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Nov 11 2012

UWCL, Achtelfinale: Turbine scheidet nach verrücktem Match aus

 

1.FFC Turbine Potsdam – Arsenal London 3:4 (0:2)

 

Text von Steffen Langbein, Bilder von Sascha Pfeiler

Nach der knappen Auswärtsniederlage mit dem Last-Minute-Tor zum 1:2 durch Yuki Ogimi rechnete sich Turbine im Rückspiel gegen die starken Arsenal-Ladies noch Chancen auf ein Weiterkommen aus. Ein 1:0 hätte ja gereicht – doch es sollte ganz anders kommen.

 

Turbine Potsdam scheidet nach 3 Jahren mindestens Halbfinale bereits im Achtelfinale aus. Die Brandenburger können aber nach dem Aus gegen Arsenal mit erhobendem Haupt gehen.

Turbine war schon in den ersten Minuten die Unsicherheit anzumerken. Jordan Nobbs stand gleich in Minute Zwei ziemlich frei im Strafraum und setzte den ersten Warnschuss übers Tor. Ein Freistoß von Rachel Yankee strich knapp am langen Pfosten vorbei (8.) und auch Kelly Smith zeigte sich nach Nobbs-Schuss das erste Mal gefährlich vor dem Turbine-Tor, Alyssa Naeher parierte, ebenso gegen Stephanie Houghton (10.). Wenig später spazierte Kelly durch den Strafraum, verpasste aber die Führung nur knapp (12.). Von der Heimelf war bis dahin noch nicht viel zu sehen. Dann ging es endlich auch mal in die andere Richtung. Yuki Ogimi passte links auf Antonia Göransson, deren abgewehrten Flankenball Sara Doorsoun-Khajeh aus 18 Meter auf`s Gästetor schoss, Emma Byrne war zur Stelle (16.). Dann aber schon wieder die Arsenal-Ladies, diesmal vernaschte Kim Little die überforderte Turbine-Abwehr, den Flachschuss parierte Naeher mit dem Fuß (19.). Die Londonerinnen spielten Turbine schwindelig, toller Doppelpass zwischen Nobbs – Smith – Nobbs, deren Schuss parierte wieder Potsdam`s Keeperin (24.). Das erste Tor war nur eine Frage der Zeit und fiel dann auch. Gemma Davison zog im Mittelfeld auf und davon nach rechts, Flanke auf Kelly Smith, die am langen Pfosten goldrichtig stand und einnetzte (27.). Potsdam versuchte zaghaft zu antworten, aber alles viel zu harmlos. Da klingelte es schon wieder, nach Vorarbeit von Alex Scott war wieder Kelly Smith zur Stelle und versenkte das Leder zum 0:2 in die Maschen (34.). Da konnte den Turbine-Anhängern schon Angst und Bange werden. Ungewohnte Stille und Staunen unter den Turbine-Anhängern. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte lief endlich mal ein durchdachter Turbine-Angriff über Patricia Hanebeck auf Lisa Evans, deren Ball Byrns parierte, auch den Nachschuss klärte die Arsenal-.Abwehr. Ein Weckruf für die zweite Halbzeit?

Das schien so, denn die Gastgeberinnen kamen wie verwandelt aus der Kabine. Die erste Chance hatte zwar schon wieder Smith für Arsenal (47.). Dann klingelte es jedoch im Arsenal-Tor. Lisa Evans Flanke von rechts köpfte Antonia Göransson zum Anschlusstreffer aus Nahdistanz ein (48.). Nun waren auch die Fans wieder zu hören: „Nur noch drei!“. Und schon wieder Turbine vorn, wieder durch Göransson, erst knapp im Abseits (50.), dann stürmte die nun wie entfesselt wirkende Schwedin in den Arsenal-Strafraum, übersah leider die besser postierte Evans rechts neben ihr (52.). Arsenal sorgte kurz für Entlastung über Davison und Little, deren Schuss aus Nahdistanz Naeher cool abfing (54.). Im Gegenzug fiel der nun verdiente Ausgleich, Patricia Hanebecks Versuch wurde noch abgeblockt, nach Ecke von Linda Evans war die kopfballstarke Keelin Winters zur Stelle (55.) – 2:2. Hoffnung keimte auf, die aber wenig später wieder gedämpft wurde. Kelly Smith, wer sonst tauchte wieder mal vor Naeher auf und schob zum 3:2 für den LFC ein (57.). Aber auch Potsdam ließ sich nicht lange bitten, kam fast postwendend wieder zum Ausgleich durch Göransson, wen sonst (59.). Turbine setzte weiter nach, Ogimi per Kopf , Hanebeck im Nachsetzen (61.), danach wieder Tohuwabohu in der Arsenal-Box, aber kein weiteres Tor (62.). Das hatte Kraft gekostet, nun kehrte wieder etwas Ruhe ein, Arsenal bekam wieder die Kontrolle über`s Spiel. Und kam zu Chancen, so in Minute 71. Kim Little tauchte allein vor Alyssa Naeher auf, wurde abgeblockt, den zurückspringenden Ball jagte White an`s Lattenkreuz, den zurückspringenden Ball pflückte Naeher, noch halb am Boden liegend aus der Luft – welch Dramatik.

Patty Hanebeck versuchte es noch mal aus der Distanz, aber knapp vorbei (77.). Dann war wohl die Luft raus, erst Recht, als White mit dem 3:4 (diesmal nach Assist von Smith) den Deckel drauf machte (81.). Damit schied Turbine erstmals vor dem Viertelfinale aus dem europäischen Wettbewerb aus. Bei Arsenal, auch immer unter den letzten acht Teams, hielt die Serie.

Aber es war, trotz des Ausscheidens vom Deutschen Meister Turbine Potsdam eine Werbung für den Frauenfußball, in dem sich die bessere Mannschaft verdient durchsetzte.

Stimmen:

Laura Harvey (Arsenal): „Mit der ersten Halbzeit bin ich sehr zufrieden. Die zweite Hälfte war das emotionalste, was ich erlebt habe. Potsdam hat sehr stark gespielt, aber wir auch. Wir sind verdient weiter gekommen.“

Bernd Schröder (Turbine): „Die Zuschauer haben ein erlebnisreiches Spiel gesehen. In der ersten Halbzeit waren wir gar nicht da. In der Pause habe ich nur gesagt, fighten – das versteht jeder, egal welcher Natiuonalität. Das haben meine Spielerinnen auch getan. Arsenal ist verdient weitergekommen. Wir müssen eben auch mal damit rechnen,dass andere stärker sind und hier gewinnen.“

Antonia Göransson (Turbine): „Ich bin enttäuscht und traurig. Ich weiß, wir können es besser. Die zweite Hälfte hat gezeigt, dass wir ein gutes Team sind.“

 

1. FFC Turbine Potsdam: Naeher – Jaques, Draws, Kemme (38. Cramer) – Doorsoun-Khajeh, Winters, Hanebeck, Singer – Evans, Ogimi, Göransson,

Arsenal Ladies LFC: Byrne – Scott, Flaherty, Houghton, Fahey – Davison (64. Grant), Chapman (90. Beattie), Nobbs, Yankey (36. E. White) – Smith, Little

 

Tore:

0:1 Smith (27.)

0:2 Smith (34.)

1:2 Göransson (48.)

2:2 Winters (55.)

2:3 Smith (57.)

3:3 Göransson (59.)

3:4 White (81.)

 

Schiedsrichterin: Carina Vitulano mit Romina Santuari, Guiliana Guarino (alle ITA) und Angelika Söder (D/4.Off.),

Zuschauer: 3.260

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