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Okt 15 2012

Schleswig-Holstein-Liga, 6. Spieltag: Der Anschlusstreffer war die Vorentscheidung

FFC Oldesloe II. – SV Henstedt-Ulzburg 2:5 (0:2)

Text und Bilder von Fuxi  Sprach man vor dem Spiel mit der angeschlagenen Kathrin Patzke, verschwendete sie an den Regionalliga-Absteiger FFC Oldesloe II., immerhin Tabellensiebter, keinen Gedanken: Sie hoffte auf 45 Minuten Spielpraxis als Vorbereitung für das Topspiel eine Woche später gegen die SG Ratekau-Strand 08, den Vorjahresmeister. Wahrscheinlich ging es ihren Teamkolleginnen nicht anders. Dabei wollte der Gastgeber aus Stormarn es besser machen als die eigene Erste, die am Vormittag gegen Lok Leipzig sang- und klanglos aus dem DFB-Pokal ausgeschieden war. Dass der Tabellenführer personell nicht in bester Verfassung war, kam ihnen gelegen.

Ausgerechnet dieses Freistoßtor von FFC-Routinier Claudia Wenzel zum 1:2 leitete die Vorentscheidung ein. Henstedt-Ulzburg traf im Gegenzug zweimal zum 1:4.

Im Vergleich zum Pokalspiel gegen Olympia Neumünster (3:1) war Henstedt-Ulzburg auf gleich fünf Positionen verändert. Und so waren sie in der ersten Viertelstunde auch die bessere und aktivere Mannschaft. Während sich der SVHU noch sortierte, gab es die ersten Prüfungen für Berith Voigt im Tor der Segebergerinnen. Den ersten Schuss gab Svea Sell aus halblinker Position ab, er ging genau auf die Schlussfrau (6.). Und in der neunten Minute versuchte es Alessa Bode halbrechts im Strafraum, nachdem Jule Steinbrecher durchgesteckt hatte, doch auch diesen Ball hielt Voigt. Die Gäste brauchten lange, um eine spielerische Linie zu finden. In der 17. Minute fand Mittelfeldregisseurin Josefine Krengel mit einem Diagonalpass die zweimalige U15-Nationalspielerin Jennifer Michel, und die schoss zum 0:1 ein.

Nach dem schmeichelhaften Führungstreffer bekam Henstedt-Ulzburg die Partie besser in den Griff. Oft suchten sie Henrike Diekhoff auf dem rechten Flügel, die in ihrem siebten Pflichtspiel im Frauenbereich allerdings ein wenig Schiet am Schuh hatte. Das Geschehen verlagerte sich zwischen die Sechzehner, in Strafraumnähe hingegen gab es wenig Konstruktives zu betrachten. Beide Teams suchten nach rund einer halben Stunde ihre Linie. Henstedt-Ulzburg erarbeitete sich mehr Ballbesitz, viele Balleroberungen gingen auf das Konto von Krengel. Dennoch entsprach der Spielstand bis dahin nicht den Verhältnissen. Trotzdem hatte der Tabellenführer das zweite Tor auf dem Fuß. Nach einem Solo durch das Mittelfeld musste Innenverteidigerin Jennifer Torba abbrechen und spielte rechts auf Diekhoff. An deren Flanke war Oldesloes Torhüterin Marie Koch noch dran, konnte aber nicht entscheidend ablenken. Der Schuss von Britt Siebert wurde abgeblockt, der Nachschuss von Michel ging drüber (33.).

Krengel war Ausgangspunkt der nächsten Szene in der 38. Minute: Sie kreiselte Daniela Krohe aus und gab steil auf Zietz, die gegen Koch einen Tick zu spät kam. Dabei war eigentlich Oldesloe die zielstrebigere Mannschaft. Der SVHU versuchte es mit ruhigem Spielaufbau und Tempowechseln, war individuell und im Zweikampf etwas stärker, nach vorn aber zu ungenau. Eine Standardsituation brachte erst das zweite Tor für den Ersten ein. Krengel führte kurz zu Diekhoff aus und bekam den Ball zurück. Sie flankte ins Gewühl, wo eine Oldesloerin den Ball zu Zietz brachte. Der Schussversuch wurde abgeblockt, Siebert setzte nach und stocherte, die Kugel kam zu Torba, und die Abwehrspielerin staubte ab (44.). Der Pausenvorsprung für den Club von der Alsterquelle war mehr als schmeichelhaft. Aus gerade drei Chancen machten sie zwei Tore. Ihre Positionswechsel bei Vorstößen von Torba, wenn dann Krengel oder Tiarks absicherten, waren ein Faszinosum für Rasenschachfanatiker – für Fußballfans war diese Magerkost eher Folter, da Oldesloe nach gutem Start keinen roten Faden im Angriffsspiel fand.

