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Nov 18 2012

Regionalliga Nord: HSV siegt im Derby

Hamburger SV – Bramfelder SV 3:0 (3:0)

Text und Bilder von Fuxi

Der Tabellensechste Hamburger SV empfing in Norderstedt das Schlusslicht Bramfelder SV im dritten Hamburger Derby der Vorrunde. Während die Saison für die etablierten Rothosen im Tabellenmittelfeld durchaus nach Plan verlief, warteten die Gäste auch nach sieben Auftritten noch auf den ersten Sieg. Und auch auf Tore: Drei eigenen Treffern standen 24 Gegentore entgegen, die einzigen beiden Zähler wurden an den ersten drei Spieltagen eingefahren. Beim HSV war die Bilanz ausgeglichen: Je drei Siege, Unentschieden und Niederlagen mit 12:11 Toren. Entsprechend war der Ex-Bundesligist auch favorisiert.

Justine Kusi eröffnet in der 22. Minute den Torreigen und legt damit den Grundstein zu einem ungefährdeten Favoritensieg gegen den Aufsteiger.

Das zeigten sie auch von Beginn an. Bereits nach zwei Minuten musste Andrea Rehfeldt im Tor der Bramfelderinnen erstmals bei einem Kopfball von Sebnem Dairecioglu zupacken. Der HSV erspielte sich ein optisches Übergewicht, doch Bramfeld zeigte im Defensivverhalten wie beim Umschalten Ansätze einer Lernkurve und hielt dagegen. Leidtragende dessen war Anna Schell, die in der zwölften Minuten nach einem sauber geführten Zweikampf verletzt ausgewechselt werden musste. Ersetzt wurde sie von Nachwuchstalent Marilén Bistricianu. Sie ging auf den rechten Flügel, Dairecioglu rückte in die Mitte.

Während sich der HSV noch sortierte, hatten die Bramfelderinnen, die in Leibchen spielen mussten, weil die Schiedsrichter in schwarz aufgelaufen waren – warum diese nicht naheliegenderweise die Leibchen trugen, blieb unbeantwortet -, ihre erste Torchance, doch Catharina Schimpf köpfte nach Eckball von Larissa Holland über das Tor. Auf der Gegenseite wurde Justine Kusi steil bedient. Rehfeldt war vor der Stürmerin am Ball und klärte zu kurz und wurde dann von Kusi gefoult. Schiedsrichterin Wildfang ließ weiterspielen, und so war es Carina Blumroth vorbehalten, für ihre mattgesetzte Keeperin den Schlenzer von Bistricianu artistisch mit der Hacke neben das Tor zu lenken (17.). Rehfeldt konnte nach zweiminütiger Behandlung weiterspielen, tat dies jedoch mit Handicap: Sie büßte eine Kontaktlinse ein.

Daran lag es aber nicht, dass der HSV in der 22. Minute in Führung ging. Nach einem Fehler von Frauke Graetz lenkte Fjolla Gara den Ball sofort in den Lauf von Kusi, die mit Übersicht ins lange Eck vollendete. Das ging auch in Ordnung, denn der HSV war ballsicherer und gedanklich schneller als die Gäste. Die Bramfelder Fehlerquote war hingegen einfach zu hoch. Und doch bekamen sie die Ausgleichschance nach einer halben Stunde auf dem Silbertablett. Schimpf hebelte mit einem Diagonalpass die Abwehr aus, doch Denise Stroda zielte genau auf Torhüterin Saskia Schippmann. Kurz darauf zog Holland aus 19 Metern ab und am Gehäuse vorbei. Die größte Möglichkeit ergab sich in Minute 34. Ein Zuspiel von Holland brachte Jaqueline Rohr direkt in den Lauf von Karina Lüth. Doch alles, was die mit zwei Saisontoren beste Bramfelder Stürmerin zustande brachte, war ein harmloser Kullerball. Chancen, die ein Aufsteiger nicht vergeben darf, will er den Klassenerhalt schaffen.

