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Okt 04 2012

1. Bundesliga, 5. Spieltag: Toreschießen verlernt

1.  FFC Frankfurt – FSV Gütersloh 1:1 (1:0)

 

 

Text von Tom Schlimme, Bilder von Herbert Heid

 In einem Spiel, wie es die Fans des 1. FFC Frankfurt im Stadion am Brentanobad in dieser Art schon viel zu oft gesehen haben, gewann der Aufsteiger FSV Gütersloh gegen den fast nur mit aktuellen oder ehemaligen Nationalspielerinnen besetzten Favoriten einen wichtigen Punkt im Abstiegskampf. Wieder einmal vergaben die Frankfurter Spielerinnen bei drückender Überlegenheit eine Unzahl an klaren Torchancen, wieder einmal reichte dann dem Gegner eine Chance im Spiel für ein Tor.

 

Zugenageltes Tor: Sandra Bretigny (rechts) und Saki Kumagai bekommen den Ball nicht nur in dieser Szene nicht an Güterslohs Keeperin Tessa Rinkes vorbei. Das Tor von Bretigny in der 17. Minute war letztlich zu wenig für den 1. FFC Frankfurt.

 

 Die Frankfurter Verantwortlichen zählten nach dem Spiel 15 Chancen zusammen, aus denen nur ein einziges Tor hervor ging, in der 17. Minute erzielt durch Sandrine Bretigny aus dem Gewühl heraus. Die Französin machte ein gutes Spiel, traf später noch per Kopf die Latte und hatte Pech, dass Marina Hermes für ihre schon geschlagene Keeperin Tessa Rinkes den Schuss von Bretigny noch von der Linie kratzen konnte. Ansonsten konnte Rinkes sich mit einigen Glanzparaden auszeichnen und brachte nicht zuletzt Bretigny mit ihren Aktionen an den Rand der Verzweiflung.

Auch Kerstin Garefrekes traf in der zweiten Halbzeit einmal den Pfosten, und auch bei Chancen von Dzsenifer Marozsan, Melanie Behringer und Jessica Wich hätte es eigentlich im Gütersloher Tor klingeln müssen. Also, 15 Chancen bei drückender Überlegenheit, bei dieser Einschätzung kann ich den FFC-Verantwortlichen Recht geben. Wo ich widersprechen möchte, ist die These, dass diese miese Chancenausbeute einfach Pech ist, wie man es im Fußball immer mal hat. Nein, in dieser Häufung, wie man das seit einer gefühlten Ewigkeit beim FFC beobachten kann, ist das kein Pech mehr. „Die Tabelle lügt nicht“, sagte einmal ein großer Fußballtrainer. Die Tabelle sagt, dass der 1. FFC Frankfurt nach fünf Spieltagen ein Torverhältnis von 10:8 erzielt hat. Dabei hatte man mit Jena, Leverkusen und Gütersloh schon drei Gegner, die als Abstiegskandidaten gehandelt werden. Die großen Konkurrenten im Kampf um die Meisterschaft haben 14:3 Tore (Potsdam, drei Spiele) und 9:0 Tore (Wolfsburg, zwei Spiele) vorzuweisen.

Irgendetwas macht man falsch beim 1. FFC Frankfurt, und zwar schon lange, denn das Problem existiert schon länger. Man muss auch die Frage stellen, ob die Mannschaft richtig zusammen gestellt wurde. Da hat man ein mit vielen Nationalspielerinnen überdicht besetztes Mittelfeld, in dem drei Spielerinnen auf dem linken Flügel spielen können (Lira Bajramaj, Melanie Behringer, Svenja Huth), aber vorne im Sturm fehlt es an vergleichbarer Qualität. Bretigny konnte sich zuletzt bei Lyon nicht mehr durchsetzen, Marozsan ist eine gute Vorbereiterin, deren Rolle viele etwas hinter den Spitzen sehen, aber nicht die durchschlagskräftige Stürmerin, die dem Verein fehlt. Wich und Ana-Maria Crnogorcevic sind ordentliche Stürmerinnen, aber auch in ihren früheren Vereinen nicht durch ein Übermaß an Torgefahr aufgefallen. Es ist bekannt, dass Manager Siegfried Dietrich sich sehr intensiv um eine herausragende Stürmerin bemüht hat, vor einem Jahr in dem vergeblichen Versuch, Birgit Prinz noch zu einem weiteren Jahr zu überreden, dieses Mal im Werben um Celia Okoyino da Mbabi, die aber letztlich dann doch ihren Vertrag in Bad Neuenahr erfüllen wird. Gute Stürmerinnen sind rar, aber wenn man keine hat, dann hat man eben ein Problem.

