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Uefa Cup 2008

Wiedersehen bei Freunden

Katharina Lindner trifft im Uefa Cup auf Ex-Club Frankfurt

Von Nora Kruse

08.10.2008

Mit dem 1. FFC Frankfurt 1999 den DFB-Pokal zu gewinnen, sei ihr bislang größter Erfolg gewesen, sagt Katharina Lindner. Beim Uefa Cup in Oslo wird die Stürmerin wieder mit dem FFC auf dem Feld stehen; diesmal sind sie Gegner. 2005 wechselte Lindner ins schottische Glasgow und freut sich jetzt auf ein Wiedersehen mit ihrem alten Verein.

Wann sie den FFC das letzte Mal hat spielen sehen, weiß Lindner nicht, denn häufig ist die aus Klein Ostheim bei Aschaffenburg stammende Stürmerin nicht mehr in der Heimat, „eigentlich nur noch an Weihnachten oder bei runden Geburtstagen in der Familie.“ Gern hören ihre schottischen Teamkolleginnen das nicht, „die hätten mich schon gerne als FFC-Expertin“, lacht die 29-Jährige. Denn wenn Glasgow City LFC morgen gegen Røa IL in den Europapokal startet, betreten die Hauptstädterinnen Neuland. Noch nie ist eine schottische Mannschaft in die zweite Runde des Uefa Cups eingezogen, und bis dahin war es ein schwerer Weg.

„Schon für die erste Runde in Serbien mussten wir das Geld zusammen kratzen, vom Verband bekamen wir keinerlei Unterstützung“, sagt Lindner. Dass sie sich dort für die Runde der besten 16 qualifizieren konnten, gleicht für sie einer kleinen Sensation. „Wir waren in unserer Gruppe auf Rang vier gesetzt, mit uns hatte keiner gerechnet.“ Doch mit den Reisevorbereitungen für Oslo gingen die Probleme weiter, auch für Norwegen fehlte zunächst das Geld. „In Deutschland habe ich das nie hinterfragt. Irgendwoher wird das Geld schon kommen. Hier ist das anders, hier haben die Vereine einfach keines.“ Die Vorfreude der Mannschaft auf das Abenteuer wurde dadurch kaum getrübt, „die Schottinnen haben sich an die Umstände gewöhnt.“


Seit 2005 trägt Katharina Lindner das Trikot von Glasgow City.

Foto: privat

Für Lindner waren diese Umstände dagegen fast ein kleiner Kulturschock, als sie 2005 nach Schottland wechselte. Zuvor hatte sie dank eines Stipendiums einige Jahre in den Vereinigten Staaten an der University of Hartford gespielt, „da hatte der Frauenfußball fast Profistatus“. Es waren schließlich berufliche Gründe, die die ehemalige U21-Nationalspielerin nach Schottland verschlugen. Nach ihrem Studium der Film- und Medienwissenschaften wollte sie im englischsprachigen Ausland promovieren, konnte sich aber ein dauerhaftes Leben in den Staaten nicht vorstellen, weswegen sich Schottland anbot. Die Doktorarbeit, die sich mit der Darstellung von Frauen im Sport beschäftigt, hat Linder vor gerade drei Wochen abgegeben, nun ist sie auf der Suche nach einer Dozentenstelle. Deutschland hat sie dabei kaum im Blick - sie ist in Schottland heimisch geworden.

Heimisch sollen auch die schottischen Vereine in Europas Spitze werden, doch bis dahin ist es ein langer Weg. „Der Frauenfußball ist hier nicht richtig


integriert“, so Lindner, die auch die mangelnde öffentliche Aufmerksamkeit bedauert. „Zu unseren Spielen kommen vielleicht zwanzig Zuschauer und das sind zumeist andere Spielerinnen.“ Dass der Uefa Cup einen Schub bringt, hofft Lindner zwar, aber so richtig fehlt ihr der Glaube. „Schottland ist ein eigenartiges Land. Auch bei den Männern liegt die Aufmerksamkeit mit Celtic und den Rangers auf nur zwei Vereinen.“ Für mehr Aufmerksamkeit bräuchte es auch mehr Presse, doch die sei bei den Spielen weit und breit nicht zu sehen. „Selbst unsere Qualifikation wurde total ignoriert. Wir mussten unglaublich um Berichterstattung kämpfen. Erst als Spielerinnen und Eltern sich bei den Zeitungen beschwerten, bekamen wir etwas Beachtung.“

Ihren Gegnern in Oslo konnte Glasgow kaum Beachtung schenken. Um die Teams im Vorfeld zu beobachten, fehlte das Geld. „Von Røa konnten wir uns ein paar Spiele über das Internet anschauen, die anderen Mannschaften konnten wir gar nicht spielen sehen.“ Mit der Qualifikation hat Glasgow die eigenen Erwartungen mehr als erfüllt, doch der Hunger auf mehr ist geweckt: „Wir hoffen, um den zweiten Platz mitspielen zu können, die Vorfreude in der Mannschaft ist riesig.“ Und auch, wenn der Kontakt zu ehemaligen Mitspielerinnen im Laufe der Jahre eingeschlafen ist, freut sich Katharina Lindner natürlich besonders auf das Duell gegen den FFC. Dessen Leistungen hat sie in den vergangenen Jahren nur noch über das Internet verfolgen können.

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