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Okt 13 2012

DFB-Pokal, 2. Hauptrunde: Kinderspiel

FFC Oldesloe – 1.FC Lokomotive Leipzig 0:5 (0:4)

Text und Bilder von Fuxi

In der 2. Runde des DFB-Pokals gastierte Bundesliga-Absteiger Lok Leipzig im Bad Oldesloer Kurpark. In der Liga trennen beide Teams nicht viele Zähler, in Wahrheit aber Welten, wie das Pokalspiel aufzeigte.

Angelina Lübcke war im Leipziger Mittelfeld Dreh- und Angelpunkt. Hier leitet sie das 0:1 ein, FFC-Verteidigerin Svenja Fritz kommt zu spät.

Die Statistik war eindeutig: Lok Leipzig hatte in Bad Oldesloe noch nie verloren, nur ein einziges Mal unentschieden gespielt. In eigenem Stadion war dem FFC Oldesloe in den vier Partien gegen die Sächsinnen noch nicht einmal ein Treffer gelungen, den Lok-Frauen dagegen satte acht. Die beiden Siege des FFC gab es in Leipzig. In der Tabelle sah das nicht ganz so eindeutig aus: Lok war zwar Fünfter und Oldesloe Letzter, dazwischen lagen nach dem Oldesloer 2:1 gegen Turbine Potsdam II. und der Leipziger Niederlage in Meppen aber nur noch vier Punkte. Das versprach ein spannendes und interessantes Pokalspiel.

Es wurde alles andere als das. Lok Leipzig war von Beginn an spielbestimmend und drängte die Gastgeberinnen in die Verteidigung. Folgerichtig stand nach sechs Minuten bereits die Führung der Gäste: Nach einem schlechten Abschlag der wieder ins Team gerückten Torhüterin Jennifer Weber war FFC-Nachwuchs Gianna Nicoleit beim Pass von Angelina Lübcke nach außen zu Christina Nauesse nicht auf der Höhe des Geschehens, zwei Leipzigerinnen verpassten die Hereingabe von rechts, doch am zweiten Pfosten schob Gabriella Tóth ins kurze Eck ein. Lok versuchte daran anzuknüpfen. Sie waren giftiger in den Duellen, störten früh und unterbanden so Ansätze des Spielaufbaus der Stormarnerinnen, den man jedoch auch so kaum als geordnet bezeichnen konnte. Auch verarbeitungsfähige lange Bälle auf die einzige Spitze, Gaitana Lippert, kamen nicht an. Das machte es den Leipzigerinnen leicht. Nachdem Lübcke aus 25 Metern über die Latte gezielt hatte, bestand die einzige Oldesloer Szene im gegnerischen Strafraum aus einem Kopfball von Franziska Hilmer, der allerdings so wenig Kraft hatte, dass er auch ohne Eingreifen der Keeperin Sandra Schumann noch vor der Torlinie verhungert wäre (15.).

Wie man es macht, zeigte Lok Leipzig in der 17. Minute: Nauesse schickte die aufgerückte Rechtsverteidigerin Katharina Freitag auf dem Flügel steil. Hilmer konnte nicht mithalten, Freitag flankte aus dem Halbfeld, Weber stoppte das Herauslaufen und stand schließlich bei Ebermanns Direktabnahme ins kurze Eck machtlos im Niemandsland – 0:2. Vorausgegangen war ein Fehlpass von Kristin Engel in der Leipziger Hälfte, symptomatisch für das Oldesloer Spiel, das über die gesamten 90 Minuten keine Kombination mit zweistelliger Zahl an ununterbrochenen Ballkontakten produzierte. Keine drei Minuten später legte Nicoleit Nauesse vor dem Strafraum. Den fälligen Freistoß aus 18 Metern kloppte Anna Green aus 18 Metern mittig über die Hand von Weber hinweg ins Netz und sorgte spätestens nach zwanzig Minuten für die Entscheidung. Den hilflos wirkenden Stormarnerinnen drohte ein bitteres Debakel.

Es spielten weiterhin nur die Sächsinnen. Als Weber an einer Green-Ecke vorbei stolperte, verpasste Nauesse das 0:4, und nach einem schnellen Konter über Ebermann und Lübcke machte es Tóth auch nicht besser, schlenzte über den Kasten (24.). Nach einem Freistoß von Lübcke knapp über das rechte Eck in der 27. Minute kehrte etwas Ruhe ein. Leipzig ließ nach, behielt aber seine geschätzt 65 Prozent Ballbesitz und 70 Prozent gewonnene Zweikämpfe. Oldesloe war kein Gegner, sondern Opfer. Die Gastgeberinnen leisteten sich haarsträubende Fehler, spielten ohne Elan und ließen sich mit spielerischer Leichtigkeit überwinden. Die Handlungsgeschwindigkeit der Gäste war ihnen viel zu hoch, vor allem bei Staffetten mit jeweils nur einem Ballkontakt, und dagegen fanden die teils zu zierlichen, teils zu unbeweglichen Oldesloerinnen kein Mittel.

Bis zur Pause gab es noch zwei Torszenen. In der 37. Minute steckte Marie-Luise Herrmann auf Tóth durch, die legte an Weber vorbei zurück, und Lübcke brauchte gegen ihre ehemalige Teamkollegin aus HSV-Zeiten nur zum 0:4 einschieben. Kurz vor der Pause schlenzte dann noch Erika Szuh knapp drüber. Der Halbzeitstand war auch in der Höhe vollkommen verdient. Oldesloe präsentierte sich erschreckend schwach, fand nie einen Zugang zum Spiel und ließ Lok Räume, von denen mancher Kreisligist zu träumen wagt. Defensiv waren sie völlig überfordert, insbesondere Nicoleit, Hilmer und Pajonk, aber auch der Torhüterin Weber sah man nicht an, dass sie vor eineinhalb Jahren noch beim Zweitligameister Stammkeeperin war. Zwischen beiden Teams lagen spielerisch mindestens zwei Klassen Unterschied. Leipzig legte die Defizite in der Stormarner Spielanlage gnadenlos offen.

