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Frauenfußball international

Wieder zurück - Mit neuer Spielstärke auf höherem Niveau

Interview mit der niederländischen Nationalspielerin Mirte Roelvink

12. Februar 2012
Interview von Marion Kehren, Fotos von Marion Kehren, Katrin Müller und Thomas Thienel

Dass die Niederländerinnen guten Fußball spielen, weiß man spätestens seit der Europameisterschaft 2009 in Finnland. Unter Ex-Trainerin Vera Pauw erreichten die Oranjes, nicht ganz zu Unrecht, das Halbfinale und verloren erst in der Verlängerung mit 2:1 gegen England.

Mirte Roelvink
Auch die Bundesliga sichert sich immer wieder die Dienste einiger Spielerinnen aus dem Nachbarland. Besonders hoch im Kurs stehen dabei natürlich die grenznahen Vereine wie z.B. der FCR 2001 Duisburg. Viele Jahre spielte dort auch die niederländische Rekordnationalspielerin Annemieke Kiesel-Griffioen (hat mittlerweile ihre Karriere beendet) und auch Mirte Roelvink verschlug es 2010 ins Ruhrgebiet. Die hohe Qualität in der Bundesliga war ebenso ein Hauptgrund für den Wechsel, als auch das hohe Spielniveau in Deutschland. „Ich bin zum FCR gewechselt, weil ich schon immer in Deutschland Fußball spielen wollte und Duisburg eine Mannschaft von Weltklasse hat. Vor allem erhoffte ich mir damals neue Erfahrungen zu sammeln und meine Leistung zu steigern. Besonders gefreut hat es mich damals, dass ich sofort spielen durfte, “ so die sympathische Niederländerin.

Geboren und aufgewachsen in Zutphen (Gelderland, Nähe der holländischen/deutschen Grenze) schnupperte Mirte schon früh Fußballluft, als sie mit ihrem Bruder und dessen Freunden auf dem Bolzplatz um die Wette kicken durfte. Für die sportbegeisterte Mirte mit ihren vielen Hobbies wie z.B. Skifahren, Snowboarden und auch Wandern, war recht schnell klar, dass Fußball wohl ihr Leben beeinflussen würde. Ihre fußballerische Karriere begann sie mit neun Jahren bei Wilhelmina SSS. Über VV Oeken wechselte sie 2004 zum damaligen Zweitligisten SC Klarenbeek und ein Jahr später zum SV Saestum. Die junge Niederländerin wollte mehr und wechselte nach Gründung der Ehrendivision im Jahre 2008 zum FC Twente Enschede, einer der besten Frauenfußballclubs in den Niederlanden. Mit Twente gewann sie 2008 den niederländischen Pokal durch einen 2:1-Sieg über den FC Utrecht. Durch die konstant gute Leistung der damaligen 24-Jährigen wurde auch Nationaltrainerin Vera Pauw auf sie aufmerksam und nominierte sie erstmals 2009 in den Kader der Elftalen. Ihren ersten Einssatz im Oranjetrikot absolvierte sie jedoch erst ein knappes Jahr später unter Nationalcoach Ed Engelkes in einem Freundschaftsspiel gegen Nachbar Belgien.


Mirte RoelvinkJust in diesem erfolgreichen Jahr 2010 wechselte die Abwehrspielerin nochmals den Verein und wagte den Gang ins Nachbarland Deutschland, zum erfolgreichen Revierclub FCR 2001 Duisburg. Die aufgeschlossene und offene Art der Niederländerin machten sie schnell zum Publikumsliebling und sportlich gesehen zu einem starken Pfeiler in Duisburgs Abwehr. Doch eine schlimme Verletzung im vierten Pflichtspiel stoppte die sportlichen Ambitionen jäh. Im Auswärtsspiel gegen den FC Bayern München zog sich Roelvink in einem Zweikampf mit Petra Wimbersky einen Riss des vorderen Kreuzbandes zu sowie diverse Verletzungen am Meniskus und den Innenbändern. Das bedeutete mindestens ein halbes Jahr Pause … wenn nicht sogar länger.

Diesen herben Rückschlag galt es erst einmal zu verdauen, aber trotz der Up and Down verlor Mirte niemals ihren Humor und ihre mentale Stärke, die sie wohl nicht zuletzt aus ihren größten Vorbildern Nelson Mandela und Thich Nhat Hanh auch heute noch zieht. Besonders wichtig in dieser schweren Zeit waren zudem auch ihre Eltern und ihre Freundin Rosa. „Es ging mir am Anfang richtig schlecht. Ich hatte unglaublich viel Schmerzen, die Verletzung war recht kompliziert und immer wieder diese Rückschläge, fürchterlich. Nach einer Weile wurde es besser, aber auch anstrengend, weil ich in dem Jahr auch meinen Studienabschluss absolviert habe. Immer hin und her zwischen Reha, Krafttraining  und Studium. Nachdem ich irgendwann wieder auf dem Rasen trainieren durfte ging es mir schnell wieder besser und ich hatte wieder Spaß, Freude und auch mein Selbstvertrauen kehrte zurück, “ so der Familienmensch Roelvink.


Mirte Roelvink, Annike KrahnDie Saison flog mehr oder minder an der Niederländerin vorbei, ohne noch einmal ein Spiel für Duisburg bestritten zu haben – die Verletzung war schwerer als angenommen. Nach Ablauf der Saison wechselte Mirte, für manche Fans doch etwas überraschend, zum Ligakonkurrenten FF USV Jena. „Es gefiel mir in Duisburg sehr gut, besonders weil das Trainings- und Spielniveau sehr hoch war. Die Mannschaft war sehr nett und freundlich, die Fans super und ich war nicht weit weg von Nimwegen. Aber nach der langen Verletzungsunterbrechung brauchte ich dringend Spielpraxis und die bekomme ich in Jena. Zudem habe ich hier auch die Möglichkeit an einer Grundschule Sport und an der Universität Niederländisch zu unterrichten und das macht mir richtig viel Spaß. Nach wie vor stehe ich immer noch dafür offen wieder zum FCR zurück zu kehren, “ erzählt sie glücklich.“ Wie gut Mirte immer noch in Duisburg gelitten ist, konnte man spätestens beim Auswärtsspiel Jenas im Ruhrgebiet erfahren, als die fröhliche Niederländerin bis weit nach Spielende von Fans umlagert war, obwohl die Autogrammkarten längst vergriffen waren.

Die Nationalmannschaftkarriere lag nach ihrer Verletzung lange auf Eis. Doch jetzt, nach ihrer unfreiwilligen Verletzungspause, wurde sie von vom aktuellen Bondcoach Roger Reijners wieder eingeladen, um an diversen Trainingseinheiten der Nationalmannschaft teilzunehmen. Nach den letzten Übungen am 21. Februar wird Reijners sein Team für den diesjährigen Zyperncup zusammenstellen und wer weiß, vielleicht ist Mirte dann schon wieder mit von der Partie. Und wenn nicht, dann eben beim nächsten Mal. „Na klar hoffe ich auf einen Neuanfang in der Natio, wann das passiert weiß nur die Zeit. Ich habe gemerkt, dass ich nicht mehr auf meine alte Stärke komme, sondern das ich jetzt auf einem völlig neuen, anderen und viel höherem Niveau spiele wie vor meiner Verletzung, “ so Roelvink zum Abschluss.



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