Zum zweiten Durchgang wechselte Henstedt-Ulzburgs Trainer Jan Siemers doppelt, brachte Kathrin Patzke für Maike Tiarks und Larissa Frank für Henrike Diekhoff. Sein Team sollte besser in die Begegnung hineinfinden. Die erste Torszene hatte Torba nach einer kurz ausgeführten Ecke von Weech, aber ihr Schuss ging ungefährlichg am Tor vorbei. Anders der FFC Oldesloe, der versuchte, den Rückstand zu verkürzen. Svea Sell marschierte durch das Mittelfeld und passte dann steil in den Lauf von Marieke Hagelberg. Die Stürmerin hatte nur noch Voigt vor sich, entschied sich beim Schuss für die kurze Ecke, und die Torhüterin parierte zur Ecke. Den Eckball brachte Sell herein, unzureichend abgewehrt fiel der Ball Linnea Calaminus vor die Füße, doch sie schoss über die Kiste (52.).

Die Partie war im zweiten Spielabschnitt deutlich offener, auch weil Henstedt-Ulzburg dominanter auftrat und sich die Führung zu verdienen begann. Nach zwei harmlosen Torschüssen von Krengel auf der einen (54.) und Hagelberg auf der anderen Seite (58.) folgten die rasantesten 160 Sekunden des Spiels. Oldesloes Reserve bekam einen Freistoß zugesprochen. Aus 30 Metern halblinker Position schoss Ex-Bundesligaspielerin Claudia Wenzel scharf aufs lange Eck, und der Ball schlug oben rechts im Winkel ein – nur noch 1:2 (62.). Das war das Tor, das der FFC Oldesloe II. brauchte. Das Tor, das der FFC nicht gebrauchen konnte, fiel postwendend. Keine vierzig Sekunden nach dem Anschlusstreffer wurde Patzke rechts angespielt, flankte nach Dribbling gegen zwei Verteidigerinnen, und aus neun Metern köpfte Michel zum 1:3 ein (62.). Erst himmelhoch jauchzend, dann zu Tode betrübt – diese Gefühlsachterbahn der Stormarnerinnen nutzte Henstedt-Ulzburg aus. Nur zwei Minuten später wurde Patzke im Oldesloer Strafraum von der eingewechselten Christina Eggers gelegt – Elfmeter. Krengel trat an und verwandelte zum 1:4 (64.).

Das Spiel war durch drei Tore binnen zwei Minuten vorzeitig entschieden. Henstedt-Ulzburg gewann im zweiten Durchgang viele Zweikämpfe in der eigenen Hälfte und ließ den Ball laufen. Oldesloe fehlte die Durchschlagskraft. Wie in der 73. Minute, als Calaminus aus 22 Metern abzog und Voigt zur Ecke ablenkte. Der SVHU war effektiver. Zietz steckte eine Viertelstunde vor Schluss durch, Patzke umspielte Tatjana Hartmann und traf zum 1:5. Der FFC bewies jedoch trotz des klaren Spielstands Moral. Bei Eggers’ Steilpass in der 85. Minute war Hagelberg nicht im Abseits und schob freistehend zum 2:5 ein. Die letzte Chance hatte Patzke, die einen Freistoß um die Mauer zirkelte und an Koch scheiterte.

Die zweite Halbzeit war deutlich attraktiver, es gab Fußball statt Rasenschach. Knackpunkt für den Ausgang war der Anschlusstreffer, den HU sofort doppelt kontern konnte und damit die drei Punkte frühzeitig unter Dach und Fach brachte. Das Ergebnis ging in der Höhe in Ordnung, größer war der Unterschied zwischen beiden Mannschaften wirklich nicht. Die Präzision in Abschluss und Vorbereitung war entscheidend.

FFC Oldesloe II:
Koch – Teegen (56. Eggers), Wenzel, Hartmann, Rockschies – Krohe, Steinbrecher – Sell (76. Sievers), Calaminus, Bode – Hagelberg

SV Henstedt-Ulzburg:
Voigt – Weech, Torba (76. Tiarks), Schubring, Winter – Tiarks (46. Patzke), Krengel – Michel, Siebert (78. Diekhoff), Diekhoff (46. Frank) – Zietz

Tore:
0:1 Michel (17.)
0:2 Torba (44.)
1:2 Wenzel (62., Freistoß)
1:3 Michel (62.)
1:4 Krengel (64., Foulelfmeter)
1:5 Patzke (75.)
2:5 Hagelberg (85.)

Gelbe Karten:

Schiedsrichterin: Ann-Kristin Wildfang (Dahme)

Zuschauer: 30