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Nov 29 2012

1. Bundesliga, 10. Spieltag: Gern gesehener Gast

1. FFC Frankfurt – SC 07 Bad Neuenahr 4:1 (3:0)

 

 

Text und Bilder von Tom Schlimme

 

Der SC 07 Bad Neuenahr bleibt ein gern gesehener Gast im Stadion des 1. FFC Frankfurt. Von 31 Spielen gingen 29 an den FFC, so rechnete es jedenfalls Gästetrainer Colin Bell nach dem Spiel vor, und auch dieses Spiel des 10. Spieltags der Frauenfußball Bundesliga wurde früh zur klaren Angelegenheit für die Frankfurterinnen, die damit nach Punkten zum Tabellenzweiten Turbine Potsdam aufschließen konnten.

 

Svenja Huth köpft den Ball nach einem Eckstoß zum 1:0 für Frankfurt ins Netz. Die sonst so sichere Keeperin Almuth Schult sieht in dieser Szene nicht gut aus.

 

Doch trotz aller Freude über den klaren Sieg bleiben Zweifel, ob der FFC wirklich schon „wieder auf dem richtigen Weg“ ist, wie Frankfurts Manager Siegfried Dietrich nicht müde wird zu betonen. Eine gewisse Aufwärtstendenz ist erkennbar, aber neben etlichem Licht gab es auch einigen Schatten beim FFC zu erkennen. Positiv ist aber auf jeden Fall festzuhalten, dass die zahlreichen Ausfälle durch nahezu gleichwertige Spielerinnen kompensiert werden konnten. So waren diesmal wieder Svenja Huth und Melanie Behringer in der Startelf, und beide zeigten eine gute Leistung. Huth erzielte sogar zwei Tore, was für sie eher ungewöhnlich ist, und Behringer zeigte sich zweikampfstark im Mittelfeld. Außerdem gab sie, da Dzsenifer Marozsan wegen einer Aduktorenzerrung nicht dabei sein konnte, alle Eckstöße herein, und die führten endlich einmal, auch das eine Besserung beim FFC, zu Toren. Behringer war es auch, die Bad Neuenahrs Keeperin Almuth Schult schon in den ersten Spielminuten das erste Mal prüfte und auch später kamen von ihr einige gut gezielte Schüsse auf das Neuenahrer Tor. In der 12. Minute zielte Simone Laudehr, heute neben Behringer im zentralen Mittelfeld, ebenfalls gut in die Ecke, doch auch hier war Schult aufmerksam zur Stelle.

 

Frankfurts Trainer Philipp Dahm hatte sich eine besondere Variante einfallen lassen, um den Ausfall seiner Stürmerinnen zu kompensieren. Kerstin Garefrekes rückte vom Flügel neben Sandrine Bretigny in die Sturmspitze. „Wir wussten, wenn wir Kerstin da aufstellen, gewinnen wir das Spiel“, sagte Dahm hinterher, und diese Rechnung ging voll auf. Garefrekes war es, die gefoult von Laura Störzel einen Freistoß zentral am Strafraum heraus holte, diesen konnte Celia Okoyino da Mbabi gerade so noch ins Toraus köpfen, und den folgenden Eckstoß setzte Behringer dann Huth genau auf den Kopf, so dass ausgerechnet die kleine Svenja Huth zum 1:0 einköpfen konnte. Natürlich keine gute Leistung der Bad Neuenahrer Abwehr. Überhaupt, diese Eckbälle von Melanie Behringer. Nach wie vor die meisten in einer Höhe zwischen Knie und Schulter herein gegeben. Grausam anzusehen, aber inzwischen frage ich mich, ob das nicht sogar Absicht ist, denn Bad Neuenahrs Abwehr hatte mit diesen Eckstößen doch immer wieder erhebliche Probleme.

 

In der 34. Minute donnerte ein strammer Schuss von Laudehr ans Lattenkreuz, Schult hätte hier wie bei einigen Schüssen, die knapp vorbei gingen, nicht den Hauch einer Chance gehabt, den Ball zu halten. Doch im folgenden leistete sich die ansonsten für ihre Sicherheit bekannte Schult einige Fehler. So sprang ihr ein eigentlich harmloser Roller von Laudehr fast ins Tor, gerade so noch konnte sie den Ball zur Ecke lenken. Aus dieser resultierte dann prompt das zweite Frankfurter Tor, wieder kniehoch ausgeführt, bekam die Bad Neuenahrer Abwehr den Ball nicht weg, legte ihn Garefrekes vor die Füße, und die zeigte alte Vollstreckerqualitäten und netzte ein. Damit war das Spiel angesichts der Kräfteverhältnisse und Spielanteile schon fast entschieden. Die beste Chance für Bad Neuenahr hatte mit Behringer eine Frankfurterin, die in einer kuriosen Abwehraktion ihre eigene Keeperin mit einem Kopfball genau ins untere Eck prüfte, doch Nadine Angerer hielt souverän. Unsicher zeigte sich dagegen Schult im anderen Tor, die nach Flanke von Babett Peter den Ball abprallen ließ, Huth war zur Stelle und erzielte durch die Beine von Schult das 3:0.

