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Feb 19 2013

1. Bundesliga: 1. FFC Frankfurt – SGS Essen

 

Frankfurt müht sich zum Sieg gegen Essen

 

Text von Tom Schlimme, Bilder von Peter Henkel und Herbert Heid

Der 1. FFC Frankfurt konnte mit einem 1:0 einen von der Punktausbeute her gelungenen Start ins Jahr 2013 verbuchen. Doch das Zustandekommen des Sieges lässt aus Frankfurter Sicht noch viele Wünsche offen.

 

Frankfurts Neuzugang aus Dänemark Lise Overgaard Munk konnte sich über ihr erstes Tor für den FFC freuen – das Tor des Tages! Dzsenifer Marozsan mit der 10 gratuliert, Carole da Silva Costa, die den Ball unglücklich zu Munk abgewehrt hatte, möchte sich das Trikot über den Kopf ziehen (Foto: Herbert Heid)

 

 

Dabei fing es gar nicht mal schlecht an für die Frankfurterinnen, die auf etlichen Positionen umformiert waren. Die Neuzugänge Kozue Ando (linker Flügel) und Lise Overgaard Munk (Sturmspitze) spielten von Beginn an. Der dritte Neuzugang in der Winterpause, Tameka Butt, war erst kurz vorher aus Australien angereist und sah sich das Spiel von der Tribüne aus an. Aber auch an den Positionen der Stammspielerinnen hatte Trainer Phillip Dahm Änderungen vorgenommen. Svenja Huth war wieder in der Startelf, spielte aber nicht mehr wie bisher meist auf dem linken Flügel, sondern im zentralen Mittelfeld. Ebenso wie Dzsenifer Marozsan, die wesentlich defensiver aufgestellt war als bisher, und Melanie Behringer, die hauptsächlich die Position einer defensiven Doppelsechs erfüllte. Hauptsächlich, denn all diese Positionen sind im Frankfurter Spiel nicht klar festgelegt, es wird ständig rotiert. So ist das Team für den Gegner natürlich schwer auszurechnen, man fragt sich manchmal nur, ob denn die Frankfurter Spielerinnen immer so genau wissen, wo sie gerade spielen, welche Laufwege sie zu gehen haben und was wohl ihre Mitspielerinnen so alles anstellen werden. Doch in der ersten Halbzeit funktionierte das kompliziert wirkende System recht gut, Ando überzeugte mit etlichen guten Angriffen, die großgewachsene Munk wirkte zwar oft etwas hölzern, erzielte aber immerhin das Tor des Tages, als sie von einem Missverständnis zwischen Essens Keeperin Lisa Weiß und Carole da Silva Costa profitierte und den Ball mittig aus ca. 25m Entfernung ins leere Tor schlenzte. Die Kombinationen im Frankfurter Spiel wurden immer besser, wenn auch häufig nicht zwingend genug, zu viele Chancen wurden nicht vergeben, da nicht viele Chancen heraus gespielt wurden.

 

In der Halbzeitpause dachte ich noch, wenn die sich jetzt noch etwas steigern und mehr Druck nach vorne aufbauen, dann wird das ein guter Start in die zweite Saisonhälfte. Doch Pustekuchen, statt einer Steigerung des FFC-Teams war in der zweiten Halbzeit ein Einbruch zu beobachten. Die Gäste aus Essen hatte nach dem Rückstand nichts mehr zu verlieren und setzten die Frankfurter Abwehr mit wütendem Forechecking unter Druck. Vorneweg zu nennen die enorm kämpferische Charline Hartmann, dazu die zweite Spitze Linda Dallmann und meist zwei oder drei weitere Spielerinnen aus Essen griffen die Frankfurter Abwehrspielerinnen bei deren Versuchen, den Ball aus der Abwehr per Kurzpassspiel nach vorne zu befördern, mit enormem Laufeinsatz an. Ergebnis waren Rückpässe zur Torhüterin, Nadine Angerer war mit Sicherheit mehr mit Rückpässen beschäftigt als dass sie Torschüsse der Essenerinnen zu halten gehabt hätte. Angerer spielte mit und blieb dabei fehlerfrei, doch auch sie schlug den Ball nicht weit nach vorne sondern beteiligte sich am Kurzpassspiel ihrer Abwehrspielerinnen. Dabei wurden die Szenen aber immer gefährlicher, die Essener Angreiferinnen kamen immer näher an die Querpässe heran, hin und wieder eroberten sie sogar den Ball und konnten nur mit Mühe und Not gerade noch gestoppt werden. Dabei zeigte sich, dass die vor allem in einem Forum vielgeschmähten Frankfurter Abwehrspielerinnen individuell doch sehr stark sind, Saskia Bartusiak entschärfte einige gefährliche Situationen im eins gegen eins, Bianca Schmidt konnte mit ihrer Schnelligkeit einige Male schon fast enteilte Spielerinnen noch stoppen, und auch Saki Kumagai und Babett Peter blieben fehlerlos. Doch wehe, sie sind selbst am Ball. Nicht, dass sie nicht mit ihm umgehen können, doch es fehlten die taktischen Mittel, um den Ball an den direkt angreifenden Essenerinnen vorbei zu den vorne lauernden Offensivspielerinnen zu bringen.

