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Okt 10 2012

DFB-Pokal, 2. Hauptrunde: Herforder Sieg im OWL-Derby!

Herforder SV – FSV Gütersloh 3:1 (1:0)

 

Text und Bilder von Ralf Dauksch

Für die zweite Hauptrunde im DFB-Pokal hat Tina Theune das Ostwestfalenderby zwischen dem Herforder SV und dem FSV Gütersloh gelost. Für beide Teams war das natürlich ein Traumlos, zahlreiche Spielerinnen spielten schon für den jeweiligen Gegner, auch für viele Fans ist so ein Spiel das Saisonhighlight. Beide Mannschaften standen sich zuletzt in der Saisonvorbereitung gegenüber, damals gewann der FSV in einer ausgeglichenen Partie knapp mit 1:0. Diesmal sollte keiner Gütersloher Spielerin ein Tor im Ludwig-Jahn-Stadion gelingen…

 

Anna Laue (rechts, Nr. 8) trifft zum 2:1 gegen ihren ehemaligen Verein

 

Das erste Ausrufezeichen setzten die Gastgeberinnen schon früh, Giustina Ronzetti setzte sich auf der rechten Seite durch und passte quer auf die mitgelaufene Lena Schulte, die das Tor nur knapp verfehlte. Im zweiten Anlauf ließ Ronzetti Nina Claassen stehen und kam selber zum Abschluss, aber erneut war das Tor ein paar Millimeter zu klein. Auch Gütersloh hatte eine Riesenchance zur Führung, eingeleitet durch Angelika Widowski. Ihren Pass flankte Anne van Bonn in den Fünfmeterraum, Maren Wallenhorst musste nur noch einschieben, rutschte aber am Ball vorbei. Die tonangebende Mannschaft war hier überraschend der Zweiligist, der den Gegner früh störte und selber immer wieder nah an den Gütersloher Strafraum vorstieß, es fehlte aber Zählbares. Auch von Standards ging eine gewisse Gefahr aus. Ein Freistoß von Anna Laue aus 25 Metern strich nur knapp über das Tor. Es dauerte bis zur 24. Minute, ehe der Ball zum ersten Mal im Netz zappelte. Nach einem Eckstoß von Lena Schulte köpfte Lena Wermelt das Runde ins Eckige und ließ der früheren Herforderin Tessa Rinkes im Gütersloher Tor keine Chance. Nach der Führung machten die Gastgeberinnen weiter das Spiel, eine weitere Ecke von Lena Schulte wurde abgeblockt, Anna Laue bekam den Ball an der Strafraumgrenze und zog ab, konnte aber Tessa Rinkes nicht überwinden. Die Gütersloher Schlussfrau gewann auch das nächste Duell mit der Herforderin, die sich das Leder etwas zu weit vorgelegt hatte, so dass die herauslaufende Rinkes einen Torschuss verhindern konnte. Es ging mit einer knappen, aber verdienten 1:0-Führung in die Kabinen.

 

