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Dez 01 2012

Schleswig-Holstein-Liga, 13. Spieltag: Ein Patzke-Sieg

SV Henstedt-Ulzburg – SSC Hagen Ahrensburg 6:1 (1:1)

Text und Bilder von Fuxi

45 Minuten lang quälte sich der Tabellenführer gegen den SSC Hagen Ahrensburg zu einem schmeichelhaften 1:1. Doch dann griff eine Ex-Bundesligastürmerin entscheidend ins Spielgeschehen ein. Durch die Einwechslung der angeschlagenen Kathrin Patzke bekam das Spiel des SVHU alles zurück, was ihm fehlte – und machte einmal mehr deutlich, dass nur eine Spielerin den Unterschied zwischen dritter und vierter Liga ausmacht.

Kathrin Patzke kam nach der Pause für Alina Witt und war an den entscheidenden vier Treffern beteiligt. Hier versucht sie, an Jana-Lisa Wöbcke vorbeizukommen

Das Topspiel zwischen dem SV Henstedt-Ulzburg und dem SSC Hagen Ahrensburg war über weite Strecken des ersten Durchgangs zerfahren. Vor allem in der ersten halben Stunde spielte sich das Geschehen schwerpunktmäßig zwischen den Strafräumen ab. Beide Abwehrreihen standen gut, und Impulse aus dem Mittelfeld, so es sie gab, verpufften beiderseits durch strukturelle wie technische Mängel im Spielaufbau. Das Duell der Strateginnen – Josefine Krengel auf der einen, Charlotte Kuziek auf der anderen Seite – verlief recht neutral. Wenn überhaupt, dann hatte Kuziek in der defensiveren Rolle gegenüber der offensiver agierenden Krengel leicht die Nase vorn, entschied mehr direkte Zweikampfsituationen für sich.

Ahrensburgs Trainer Gerhard Gollnest hatte sein Team gut auf die Partie vorbereitet. Seine Mannschaft wirkte im Spiel nach vorn etwas entschlossener. Lisa Stein-Schomburg gab in der 4. Minute den ersten Torschuss ab, zielte rechts vorbei. Die erste Henstedt-Ulzburger Offensivaktion in der 10. Minute stoppte SSC-Keeperin Jessica Tschechne, als sie Angreiferin Alina Witt nach Steilpass von Jennifer Michel den etwas zu weit vom Fuß gesprungenen Ball rechtzeitig abnahm. Deren Gegenüber, Ex-HSV-Keeperin Bianca Weech, die wegen der Bedeutung von Spiel und Gegner die verletzte Berith Voigt zwischen den Pfosten vertrat, bekam auch nur wenig zu tun und musste bei Maie Steins Schuss vom linken Strafraumeck nach 18 Minuten nicht wirklich hektisch werden.

Nach zwei frühen Wechseln bei den Ahrensburgerinnen fiel jedoch aus dem Nichts das 1:0 für die Gastgeber. Eine Verteidigerin unterband das Anspiel von Maike Tiarks auf Kimberly Zietz. Michel erlief den freien Ball und zog sofort aus der Drehung ab. Ihr 25-Meter-Schuss wurde von Jaqueline Grimm, die instinktiv den Fuß hinhielt, gegen den Lauf von Tscheche unhaltbar abgefälscht (34.). Pech für die Stormarnerinnen. Man konnte darüber streiten, wem das Tor nun gebührte – Schiedsrichterin Mirka Derlin aus Bad Schwartau trug in den Spielbericht ein Eigentor ein. Aber die Gäste reagierten trotzig. Nach einer kurz ausgeführten Kuziek-Ecke strebte Stein der Grundlinie entgegen, wurde im Sechzehner gelegt, und Derlin zeigte ohne Zögern auf den Strafstoßpunkt. Kuziek trat an, schickte Weech in die falsche Ecke und korrigierte den nur vier Minuten alten Betriebsunfall zum leistungsgerechten Remis.