 

„Wir wussten, dass Essen mit drei, vier oder fünf Spielerinnen Forechecking betreiben wird, und wir wollten uns in die Räume dahinter kombinieren, um danach Platz im Spiel nach vorne zu haben, das hat in der ersten Halbzeit gut geklappt, in der zweiten dann nicht mehr so gut“, erläuterte der FFC-Trainer hinterher seine Taktik und beschrieb damit gut das Geschehen auf dem Platz. Doch auf die Idee, dass man, wenn eine bestimmte Taktik im Laufe des Spiels nicht mehr funktioniert, vielleicht auch mal umstellen kann, kam beim FFC niemand. Ich weiß nicht, ob es den Abwehrspielerinnen oder der Keeperin verboten war, den Ball auch mal schnell und weit nach vorne zu spielen, sie taten es jedenfalls fast nie. Dazu gehört natürlich auch die Position möglicher Anspielstationen, es fehlte an diesem Tag ein kompletter Plan B neben dem Versuch, sich von hinten heraus nach vorne zu kombinieren. Fußball ist ein einfaches Spiel, wie das aussehen kann, sah man nach einem weiten Befreiungsschlag von Essens Keeperin Lisa Weiß, der zu einem durchaus nicht ungefährlichen Essener Angriff führte.

 

Man muss aber auch sagen, dass Essen außer einer Großchance durch Sarah Freutel, die Sekunden nach ihrer Einwechselung schon mit dem Ball am Fuß auf Nadine Angerer zustürmte und knapp an deren guten Reaktion scheiterte, nicht viele Chancen hatte, von einem wegen Abseits nicht gegebenen Tor von Irini Ioannidou mal abgesehen. Dem FFC gelang es dagegen natürlich schon das eine oder andere Mal, sich aus der Abwehr zu befreien und wenn man die Räume hinter der ersten Essener Reihe erreicht hatte, ging es tatsächlich blitzschnell nach vorne, und etliche Male war es allein der stark reagierenden Lisa Weiß zu verdanken, dass nicht noch das zweite Gegentor fiel, das natürlich dann auch ein ganz anderes Spiel zur Folge gehabt hätte. Doch zu oft war das Frankfurter Spiel dann auch im letzten Pass oder im Abschluss zu ungenau, als dass dieses Konterspiel zukünftige Gegner in Schrecken versetzen müsste.

 

Essens Trainer Markus Högner ist zu einer guten Leistung seiner Mannschaft zu gratulieren, die optimal auf ihre Möglichkeiten eingestellt war und sich bei einem Team, das vor der Saison noch als Meisterschaftsfavorit gehandelt wurde, hervorragend präsentiert hat. Neuzugang Emma Mitchell spielte auf dem linken Flügel, riss da zwar keine Bäume aus, zeigte sich aber ebenso kampfstark wie der Rest des Teams und könnte gegen schwächere Gegner noch für viel Gefahr sorgen. Schade, dass die wie alle Essener Verteidigerinnen starke Katharina Leiding verletzt vom Spielfeld getragen werden musste. Auf der Pressekonferenz hieß es, sie sei sofort ins Krankenhaus gekommen, man hoffe, dass es kein Kreuzbandriss sei. FanSoccer drückt der 18-jährigen U-20 Nationalspielerinnen alle Daumen, dass die Verletzung nicht so schlimm ist!

 

 

 

 

 

 

 

1. FFC Frankfurt: Angerer – Schmidt, Kumagai (89. Weber), Bartusiak, Peter – Garefrekes, Behringer, Huth, Ando (58. Crnogorcevic) – Marozsan, Munk (79. Smisek)

 

SGS Essen: Weiß – da Silva Costa, Martini, Leiding (74. Klasen), Dörpinghaus- Leite (46. Ionnaioudou, Hoffmann, Mester, Mitchell (72. Freutel) – Dallmann, Hartmann

 

Tor: 1:0 Munk (26.)

 

Gelbe Karte: – / Hartmann

 

Schiedsrichterin: Christina Biehl (Schwollen) mit Ines Appelmann und Hanna Schlemmer

 

Zuschauer: 1.380

 

Weitere Bilder vom Spiel bei www.girlsplay.de