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Nov 02 2012

2. Bundesliga Süd, 7. Spieltag: Ungerechte Rote Karte beeinflusst Spielverlauf

1. FFC Frankfurt – SC Sand 2:4 (1:0)

 

 

Text von Tom Schlimme, Bilder von Peter Henkel

Vor dem Spiel hätte man einen Erfolg des Tabellendritten SC Sand beim Tabellenzehnten 1. FFC Frankfurt II durchaus für wahrscheinlich halten können. Dass es dann wirklich so kam, war aber nur durch eine Leistungssteigerung von Sand nach der Pause und durch eine unglückliche Schiedsrichterentscheidung möglich.

 

Keeperin Marisa Brunner spielt noch einmal Fußball – hier im Zweikampf mit Deniz Özer

 

 

Das Team des 1. FFC Frankfurt II bestätigte von Beginn an den Aufwärtstrend, der bereits im Heimspiel davor gegen Saarbrücken zu beobachten war. Diesmal ließ auch der zählbare Erfolg nicht lange auf sich warten: nachdem schnell aus der Abwehr auf Silvana Chojnowski gespielt worden war, legte diese einen sehenswerten Alleingang hin, düpierte sowohl die Abwehrspielerinnen als auch Keeperin Marisa Brunner, und brachte ihr Team bereits in der vierten Minute mit 1:0 in Führung. Die ehemalige Schweizer Nationalkeeperin Brunner, viele Jahre beim SC Freiburg in der ersten Liga aktiv, war nach ihrem krankheitsbedingten Rücktritt vom Fußball erst wenige Tage vor dem Spiel vom SC Sand verpflichtet worden. Brunner konnte zwar bei diesem Tor wenig machen, zeigte aber in vielen Szenen gute Paraden. Mehr zu tun hatte aber in der Anfangsphase Frankfurts Keeperin Desirée Schumann, denn der SC Sand drängte nun auf den Ausgleich und die Frankfurter Spielerinnen in deren Hälfte zurück. Bei Frankfurt stimmte in dieser Halbzeit aber auch die Abwehrleistung, denn trotz aller Überlegenheit kamen die Sander Spielerinnen fast nicht in den Strafraum. Und bei den wenigen Ausnahmen war dann eben Schumann zur Stelle, so bei einem Volleyschuss von Myriam Krüger, den sie mit Klassereflex abwehren konnte. Zur zweiten guten Chance kam Sand dann erst in der 31. Minute, als ein Freistoß von Krüger von der Latte ins Feld zurück prallte, der Nachschuss jedoch zur leichten Beute für Schumann geriet. Nach einem Fehler im Frankfurter Abwehrzentrum kam dann Christine Veth für Sand zu einer guten Gelegenheit, doch auch sie konnte nicht viel daraus machen. Auf der Gegenseite verzog Jessica Reinhardt von der Strafraumgrenze aus, und so blieb es bei der knappen, nach einer guten Leistung gegen einen starken Gegner aber verdienten Frankfurter Führung.

Nach dem Seitenwechsel musste Schumann dann einen gefährlichen Schuss zur Ecke lenken, doch bald danach hätte Frankfurt die Führung sogar ausbauen können, denn Deniz Özer spielte einen klasse Pass auf Chojnowski, doch diese verzog diesmal beim Abschluss. Eine Minute später dann aber der Ausgleich für Sand: Desirée Schneider spielte einen ganz starken Pass aus dem Abwehrzentrum nach vorne auf Julia Zirnstein, die gab den Ball von links in den Strafraum, und in der Mitte hatte Veth dann kein Problem mehr, den Ball hinter die Torlinie zu bringen.

 

Nun folgte die schon angesprochene unglückliche Schiedsrichterentscheidung: nach einem Zusammenprall kam es zu einem Wortwechsel zwischen einer Sander Spielerin und Silvana Chojnowski. Die Schiedsrichterin bekam nur die Reaktion von Chojnowski mit: „Halt´s Maul“. Dafür verlangte die Schiedsrichterin von Chojnowski eine Entschuldigung, und als diese sich weigerte (von Frankfurter Spielerinnen wurde mir berichtet, mit welch deftigem Ausdruck, den ich hier keinesfalls zitieren werde, Chojnowski zuvor von ihrer Gegenspielerin belegt worden war), zeigte Schiedsrichterin Christine Weigelt Chojnowski die rote Karte. Ich meine, eine gelbe Karte hätte für ein „Halt´s Maul“ gegenüber einer Gegenspielerin auch gereicht, zumal sich die Schiedsrichterin eigentlich hätte denken können, dass ein solcher Ausdruck immer eine Reaktion auf etwas ist, was vorher von der anderen Seite gesagt worden war, und wenn man das nicht gehört hat, sollte man vielleicht ein bisschen vorsichtiger sein mit der Wertung. Inzwischen ist die Sperre vom DFB-Sportgericht auf ein Spiel festgelegt worden.

