flanke verpasste zwar eine Sturmkollegin, die freie Bahn zum Tor gehabt hätte, doch Isabelle Linden kam an den Ball und wurde von Kerstin Garefrekes von hinten gestört. Linden fiel, Schiedsrichterin Nathalie Eisenhardt entschied auf Elfmeter. Diesen verwandelte Ramona Petzelberger zum 3:2. Und Leverkusen hätte sogar ausgleichen können: Ein Freistoß seitlich am Strafraum wurde von Susanne Kasperczyk halbhoch herein gegeben, beinahe wäre Marith Prießen, die unverständlich frei stand, mit dem Kopf heran gekommen.

Dann ein schneller Konter des FFC, Marozsan steil auf Wich, doch Keeperin Klink kam gerade noch dazwischen. Die inzwischen eingewechselte Lira Bajramaj traf nach einem schnellen Antritt das Außennetz des Leverkuser Tors. Bajramaj leitete dann auch das entscheidende 4:2 ein, indem sie sich ganz stark auf der linken Seite durchsetzte und Garefrekes anspielte, die mit Wucht unter die Latte vollenden konnte. Wenig später Marozsan stark an einer Gegenspielerin vorbei, Zuspiel auf Wich, doch die vergab. Wich wurde dann in der 86. Minute unter großem Beifall des Publikums ausgewechselt. Sie hatte eine starke Partie gespielt, nicht nur ihr Tor war aller Ehren wert, vor allem der hohe kämpferische Einsatz, mit dem sie als Stürmerin viele Bälle erobern konnte, fand die Gunst der Zuschauer. Die für sie eingewechselte Bretigny brauchte dann aber auch nur zwei Minuten bis zur ersten Großchance, hier hatte sie aber Pech, dass ihr harter Schuss noch zur Ecke abgelenkt werden konnte.

 

Insgesamt war es ein gutes Bundesligaspiel, in dem der FFC etwas lockerer wirkte als zuletzt gesehen. Doch die Härteprobe wird am kommenden Sonntag in Potsdam abgelegt werden müssen.

In der Pressekonferenz wurde Dahm von Manager Siegfried Dietrich als „unser sogenannter Interimstrainer“ vorgestellt. Eine Formulierung, die deutlich macht, dass es bei Erfolgen durchaus auch unter Dahm weiter gehen kann.

 

Stimmen zum Spiel:

 

Thomas Obliers, der Trainer von Leverkusen, machte seiner Mannschaft ein Kompliment für ein gutes Spiel. In der ersten Halbzeit sei sein Team vielleicht etwas zu ängstlich gewesen, in der zweiten Hälfte dann aber gut in die Zweikämpfe gegangen. Er sah sein Team als gute, homogene Truppe, die sich nie aufgegeben habe. „Hätten wir die Chance zum 3:3 genutzt, hätten wir sogar gewinnen können“. Doch wenn man sehe, wie der FFC mehrere Nationalspielerinnen auf der Ersatzbank sitzen habe, dann sei klar, dass das nicht die Messlatte für Leverkusen sein könne.

Philip Dahm in seiner ersten Pressekonferenz als Chefcoach des FFC: „Leverkusen war erwartet stark, von Thomas Obliers gut eingestellt. Wir haben es aber geschafft, auf den Platz zu bringen, was wir auf den Platz bringen wollten. Wir wollten Druck gegen den Ball machen, den Ball sofort wieder erobern. Das hat geklappt, und das wollen wir gegen Potsdam auch bringen. Wenn wir auf der Basis von heute aufbauen, dann werden wir uns Stück für Stück weiter entwickeln. Leverkusen hat aus dem Spiel heraus in der ersten Halbzeit nicht eine Chance gehabt“.

Obliers erntete dann noch lauten Beifall aus dem Saal, als er die Leistung der Schiedsrichterin kritisierte und den DFB aufforderte, in Punkto Schiedsrichterinnenschulung aktiver zu werden. Ich muss sagen, auch mir waren viele Entscheidungen an diesem Tag unverständlich. In vielen Situationen habe ich es anders gesehen, wobei die Entscheidungen nicht parteiisch waren, sondern einfach nur wirr, mal in der einen, mal in der anderen Richtung. Besonders teile ich die Meinung von Obliers, dass zu oft gegen Wich gepfiffen wurde. „Die musste nur husten, dann pfiff die Schiri schon gegen sie“, brachte es Obliers auf den Punkt, der damit belegen wollte, dass Eisenhardt tendenziell die Spielerinnen benachteiligt habe, die nicht zur Nationalelf gehören. Da war was dran, ganz klar, und ich hoffe sehr, dass Eisenhardt die Gelegenheit bekommen wird, sich Videoaufzeichnungen von dem Spiel noch einmal in Ruhe anzusehen.

 

1. FFC Frankfurt:

Angerer – Krieger, Schmidt, Peter, Weber – Garefrekes, Kulig, Laudehr (67. Smisek), Behringer (61. Bajramaj) – Marozsan, Wich (86. Bretigny)

 

Bayer 04 Leverkusen:

Klenk – Kasperczyk, Ewers, Prießen, Kerschowski – Beckmann, Hendrich, Götte (71. Dej), Linden (81. Barth) – Petzelberger, Knaak

 

Tore:

1:0 Wich (5.)

1:1 Knaak (20.)

2:1 Marozsan (24.)

3:1 Kulig (48.)

3:2 Petzelberger (55., FE)

4:2 Garefrekes (82.)

 

Gelbe Karten:

Kulig, Weber, Garefrekes / Dej

 

Schiedsrichterin: Nathalie Eisenhardt (Holzgerlingen) mit Silke Fritz und Daniela Schmaderer

Zuschauer: 2120