Der schnelle Ausgleich zeigte beiderseits Wirkung: Ahrensburg legte zu, Henstedt-Ulzburg wurde nervös. Der erste Versuch war noch harmlos: Stein-Schomburg eroberte den Ball von Tiarks und gab auf Stein weiter, deren Schlenzer mit dem linken Fuß kein Problem für Weech darstellte (41.). Zwei Minuten später hingegen traf Stein-Schomburg aus 20 Metern auf die Latte. Und nach gewonnenem Dribbling gegen Zita Fichtner setzte erneut Stein die Kugel in der 44. Minute neben den Kasten. Für die Gäste aus dem Nachbarkreis war der Gleichstand mehr als verdient. Im Eins-gegen-eins waren sie etwas stärker, hatten Pech bei Latten- und Gegentreffer. Henstedt-Ulzburg hingegen kam mit der ungewohnten Formation – Stürmerin Zietz spielte rechts im Mittelfeld – nicht zurecht. Alina Witt blieb blass.

Deshalb sah sich HU-Coach Jan Siemers zu zwei Wechseln genötigt. Für Fichtner hinten rechts kam Lina Kunrath als Gegenpart zu Maie Stein. Und Witt wurde durch die noch geschwächte Kathrin Patzke ersetzt. Dieser Wechsel zog sofort. Keine 60 Sekunden nach Wiederanpfiff flankte Patzke von links auf den kurzen Pfosten, Krengel verlängerte, und im Fünfmeterraum konnte Zietz frei zum 2:1 einköpfen. Die Partie schien zugunsten der Gastgeberinnen zu kippen, zumal Patzkes Schlenzer in der 49. Minute nur durch eine herrliche Flugparade von Tschechne am Flug ins Tor gehindert werden konnte. Das Spiel war durch das frühe Führungstor merklich offener. Es ging hin und her, doch auf beiden Seiten waren die Anspiele in die Spitze oft zu ungenau. Die Abschlüsse der Gäste hatten etwas Überhastetes an sich. Sowohl Stein-Schomburg (50.) als auch Kuziek (54.) scheiterten von außerhalb des Strafraums an Weech.

Auf der Gegenseite machte Henstedt-Ulzburg den Sack früh zu. Kunrath spielte im direkten Gegenzug rechts steil auf Zietz, die von der Grundlinie zurück flankte. Britt Siebert traf den Ball nicht richtig, brachte ihn aber quer, und aus fünf Metern staubte Patzke zum 3:1 ab (54.). Natürlich war dieses Ergebnis für den SVHU sehr schmeichelhaft. Aber ihre Effektivität war beeindruckend – zumindest seit Patzke auf dem Feld war. Aber das ist auch das Problem der Segebergerinnen: Ohne Patzke und Krengel, von denen zumindest eine in starker Verfassung sein muss, fehlt ihnen die nötige Qualität zum Spitzenteam. Krengel versuchte im Mittelfeld zwar viel, aber das meiste ging schief. So passte es zum Spiel, dass sie sich die einzige gelbe Karte der Partie einhandelte (55.). Ihr Gegenpart Kuziek suchte häufig den Abschluss aus der Ferne, wollte den Anschlusstreffer erzwingen und offenbarte dabei jedoch auch einen Tunnelblick. Einer der besseren Versuche war ein Abschluss aus halbrechter Position, der das Gehäuse verfehlte.