Auf den weiteren Spielverlauf hatte dieser Vorfall aber gravierende Auswirkungen. Frankfurt war seiner besten Spielerin beraubt, doch in Unterzahl kämpften die jungen Spielerinnen, wie man es in dieser Saison selten gesehen hat. Und einen Moment schien das Wunder sogar einzutreten: durch eine Bogenlampe von Reinhardt, die sich wunderschön ins lange Eck senkte, gingen die Frankfurterinnen sogar ein weiteres Mal in Führung. Diese hielt aber nicht lange, denn nur eine Minute später konnte Zirnstein nach einer schlecht verteidigten Ecke schon wieder ausgleichen.

 

Und nun drehte Sand richtig auf und brachte die Überzahl zur Geltung. Schumann musste eine Glanzparade gegen Zirnstein hinlegen, Sand drückte. Doch der FFC konterte. Özer ging alleine auf das Sander Tor zu, doch Brunner konnte im Herauslaufen mit all ihrer Erfahrung klären. Dann eine Szene, in der es wohl Elfmeter für Sand hätte geben müssen für ein Foul an Veth im Strafraum, doch so sehr Sands Trainer Oliver Dewes sich auch beschwerte, die Schiedsrichterin ließ weiter spielen. Nicht jedoch kurz darauf. „Hand“ , hallte es durch das Stadion, als bei einem Sander Angriff außerhalb des Strafraums der Arm einer Stürmerin zum Ball ging, doch, kurios, zwei Sekunden später gab es dann auch im Strafraum ein Handspiel – von einer Frankfurterin, so dass Schiedsrichterin Weigelt auf den Elfmeterpunkt zeigte. Pech für Frankfurt aber ausgleichende Gerechtigkeit nach dem elfmeterwürdigen Foul vorher. Den Strafstoß verwandelte Isabelle Meyer souverän, und bald danach fiel dann auch das 2:4 nach einem schönen Alleingang von Angela Migliazza nach schnellem Konter.

 

Stimmen zum Spiel:

Winfried Klein, Trainer des 1. FFC Frankfurt II: Wir haben für unsere Verhältnisse ein richtig gutes Spiel gemacht und in Unterzahl gegen einen richtig guten Gegner sogar noch einmal die Führung heraus geholt. Doch durch die rote Karte mussten wir Jessica Reinhardt nach vorne ziehen und weiter hinten taten sich dann zu große Räume auf. Das 2:2 ist dann viel zu schnell gefallen. Doch insgesamt können wir auf dieser guten Leistung aufbauen!

Elvira Nagel, Co-Trainerin des SC Sand: „Hut ab, man merkte gar nicht, dass der FFC Frankfurt nach der roten Karte nur noch zu zehnt spielte“!

Ein weiteres Nachspiel hatte dieses Spiel dann auch noch: nach der sechsten Niederlage im siebten Spiel trennten sich die Verantwortlichen des 1. FFC Frankfurt vom bisherigen Trainerteam. Neuer Coach ist ab sofort Stephan Fröhlich, der bereits einmal dieses Team zwei Jahre lang trainiert hatte, bevor er zum 1. FC Saarbrücken in die erste Liga wechselte.

 

 

 

 

 

 

 

1. FFC Frankfurt:

Schumann – Sigurdardottir, Kantor, Wunderlich, Goerdel – Junker, Panfil, Herbert (80. Baumann), Reinhardt – Chojnowski, Özer

 

SC Sand:

Brunner – Wendlinger, Schneider, Freckhaus, Kurek (66. Haag) – Zirnstein, Krüger, Migliazza, Amann (46. Graves) – Meyer, Veth

 

Tore:

1:0 Chojnowski (5.)

1:1 Veth (54.)

2:1 Reinhardt (67.)

2:2 Zirnstein (68.)

2:3 I. Meyer (81. Handelfmeter)

2:4 Migliazza (88.)

 

Gelbe Karten:

Herbert, Junker, Kantor / Freckhaus, Kurek, Wendlinger

 

Rote Karte:

Chojnowski (57. Unsportlichkeit)

 

Schiedsrichterin: Christine Weigelt (Leipzig) mit Anja Liebmann und Susett Kra

Zuschauer: 185