Das sollte sich rächen. Bei einer Ecke von Cathérine Knobloch stimmte die Zuordnung in der Hintermannschaft des Aufsteigers nicht, und Dairecioglu erhöhte per Kopfball aus fünf Metern auf 2:0 (39.). Nur zwei Minuten später war die Partie entschieden. Kusi nahm einen Steilpass von Rückkehrerin Johanna Staade mit, wurde zweimal von Graetz und Blumroth geblockt, auch Bistricianus Schussversuch kam nicht an Blumroth vorbei, aber in der Mitte staubte Gara unbedrängt zum 3:0 ab (41.). Das war auch der Halbzeitstand, weil Schimpf danach an Schippmann scheiterte und Rohrs Versuch gegen Anna Peters nicht durchkam.

Das Pausenresultat war zu hoch, aber folgerichtig. Bramfeld zeigte sowohl in der Abwehr wie auch im Abschluss zu viele Unzulänglichkeiten, die man sich auf diesem Niveau nicht mehr leisten darf. Der HSV, obwohl mit einigen jungen Nachwuchskräften besetzt, nutzte diese eiskalt. Anders als der Bramfelder SV, der Einladungen zum Toreschießen verstreichen ließ.

Im zweiten Durchgang nahmen sich die Gastgeberinnen mit dem Drei-Tore-Vorsprung im Rücken merklich zurück, waren abwartender und ließen Bramfeld besser ins Spiel kommen. Die Gäste versuchten, mit Shirin Lentfer für Frauke Graetz mehr Stabilität in die Defensive zu bekommen. Dennoch war das Heimteam das gefährlichere, trotz Schwächephase zum Beginn. Einzig Rehfeldt stand den Torversuchen von Gara und Wethje im Weg. Vor allem Rehfeldts Parade gegen Garas Distanzschuss war sehenswert, im Flug wehrte sie die Kugel ab. Nach etwas mehr als einer Stunde und der Hereinnahme von Kristin Witte für Alina Ogundipe verzog Dairecioglu aus 23 Metern (62.). Bramfeld steigerte sich zwar im zweiten Spielabschnitt, ließ jedoch im Abschluss Entschlossenheit vermussen. Dem HSV fehlte es vor dem Tor an Konzentration. Nach schöner Vorarbeit von Kusi und Witte vergab Gara kläglich in der 69. Minute.

Der HSV ließ dann nach und gestattete Bramfeld in der 72. Minute eine Doppelchance durch Lüth und der eingewechselten Josephine Scholz; beide brachten das Leder nicht an Schippmann vorbei. In der Folge versuchte es Kusi für den HSV noch dreimal. Zweimal war ein Abwehrbein in der Schussbahn, der dritte Schuss ging rechts vorbei (80.). Der Aufsteiger gab trotz schwindender Zeit und klaren Spielstands nicht auf. Stroda schoss nach Steilpass von Scholz auf Schippmann (81.), eine Minute später verzog sie volley aus 20 Metern. Nina Stietz gelang der Ehrentreffer ebenso wenig (86.). Die letzte Chance hatte der HSV durch die eingewechselte Katrin Prischmann. Die Auswahltrainerin der Hamburger U17 und U19 war nach Stietz-Fehler halbrechts durch und hob den Ball über Rehfeldt hinweg, doch das Spielgerät ging rechts daneben (90.).

Der Sieg für den HSV ging in Ordnung, war aber zu hoch. Bramfeld erspielte sich in den zweiten 45 Minuten ein leichtes optisches Übergewicht, schaffte daraus aber nichts Zählbares. Der Ex-Bundesligist war mit dem 3:0 zufrieden. Ihnen reichte eine gute erste Hälfte, in der sie durchschlagskräftiger waren und abgezockter das Spiel für sich entschieden.

Stenogramm:

Hamburger SV: Schippmann – Ogundipe (60. Witte), Knobloch, Staade, Peters – Bode, Wethje, Schell (12. Bistricianu / 71. Prischmann), Dairecioglu – Gara, Kusi

Bramfelder SV: Rehfeldt – Stietz, Graetz (46. Lentfer), Blumroth, Bleser (74. Kaminski) – Schimpf, Holland (52. Scholz) – Stroda, Rohr, Ziselsberger – Lüth

Tore:
1:0 Kusi (22.)
2:0 Dairecioglu (39.)
3:0 Gara (41.)

Gelbe Karten: Ogundipe, Bode / -

Schiedsrichterin: Ann-Kristin Wildfang (TSV Dahme) mit Benjamin Naß (Grammdorfer SV) und Lukas Baumanns (TSV Lensahn)

Zuschauer: 57