Ahrensburg musste was tun, und so kam Lena Banse für die eingewechselte Miriam von Gönner. Sie übernahm in der Innenverteidigung den Part von Abwehrchefin Rike Bohn, die in die Sturmmitte ging. Doch das rächte sich bereits vier Minuten später. Banse wurde rechts von Siebert vernascht. Deren Flanke versuchte Krengel artistisch zu nehmen und produzierte eine Bogenlampe, die Patzke überlegt zum 4:1 ins lange Eck köpfte (64.). Dem SSC Hagen war diese Art Glück nicht vergönnt: Als Kuziek in der 67. Minute aus 23 Metern abzog, traf der Flachschuss den Pfosten. Der Abpraller sprang gegen die Beine von Weech, trudelte zur Torlinie, und Weech schlug ihn dann weg. Ob hinter oder auf der Linie, war für die einzelne Schiedsrichterin nicht auszumachen, und hier rächte sich für die Ahrensburgerinnen, dass in Schleswig-Holsteins höchster Liga, anders als etwa in Hamburg, nicht mit Gespann gepfiffen wird. Es blieb beim 4:1. Aber trotz des knappen Ausgangs war auch dieser Angriff ein Beleg dafür, dass die Ahrensburgerinnen ihre Angriffe zu selten zuende spielten.

Mit dem deutlichen Vorsprung im Rücken war der SV Henstedt-Ulzburg jetzt natürlich überlegen und baute in der 77. Minute das Ergebnis weiter aus: Nach Ecke von Patzke verlängerte Jana-Lisa Wöbcke unfreiwillig nach hinten, und Siebert hatte keine Mühe, aus drei Metern ins kurze Eck zu versenken – 5:1. Damit war der Einsatz von Patzke beendet, und es kam Riana Wrage. Abwehrchefin Jennifer Torba wechselte ins Mittelfeld hinter Siebert als einziger Spitze. Und sie war gleich an der nächsten Szene beteiligt. Michel dribbelte solo halblinks durch bis vor Tschechne, die abwehren konnte, und als der SSC den Ball nicht aus der Gefahrenzone bekam, donnerte Torba ihn aus dem Hintergrund drüber (78.). In der 80. Minute verzog Siebert, als sie aufs kurze Eck zielte. Für den Endstand sorgte letztlich doch Torba, die nach Querpass von Michel frei zum 6:1 einschieben konnte (82.). Die letzte Chance für die Gäste vergab Stein nach Zuspiel von Jana Holla.

Der Sieg für Henstedt-Ulzburg war im Hinblick auf die Tabellenführung und den 2:0-Sieg von Verfolger SG Ratekau-Strand 08 gegen Rot-Schwarz Kiel wichtig, fiel aber drei bis vier Tore zu hoch aus. Der SSC Hagen Ahrensburg war definitiv nicht fünf Tore schlechter, gab sich nie auf. Die Gastgeberinnen zehrten in der zweiten Hälfte von den frühen und entscheidenden Treffern und der Qualität Kathrin Patzkes, die von den Gästen nie in den Griff zu bekommen war. Maßgeblich für den Spielverlauf war die frühe Entscheidung nach 54 Minuten, wie auch das dreifache Pech der Stormarnerinnen. Für den SV Henstedt-Ulzburg war der Sieg besonders bedeutend als Vorbereitung auf das Halbfinale im Landespokal, wo sie am Sonntag den direkten Liga-Rivalen und Vorjahresmeister aus Ratekau empfangen. Ob das Spiel wegen des angekündigten Schneefalls jedoch überhaupt stattfinden kann, ist noch offen.

 

 

SV Henstedt-Ulzburg:
Weech – Frank (74. Jansen), Torba, Schubring, Fichtner (46. Kunrath) – Michel, Krengel, Tiarks, Zietz – Witt (46. Patzke / 78. Wrage), Siebert

SSC Hagen Ahrensburg:
Tschechne – Hahne, Grimm, Bohn, Laur – Wöbcke – Stein, Kuziek, Stein-Schomburg, Trumpf (29. von Gönner / 60. Banse) – Gollnest (25. Sidow / 73. Holla)

Tore:
1:0 Grimm (34., Eigentor)
1:1 Kuziek (38., Foulelfmeter)
2:1 Zietz (46.)
3:1 Patzke (54.)
4:1 Patzke (64.)
5:1 Siebert (77.)
6:1 Torba (82.)

Gelbe Karten: Krengel / -

Schiedsrichterin: Mirka Derlin (Bad Schwartau)

Zuschauer: 30