In der Pause hatte Markus Graskamp gewechselt. Die U20-Weltmeisterin von 2010, Kristina Gessat, verließ den Platz, für sie kam Rebecca Granz ins Spiel. Es änderte sich aber zunächst nichts. Nur wenige Sekunden nach dem Wiederanpfiff flankte Giustina Ronzetti auf Lena Schulte, die sich den Ball allerdings ein bisschen zu weit vorgelegt hatte, so dass ein Gütersloher Fuß einen Torschuss verhindern konnte. Die nächste Angriffswelle ließ nicht lange auf sich warten, die blitzschnelle Giustina Ronzetti ließ die gesamte Gütersloher Hintermannschaft alt aussehen, umkurvte Tessa Rinkes und … schoss nicht, sondern legte sich den Ball auf den anderen Fuß, sodass Rinkes ihr im Liegen mit einer großartigen Reaktion das Spielgerät wegschnappen konnte. Der FSV meldete sich mit einer Standard-Situation zurück. Lena Wermelt versuchte einen Freistoß von Anne van Bonn aus gut 20 Metern Torentfernung wegzuköpfen, erwischte den Ball jedoch nicht richtig, sondern hob diesen über die nach ihrem Kreuzbandriss wiedergenesene Friederike Abt unhaltbar ins eigene Tor. Die Hoffnungen oder Befürchtungen, dass durch den Ausgleich das Spiel kippen könnte, erfüllten sich nicht. Auch wenn Gütersloh jetzt etwas präsenter war, blieb der HSV die bessere Mannschaft und untermauerte dies mit der erneuten Führung. Nach schöner Vorarbeit von Giustina Ronzetti gelang Anna Laue ein Tor gegen ihren Ex-Verein. Jürgen Prüfer entschied sich daraufhin, die offensive Isabelle Knipp durch Lisa Lösch zu ersetzten, um die Abwehr zu verstärken, trotzdem lief das Herforder Spiel weiter nach vorne. Ein langer Pass von Lena Wermelt über das halbe Spielfeld hinweg erreichte Anna Laue, die frei vorm Tor zum Abschluss kam. Tessa Rinkes konnte sich allerdings langmachen und den Ball mit den Fingerspitzen zur Ecke klären. In den letzten 20 Minuten wachten die Gäste langsam auf, Leonie Bentkämper kam kurz vor der Eckfahne zur Flanke, aber Anne van Bonns Torschuss stellte Friederike Abt vor nicht allzu große Probleme. Größere Gefahr bestand dagegen nach einem Eckstoß von Maren Wallenhorst, der aus dem Getümmel aufs Tor verlängert wurde, aber die eigentliche Stürmerin Kirsten Nesse stand auf der Linie goldrichtig und konnte das 2:2 verhindern. Eine Flanke der früheren Herforderin Franziska Bröckl brachte auch nicht das erhoffte Resultat, denn Friederike Abt konnte den Ball vor der bereitstehenden Maren Wallenhorst hinunterpflücken. Genau in diese massive Druckphase der Gäste erwischte die Niederländerin Jennifer Voss den Ball nach einem Befreiungsschlag und startete zu einem langen Sololauf, den sie mit dem Treffer zum 3:1 abschließen konnte, das Spiel war entschieden. In den letzten zehn Minuten passierte nicht mehr viel, beide Teams schienen sich mit dem Ergebnis abgefunden zu haben, die Sensation war perfekt: der Herforder SV warf den FSV Gütersloh aus dem DFB-Pokal und beendete so den Höhenflug des derzeitigen Zweitplatzierten der Fußball-Bundesliga.

 

Während man in Herford den Sieg gegen den Rivalen aus dem Nachbarkreis und das damit verbundene Erreichen des Achtelfinales feiert, suchte der FSV Gütersloh nach den Ursachen der Niederlage. Neben dem Mittwoch-Spiel in Frankfurt, dass den Spielerinnen noch in den Knochen stecke und der Fokussierung auf die Bundesliga, wurden auch immer wieder die –sicherlich nicht perfekten- Platzverhältnisse genannt, womit allerdings beide Mannschaften zurecht kommen mussten. Die Schlussoffensive kam einfach etwas zu spät und gegen die sehr sicher stehende Herforder Abwehr um Lena Göllner und Lena Wermelt konnte man kein wirksames Mittel finden.

 

 

Herforder SV: Abt – Hackmann, Göllner, Wermelt, Sjöman – Voss, Lenz (84. Schaaf), Knipp (66. Lösch), Schulte (59. Nesse) – Laue, Ronzetti

 

FSV Gütersloh: Rinkes – Bentkämper, Claassen, Barwinsky, Bröckl (81. Philipp) – Gessat (Granz), Hermes, Dünker, van Bonn, Widowski (68. Schmücker) – Wallenhorst

 

Tore:

1:0 Lena Wermelt (24.)

1:1 Lena Wermelt (51., Eigentor)

2:1 Anna Laue (60.)

3:1 Jennifer Voss (83.)

 

Gelbe Karten: Ronzetti, Voss / -

 

Schiedsrichter: Marina Wozniak (Herne) mit Annika Paszehr und Sandra Föhrdes

 

Zuschauer: 542