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Okt 01 2012

1. Bundesliga, 4. Spieltag: Unschönes Ende in Potsdam bringt Frankfurt die Tabellenführung

1. FFC Turbine Potsdam – 1. FFC Frankfurt 1:2 (0:0)

Text von Marion Kehren, Fotos von Julia Neuber-Albert

Das Spitzenspiel in der Frauenbundesliga zwischen Potsdam und Frankfurt entwickelte sich zu einer intensiv geführten Partie, die allerdings in der 88. Spielminute ein jähes Ende fand. Binnen weniger Minuten wurde das Spiel zur völligen Nebensache.

Stefanie Mirlach

Das jähe Ende eines spannenden und rasanten Spitzenspiels in der 88. Minute. Alex Singer, die mit Stefanie Mirlach per Kopf zusammen gestoßen ist, wird auf der Trage vom Platz getragen.

Genoveva Anonma, Silvia Neid, Margit StoppaDoch bevor das Spiel von der Unparteiischen Riem Hussein angepfiffen wurde, erhielt zunächst einmal Genoveva Anonma die Torjägerkrone des Sportmagazins “Kicker”. Die stark geschwächten Potsdamerinnen, die während der Woche ihr Hinspiel in der Champions League gegen Standard Lüttich gewonnen hatten, konnten zum Glück auf den Einsatz der wieder genesenen Keelin Winters bauen. Auch die an der Hand operierte Lisa Evans nahm, zur Überraschung vieler, auf der Ersatzbank Platz. Unterdessen konnte Frankfurt mit Interimstrainer Philipp Dahm aus dem Vollen schöpfen. Lediglich Simone Laudehr musste aufgrund eines Magen-Darm-Virus pausieren.

Vor einer stattlichen Kulisse von 4.120 Zuschauern entwickelte sich rasch eine rasante Partie. Bereits nach sieben Minuten musste Turbinencoach Bernd Schröder, verletzungsbedingt, Antonia Göransson auswechseln. Für sie kam Lisa Evans ins Spiel, die sich erst am vergangenen Wochenende, im Spiel gegen Duisburg, den Speichenknochen gebrochen hatte. Zahlreiche Tormöglichkeiten auf beiden Seiten prägten die erste Halbzeit, nur ein Treffer der wollte nicht fallen. Dies änderte sich allerdings in der 59. Minute, als Kerstin Garefrekes mustergültig von Sandra Smisek bedient wurde und das Leder aus kürzester Distanz einnetzte.  Potsdam steckte nicht auf und glich knappe 10 Minuten später, durch die Japanerin Yuki Ogimi, nach einem Freistoß von Mittelfeldakteurin Patricia Hanebeck,  zum viel umjubelten 1:1 aus. Weitere Cancen u.a. durch Svenja Huth und Natasa Andonova fanden das erhoffte Ziel nicht.

Die Schlussminuten hatten es jedoch in sich. Zuerst prallten Alex Singer und Stefanie Mirlach, bei einem Klärungsversuch, so unglücklich zusammen, dass beide Spielerinnen minutenlang auf dem Rasen behandelt werden mussten. Beide medizinischen Teams aus Frankfurt und Potsdam versuchten ihr bestmögliches, um die  Spielerinnen sofort zu versorgen. Bei Singer, die bewusstlos am Boden lag, schien die Situation äußerst kritisch. Gott sei Dank bestätigten sich später die größten Befürchtungen eines Schädelbruchs nicht. Mirlach trug eine 10 cm große Platzwunde davon, die im Krankenhaus genäht werden musste.

Riem HusseinTrotz eines gellenden Pfeifkonzertes und der Forderung nach Abpfiff, pfiff die Unparteiische die Partie regelkonform wieder an. Da Potsdam sein Wechselkontingent bereits ausgeschöpft hatte, mussten die Brandenburgerinnen die Partie zu neunt über die Bühne bringen. Es war nicht schwer zu übersehen, dass die Turbinen sich nicht mehr auf das Spiel konzentrieren konnten, zu tief saß der Schock über das gerade Gesehene. Just in dieser unsicheren Phase erzielte ausgerechnet Ex-Potsdamerin Lira Bajramaj, nach Vorarbeit von Ana-Maria Crnogorcevic, den unrühmlichen Frankfurter Siegtreffer zum 1:2 … den aber keine der Hessinnen zu feiern wagte. Kurz danach musste auch Bajramaj mit einer schweren Verletzung ins Krankenhaus gebracht werden. In einem Zweikampf mit Tabea Kemme bleib die Nationalspielerin mit dem rechten Fuß im Rasen hängen und verdreht sich völlig das Knie – Verdacht auf Kreuzbandriss!

In der später durchgeführten Pressekonferenz wollte sich Frankfurt Trainer Philpp Dahm erst gar nicht äußern und plädierte darauf, das eben Geschehene erst einmal zu verarbeiten. Bernd Schröder unterdessen redete Klartext:” Es geht nicht um drei Punkte oder den Sieg, sondern um die Sache des Frauenfußballs. Wir wollen uns vom Männerfußball abgrenzen, durch die Ereignisse in der Schlussphase hat nicht Turbine, sondern der Frauenfußball in seiner Gesamtheit verloren. Die Rivalität zwischen den beiden Fanlagern wird mit Sicherheit noch größer werden. Die Abstimmung zwischen beiden Vereinen über den Fortgang des Spiels nach diesen Ereignissen hat eindeutig gefehlt und hätte besser sein können. “

Sandra Smisek, Stefanie DrwasAlex Singer, Dzenifer MaroszanFanhumorLira Bajramaj, Tabea KemmeAlex SingerLira BajramajBernd SchröderSchockstarre

1. FFC Potsdam:

Naeher – Singer, Draws, Kemme, Göransson (7. Evans), Winters, Doorsoun-Khajeh, Hanebeck, Cramer (67. Mirlach), Ogimi, Anonma (61. Natasa Andonova)

1. FFC Frankfurt:

Angerer – Krieger, Schmidt, Bartusiak, Peter, Behringer (46. Bajramaj), Marozsán, Kulig, Garefrekes, Wich (67. Huth), Smisek (77. Crnogorcevic)

Tore:

0:1 Garefrekes (59.)

1:1 Ogimi (71.)

1:2 Bajramaj (90.+2)

Gelbe Karten:

- / Kulig, Smisek

Schiedsrichterinnen:

Riem Hussein (Bad Harzburg) mit Mirka Derlin und Imke Lohmeyer

Zuschauer:

4.120