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Nov 21 2012

Regionalliga Nord: Spaziergang im Regen

Bramfelder SV – TSG 07 Burg Gretesch 0:6 (0:3)

 

Text und Bilder von Fuxi

Sechs Punkte trennten die Hamburgerinnen von den Osnabrückerinnen vor der Partie. Währenddessen allerdings trennten beide Teams Welten voneinander. Das Auswärtsspiel der Niedersachsen beim Aufsteiger wurde zu einem Spaziergang im Regen. Das lag nicht nur an der Dreifach-Spitze der Gäste mit Lisa Drews und den beiden schnellen Fatou Sonko und Türkiye Yildiz. Auch der Bramfelder SV steuerte sein Übriges dazu bei – indem er sich zu keinem Zeitpunkt drittligatauglich präsentierte und die Fortschritte aus dem 0:3 beim HSV in der Vorwoche zunichte machte.

Dieses ist der zweite Streich: Nach dem Lapsus von Jacqueline Bleser hat Fatou Sonko keine Mühe, auf 0:2 zu erhöhen. Eine Minute später macht sie den Hattrick zum 0:3 perfekt.

 

Los ging es schon in der 5. Minute, als Johanna Beermann aus dem Mittelfeld einen Steilpass auf Yildiz spielte. Der Neuzugang war schneller als die Verfolgerinnen, passte rechts im Strafraum quer an den kurzen Pfosten, und Fatou Sonko hatte keine Mühe, zum 0:1 zu vollenden. Es war der erste Vorgeschmack auf eine Spielweise der Gäste, auf die sich einzustellen Bramfeld nie in der Lage sein sollte. Die erste Möglichkeit der Gastgeberinnen nach neun Minuten, als Paula Ziselsberger auf dem rechten Flügel Carla-Maria Dreyer überlief und auf den Kopf von Denise Stroda flankte, täuschte dann auch etwas – es sollte für längere Zeit die einzige bleiben. Stattdessen konterte Burg Gretesch nach 18 Minuten per Steilpass auf Yildiz. Deren Hereingabe wäre für Abwehrspielerin Jacqueline Bleser zu klären gewesen, doch sie schlug am Ball vorbei, und wieder stand Sonko richtig zum 0:2.

Brauchte der HSV in der Vorwoche noch 41 Minuten, um alles klar zu machen, war die Partie bereits 60 Sekunden später vorbei. Sonko nahm einen Steilpass von Drews mit und verwandelte zum 0:3 (19.) – ein lupenreiner Hattrick binnen 14 Minuten. Fassungslosigkeit beim Aufsteiger. Kurz unterbrochen von einem 35-Meter-Schuss durch Catharina Schimpf ging es so weiter. Sonko marschierte links zur Grundlinie, ließ Verteidigerin Shirin Lentfer ins Leere laufen, gab zurück, und nachdem Nina Heuer am Ball vorbei geschlagen hatte, traf Drews nur die Latte (21.). Den seit fünf Spielen punkt- und torlosen Gastgeberinnen drohte ein Debakel sondergleichen, das sie nicht mal gegen den TSV Havelse (0:7) oder den VfL Wolfsburg (0:5) erlebt hatten. Aber die Führung der Osnabrückerinnen ging zu diesem Zeitpunkt auch in der Höhe voll in Ordnung. Burg Gretesch erteilte den Hanseatinnen eine Lehrstunde, wie man schnell, entschlossen, bissig, eingespielt, diszipliniert, klug, präzise und technisch ansprechend Drittligafußball spielt. Sie waren in allen Belangen überlegen, auch was Übersicht und taktisches Verständnis anging. Um dies zu dokumentieren, reichte allein der Blick auf die Trainer: Während der bundesligaerfahrene Ralf Spanier sein TSG-Team spielen lassen konnte und nur gelegentlich die eine oder andere Anweisung seinen Spielerinnen zurief, bellte sein Gegenüber Manuel Alpers auch bei laufendem Leder immer wieder Anweisungen zum taktischen Verhalten auf den Platz, um seine Akteurinnen zu dirigieren und zu ordnen.

Nach dem gleichen Schema schickte Drews in der 33. Minute Yildiz Richtung Tor, die aber zögerte vor Andrea Rehfeldt zu lange, und Bramfeld konnte klären. Vier Minuten später zog sich Bramfelds Linksverteidigerin eine Schulterblessur zu: Sie ging einem freien Ball zu träge nach und wurde im Kampf um das Leder von Drews hart, aber fair gerempelt. Während Stietz verletzt liegen blieb, erlief Yildiz den Pass von Drews und zog zum Tor. Sie überhörte dabei die Aufforderung ihres Trainers, den Ball ins Aus zu spielen, um der Hamburgerin eine Behandlung zu ermöglichen, scheiterte jedoch an Rehfeldt. Sekunden vor dem Pausenpfiff überwand sie nach einem Steilpass dann endlich die Keeperin, ihren Schuss aus spitzem Winkel klärte Carina Blumroth zur Ecke.