Ein Problem hat der 1. FFC Frankfurt aber auch in der Abwehr, und dies ist angesichts der guten Namen dort überhaupt nicht mehr zu verstehen. Im Prinzip steht hier eine Nationalverteidigung, die in dieser Zusammensetzung auch Länderspiele bestreiten könnte. Doch von Sicherheit keine Spur. Gütersloh kam im ganzen Spiel nur zu einem einzigen Eckstoß, und nicht mal den kann diese Abwehr erfolgreich verteidigen. Überhaupt, von den acht Gegentoren fielen fünf aus Standardsituationen: Aus Eckstößen gegen Jena, Leverkusen und eben Gütersloh, nach Freistößen gegen Potsdam und Essen. Nicht ein einziges mal in dieser Saison hat diese Abwehr zu Null gespielt!

Ich kann den Trainern keinen Rat geben, ich habe keinen Trainerschein. Aber wer glaubt, hier sei nur Pech im Spiel, verkennt die Realität. Wenn es nicht gelingt, die Fehler zu finden und Dinge zu ändern, wird der 1. FFC Frankfurt weiter von diesem sogenannten Pech verfolgt werden.

Nun bitte ich um Entschuldigung an diejenigen, die auch etwas über den FSV Gütersloh in diesem Artikel lesen wollten. Die Situation in Frankfurt erforderte in meinen Augen einfach mal eine deutlichere Beschreibung nach vielen Spielberichten, in denen ich vor allem den Hergang des Geschehens geschildert hatte. Ich habe den FSV Gütersloh zum ersten Mal überhaupt gesehen und sah die Mannschaft gegen den starken Gegner sehr defensiv eingestellt, so dass ich die Spielstärke noch nicht beurteilen möchte. Auffällig war aber auf jeden Fall ein guter Zusammenhalt in der Mannschaft, hohe Laufbereitschaft, gute Kondition, eine starke Keeperin, und dann möchte ich auch den Trainer positiv hervor heben. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich in die Situation kommen würde, kurz vor Schluss in Frankfurt zwei offensive Kräfte einzuwechseln, um noch mal auf Angriff zu spielen“, berichtete Trainer Markus Graskamp hinterher in der Pressekonferenz. Graskamp roch die Chance seines Teams, begnügte sich nicht mit dem achtbaren Halten eines Ergebnisses, das für den Aufsteiger in Frankfurt auch schon aller Ehren wert gewesen wäre, sondern schickte seine Spielerinnen in der Schlussphase mutig nach vorne. Dieser Mut wurde belohnt!

 

1. FFC Frankfurt:

Schumann – Schmidt, Kumagai, Bartusiak, Peter – Garefrekes, Smisek (71. Crnogorcevic), Kulig, Behringer (80. Huth) – Marozsan, Bretigny (60. Wich)

FSV Gütersloh 2009:

Rinkes – Bröckl (81. Philip)), Bentkämper, Claassen, Barwinsky – Schmücker (71. Widowski), van Bonn, Hermes (81. Granz), Wallenhorst – Gessat – Pollmann

 

Tore:

1:0 Bretigny (17.)

1:1 Wallenhorst (89.)

 

Gelbe Karten: Keine

 

Schiedsrichterin: Angelika Söder (Schwarzenbruck) mit Annette Raith und Kristina Hofbauer

 

Zuschauer: 2380

 

 

 

 

 

 

 

 

Weitere Bilder vom Spiel unter www.girlsplay.de