Zur zweiten Hälfte kam mit Martha Thomaschewski für Innenverteidigerin Svenja Fritz eine zweite Stürmerin, dafür rückte Vanessa Hamed aus dem Mittelfeld in die Viererkette. Und zunächst flackerte der FFC Oldesloe auf, doch nach fünf Minuten übernahm Lok wieder das Geschehen. Nach einem Freistoß von Green traf Ebermann in der 50. Minute aus spitzem Winkel das Außennetz. Die nächste Chance hatte Nauesse, als sie in eine Halbfeldflanke Greens flog, ihre Direktabnahme jedoch links am Tor vorbei setzte (56.). Die rechte Mittelfeldspielerin sorgte weiter für Dampf: Lübcke spielte ihr den Ball rechts in den Lauf, aus dem heraus sie Nicoleit überrannte und dann zurücklegte. Doch das Zuspiel war zu ungenau für Ebermann, und Weber konnte es aufnehmen (62.).

Danach verflachte die Partie deutlich. Beim FFC Oldesloe war das Bemühen erkennbar. Sie waren im zweiten Abschnitt etwas mutiger, nahmen am Spiel teil, blieben aber mehr als harmlos. Lok Leipzig tat nicht mehr als nötig, spielte die Angriffe nicht zuende. Daraus entstand ein fast zwanzigminütiger Leerlauf vor den Toren, und das Geschehen spielte sich zwischen den Strafräumen ab. Für die Zuschauer war es kein ansehnliches Spiel mehr, zumal Oldesloe trotz mehr Spielanteilen die Ideen fehlten, um selbst diese freundliche Einladung in handfeste Tormöglichkeiten zu verwandeln. Es war schon bezeichnend, dass sich der Stadionsprecher nicht nur bei den 105 Zuschauern für ihr Kommen bedankte, sondern sich auch für die Leistung der Mannschaft entschuldigte und auf das bessere Wetter verweisen musste, um diesem Vormittag überhaupt etwas Positives abgewinnen zu können. Diese Ansage folgte in kurzem Abstand zum 0:5 durch die vier Minuten zuvor eingewechselte Florin Wagner, die sich in der 80. Minute ein Herz fasste und aus 30 Metern abzog. Der Ball senkte sich hinter Weber in die Maschen.

Und wie sahen Oldesloer Angriffe gegen Leipzigerinnen im Schongang aus? Pajonk bediente rechts Thomaschewski mit einem langen Ball. Die Stürmerin setzte sich gegen Green durch und passte quer, und in der Mitte säbelte die eingewechselte Janine Gauer über das Spielgerät. Die letzte Möglichkeit hatte Lok, als Christin Janitzki rechts einen langen Ball von Lysann Schneider erlief und die Oldesloer Abwehr hinter sich ließ, aus halbrechter Position jedoch vorbei schoss (87.).

Halbzeit- und Endergebnis gaben das Spielgeschehen treffend wieder. Schlüssel für diesen klaren Sieg der Leipzigerinnen waren die Impulse aus dem Mittelfeld und das schnelle Umschalten zwischen Abwehr und Angriff. Der Ball lief nach Belieben durch ihre Reihen. Sie waren dem Tabellenletzten in allen Belangen mindestens eine Klasse überlegen. Der Gastgeber hingegen präsentierte sich als blasser Abklatsch früherer FFC-Mannschaften. Obwohl Leipzig in der zweiten Hälfte nicht mehr als Auslaufen mit Ball praktizierte, war es Oldesloe nicht möglich, einen ernsthaften Torschuss in den 90 Minuten abzugeben. Auch wenn man berücksichtigen muss, dass Spielerinnen wie Julia Weigel und Maja Schubert fehlten und dass das gescheiterte Experiment mit dem VfB Lübeck sowohl in der Zuschauerzahl (diesjähriger Schnitt 90 Zuschauer im Gegensatz zu über 140 in den Vorsaisons) als auch hinsichtlich der Attraktivität bei der Kaderzusammenstellung deutliche Spuren hinterlassen hat, bleibt doch eine Erkenntnis: Angesichts des zweiten Abstiegskampfes in Folge und des blutleeren Auftritts in diesem Sechzehntelfinale stellt sich unweigerlich, wenn auch nicht öffentlich, die Trainerfrage.

 

 

FFC Oldesloe 2000:
Weber – Nicoleit, Hilmer, Fritz (46. Thomaschewski), Pajonk – Engel, Hamed, Wolfgramm, Homp – Lippert (70. Gauer), Gieseler (73. Runge)

1.FC Lok Leipzig:
Schumann – Green, Pfretzschner, Janitzki, Freitag (83. Horn) – Herrmann, Szuh (76. Wagner) – Tóth, Lübcke, Nauesse (68. Schneider) – Ebermann

Tore:
0:1 Tóth (6.)
0:2 Ebermann (17.)
0:3 Green (20.)
0:4 Lübcke (37.)
0:5 Wagner (80.)

Gelbe Karten:
Thomaschewski / Szuh

Zuschauer: 105

Schiedsrichterin: Jaqueline Herrmann (Hamburg) mit Irina Stremel (Emmerke) und Liane Lindenberg (Drakenburg)