 

Das war das Halbzeitergebnis, und nach dem Seitenwechsel ging es auf dem holprigen Platz (SC-Trainer Bell: „der schlechteste Platz der Liga, schade, dass der FFC auf so einem Acker spielen muss“) holprig weiter. Zeitweise hatte ich das Gefühl, ein Spiel zweier Mannschaften auf Augenhöhe zu sehen, denn im Mittelfeld schenkten sich beide Teams nichts und schienen in dieser wie auch in einigen anderen Spielphasen fast gleichstark zu sein. Auffällig auch das schlechte Spiel des FFC aus der Abwehr heraus. Umständlich und fehlerhaft, was nicht nur am holprigen Platz gelegen haben kann…

Zählt man aber die Torchancen zusammen, muss man schon anerkennen, dass der 1. FFC Frankfurt letztlich doch drückend überlegen war, denn während die Frankfurterinnen doch immer wieder zum Abschluss kamen, gelang bei Bad Neuenahr nach vorne kaum etwas, wurde vielleicht auch einfach viel zu wenig nach vorne versucht. Okoyino da Mbabi war offensiv kaum zu sehen, Nicole Rolser in der Spitze wurde zwar immer mal angespielt, aber entweder Angerer war vor ihr am Ball oder eine Abwehrspielerin ging ohne viel Mühe dazwischen. Eine Freistoßflanke von Leonie Maier in der zweiten Halbzeit war dann schon das gefährlichste, was auf Angerer zuflog, aber keine Spielerin erwischte den Ball. Dann aber endlich mal ein richtig schöner Angriff des FFC, Huth brachte Bianca Schmidt ins Spiel, die mit gutem Lauf, setzte sich rechts durch, gab nach innen, und da war Garefrekes frei und erzielte mit dem 4:0 ihr zweites Tor an diesem Tag. Diese klare Führung hielt zwar nur fünf Minuten, denn dann erzielte die eingewechselte Anja Selensky aus dem berühmten Nichts heraus das 4:1 – Blackout in der FFC- Abwehr, deren Religion es wohl nur in seltenen Ausnahmefällen zulässt, zu Null zu spielen.

 

Damit ist nun auch der Schatten im Spiel des FFC aufgezählt. Schlechtes Spiel aus der Abwehr heraus nach vorne, Ballgeplänkel im Mittelfeld, bei denen ein schlechterer Gegner gleichwertig wirkt, eine Abwehr, die 89 Minuten alles im Griff hat und dann doch so katastrophal patzt, dass der Gegner mit einer Chance auch gleich ein Tor macht. Auf der Plusseite steht dem aber eine diesmal ordentliche Chancenverwertung gegenüber, die Abwehr ließ eben nur diese eine echte Chance zu, und dementsprechend sprang dann auch ein letztlich verdienter klarer Sieg heraus, und das gegen einen Gegner, der neulich im Pokal den Potsdamer Turbinen erhebliche Schwierigkeiten bereitet hatte.

 

Ebenfalls positiv: Frankfurts Trainer Philipp Dahm brachte eine Viertelstunde vor Schluss mit Theresa Panfil eine Nachwuchsspielerin auf den Platz, die so wenige Tage nach ihrem 17. Geburtstag ihr Debüt in der ersten Mannschaft des DFB feiern konnte. Dabei zeigte die sonst in der zweiten Mannschaft eingesetzte U19 Nationalspielerin einige gute Aktionen. Also, es ist Bewegung drin in Frankfurt, und auch wenn noch nicht alles glänzt, sollte auch noch nicht alles dusterschwarz gemalt werden!

 

Übrigens: auch die Leistung des Schiedsrichterteams kann positiv heraus gestellt werden!

 

 

1. FFC Frankfurt:

Angerer – Krieger, Kumagai (79. Weber), Bartusiak, Peter – Schmidt (75. Panfil), Behringer, Laudehr, Huth – Garefrekes, Bretigny (83. Smisek)

 

SC 07 Bad Neuenahr:

Schult – Löwenberg, Störzel, Kuznik, Schröder- Pyko (46. Selensky), Yaren (70. Nadine Rolser), Okoyino da Mbabi, Maier – Gregorius (83. Nati), Nicole Rolser

 

Tore:

1:0 Huth (31.)

2:0 Garefrekes (39.

3:0 Huth (42.)

4:0 Garefrekes (66.)

4:1 Selensky (71.)

 

Gelbe Karten: keine

 

Schiedsrichterin: Marija Kurtes (Düsseldorf) mit Monique Elsner und Sandy Kuchmann-Nowak