Mit dem Zwischenstand waren die Gastgeberinnen noch gut bedient. Sie fanden gegen die schnellen Konter der Gäste nie ein Mittel, die sich in der Chancenverwertung noch gnädig zeigten. Außer dreier harmloser Versuche kam vom Aufsteiger gar nichts. Das schien sich zum Wiederbeginn ein wenig zu ändern, weil die TSG mehr zuließ, etwas unkonzentrierter war und Bramfeld mehr Spielanteile gestattete. Die sich daraus ergebenden Möglichkeiten von Holland aus 25 Metern und von Rohr aus 20 Metern waren jedoch ungefährlich. In der 57. Minute war Stietz erlöst, und es kam Dorit Evers. Bereits nach der Pause war Sina Ahlers für Paula Ziselsberger ins Spiel gekommen. Doch Burg Gretesch legte wieder zu. In der 60. Minute konnte Rehfeldt noch einen Schuss von Yildiz mit den Füßen abwehren, aber zwei Minuten später traf sie aus 25 Metern zum 0:4.

Burg Gretesch ließ es ruhiger angehen. Die Bramfelder Möglichkeiten blieben begrenzt. Echte Torgefahr versprühten weder Stroda noch Rohr oder Lüth zwischen der 65. und 73. Minute. Einzig dass sie es versuchten, konnte man ihnen zu Gute halten, doch das lag daran, dass die Partie schon entschieden war und die Osnabrückerinnen sie gewähren ließen. Drews wäre in der 81. Minute fast das fünfte Tor gelungen, doch nach Steilpass von Sonko legte sie den Ball zu weit an Rehfeldt vorbei und bekam ihn nicht mehr ins Tor gelenkt. Das machte die in der 76. Minute eingewechselte Marina Buschinski besser, als sie von Miriam Plümer geschickt wurde. Rehfeldt musste sie und den Ball passieren lassen – 0:5 (83.). In der 89. Minute leitete Buschinski den Schlusspunkt ein. Rehfeldt konnte gegen Sonko noch parieren, gegen den Nachschuss von Yildiz zum 0:6 war sie machtlos.

Was konnte sie auch ausrichten? Die Schlussfrau wurde ein gutes Dutzend Male von ihren Vorderleuten sträflich allein gelassen und verhinderte ein größeres Debakel. Der Bramfelder SV war von Beginn an kein Gegner, sondern Opfer, präsentierte sich nie annähernd regionalligatauglich und muss langsam aufpassen, nicht vom Punktelieferanten zur Lachnummer zu verkommen. An die mühsamen Fortschritte aus dem HSV-Spiel konnten sie nie anknüpfen, es waren eher drei Schritte zurück. Die Sportanlage des BSV liegt zwischen dem Hauptfriedhof Ohlsdorf und einer seelenlosen Hochhaussiedlung – und so spielte die Mannschaft über weite Strecken auch. Auf diesem Niveau droht am Mittwoch sogar der nächste Gegner im Achtelfinale des Hamburger Pokals, Bezirksligist Blau-Weiß 96 Schenefeld, zum Stolperstein zu werden. Die TSG Burg Gretesch hingegen fuhr die leichtesten drei Punkte der Saison ein und lief selbst in spielerisch schwächeren Phasen nie Gefahr, einen Gegentreffer zu kassieren. Gefordert wurden sie höchstens hinsichtlich Wasserdichtheit. Ein einziges Strickmuster, konsequent über 90 Minuten verfolgt, reichte gegen diesen Gegner vollkommen aus.

 


Bramfelder SV: Rehfeldt – Stietz (57. Evers), Blumroth, Lentfer, Bleser – Schimpf, Holland – Stroda (81. Schaak), Rohr, Ziselsberger (46. Ahlers) – Lüth

TSG 07 Burg Gretesch: Martin – Dreyer (72. Kerkau), Berlsmann, Beermann, Plümer – Rieger, Heuer (76. Buschinski), Biedermann (63. Bomm)- Sonko, Yildiz, Drews

Tore:
0:1 Sonko (5.)
0:2 Sonko (18.)
0:3 Sonko (19.)
0:4 Yildiz (62.)
0:5 Buschinski (83.)
0:6 Yildiz (89.)

Gelbe Karten: keine

Schiedsrichterin: Nicole Zabinski (TSV Nordhastedt) mit Pavel Zabinski (TSV Nordhastedt) und Marcel Duchnowski (SV Ditmarsia Albersdorf)